Veröffentlicht am 27.03.2020
TABEA
Nach drei Tagen zuhause folgte ein Wochenenddienst. Das war eine gute Ablenkung zu dem sonst eher gedankenreichen Tag zuhause.
Ich bin schwanger. Ich kann es immer noch nicht fassen. Ich habe das überhaupt nicht geplant. Da habe ich auch nicht mit gerechnet, denn Frederik ist 44. Ich bin 29. Rein davon gesehen im besten Alter. Ich habe eine unbefristete Stelle als Ärztin. Die Rahmenbedingungen stimmen. Aber ist es nicht zu früh? Ich bin erst seit 10 Wochen mit Frederik zusammen. Und wie bin ich überhaupt schwanger geworden? Wir verhüten mit Kondom. Ich fühle mich wie ein Teenager, wenn ich mich frage wie das passiert ist. Ist es eigentlich nicht egal? Schwanger ist schwanger. Ändert es etwas daran wenn ich weiß wie es passiert ist? Wie würde ein Leben mit Kind sein? Geht das überhaupt mit meinem Job zu vereinen? Ich bin alleine. Schaffe ich das?
Alleine. Ich habe Frederik weggeschickt. Er hat mir mehrfach geschrieben, dass ich ihn jederzeit anrufen kann. Er möchte das Kind. Für mich wirkt es fast so, als wenn er sich auf das Kind freut, auch wenn er überrascht war.
Es ist Montagmittag, 13 Uhr. Nach langen hin und her habe ich mir überlegt einen Termin bei meinem Gynäkologen zu machen. Ich sage denen am Telefon, dass ich nach meinem Hausarzt zufolge schwanger sein soll. Deshalb bekomme ich einen Termin für morgen um 11 Uhr.
Mein Handy läutet einmal. Ich nehme es und schaue drauf. Es ist Frederik, der mir eine Whatsappnachricht geschickt hat.
>>Hallo Tabea. Bitte lass uns reden. Ich vermiss dich. Frederik.<<
Er kämpft um mich. Warum nur bin ich so abweisend zu ihm?
FREDERIK
Es ist 14 Uhr.
Ich sitze auf dem Sofa. Ich habe erst um 16 Uhr Dienst.
Tabea meldet sich nicht. Ich sehe, dass sie meine Nachrichten liest. Sie schreibt nicht zurück. Die Schwangerschaft überfordert sie. Ich möchte ihr helfen. Doch wie soll das gehen, wenn sie mich nicht sehen will und nicht mal mit mir schreibt?
Es klingelt. Ich stehe auf, gehe zur Wohnungstür und schaue auf den Monitor um zu sehen wer vor der Tür steht. Ich bin überrascht, als ich sie sehe. Es ist Tabea.
Ich drücke den Summer und öffne die Wohnungstür. Tabea kommt zu mir hoch.
Tabea:"Hallo. Darf ich reinkommen?"
Ich:"Ja."
Sie kommt rein. Wir stehen im Flur.
Tabea:"Können wir reden, bitte?"
Ich:"Ja. Lass uns dazu ins Wohnzimmer gehen."
Tabea nickt. Sie zieht ihre Schuhe und Jacke aus.
Wir gehen ins Wohnzimmer. Wir setzen uns aufs Sofa. Ich lächel. Ich bin froh, dass sie da ist.
Ich:"Wie geht es dir?"
Tabea zuckt mit den Schultern. "Es ist ein hin und her. Mal ist alles super und dann wieder nicht. Ich kann es nicht beschreiben."
Ich:"Musst du dich noch übergeben?"
Tabea:"Es ist besser geworden seitdem ich die Eisentabletten nehme."
Ich:"Hast du einen Eisenmangel?"
Tabea nickt.
Ich:"Nicht unnormal während der Schwangerschaft."
Tabea:"Ich weiß."
Ich schaue sie an. Ich weiß nicht was ich sagen soll.
TABEA
Jetzt sitze ich mit ihm auf dem Sofa. Ich hatte das Bedürfnis mit ihm zu sprechen. Deshalb bin ich zu ihm gefahren.
Er schaut mich an.
Ich:"Ich wollte mit dir reden. Es tut mir Leid, dass ich so abwesend zu dir war. Ich brauchte Zeit für mich. Zeit zum Nachdenken, zum Sortieren, zu schauen wie es weiter gehen soll. Ich habe keine Schwangerschaft geplant und ich weiß nicht, wie das für dich ist. Immerhin hast du schon drei Kinder. Ich fühle mich so hin- und hergerissen. Auf einer Seite bin ich verzweifelt, weil ich nicht weiß wie es mit Kind werden soll. Auf der anderen Seite denke ich, dass jedem das gegeben wird, was er schaffen kann. Und wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, ich kann kein Kind abtreiben."
Frederik:"Das sollst du auch nicht. Ich stehe voll und ganz hinter dir. Wir schaffen das zusammen."
Ich:"Aber willst du das überhaupt? Machst du es nicht nur, weil es keine Alternative gibt?"
Frederik:"Es gibt schon Alternativen. Ich könnte dich verlassen, aber das will ich nicht, weil ich dich liebe. Ich könnte dich darum bitten, das Kind zur Adoption freizugeben, aber das will ich nicht, weil es unser Kind ist. Und auch wenn wir das nicht geplant haben und es auch für mich total überraschend ist, ich trau mir das zu, denn jeder bekommt das zugemutet, was er schaffen kann."
Er legt seine Hand auf meinen Oberschenkel.
Frederik:"Wir schaffen das zusammen."
Ich schaue zur Seite.
Er legt eine Hand auf meine Wange und schiebt mein Gesicht zu sich.
Frederik:"Wir gehören zusammen und das Baby gehört dazu."
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Das verlorene Kind
Fiksi PenggemarDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
