72. Teil 5: Warum macht Emma das?

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Veröffentlicht am 21.08.2019

CHARLOTTE
Die Nacht ist vorbei. Ich habe wenig geschlafen, weil Klara viel geschrien hat und gestillt wurde.

Um 5:30 Uhr höre ich Emma schreien. Sofort nehme ich Klara von meiner Brust ab, lege sie ins Beistellbett und stehe auf. Frederik steht auch schon.
Ich:"Ich geh zu ihr." und renne hoch.

Ich öffne Emmas Zimmertür. Sie sitzt im Bett und schreit. Ich mache das Licht an und gehe zu ihr.
Ich:"Emma Maus. Mama ist da."
Ich setze mich auf die Bettkante und möchte sie in den Arm nehmen. Emma schlägt daraufhin mit ihren Armen um sich.
Emma:"Nein. Nein. Will nich."
Ich:"Emma. Mama ist da."
Emma:"Weg."
Ich:"Ich bin da."
Emma:"Nein. Weg."
Ich:"Ich bin hier." und fasse Emma an die Arme, welche daraufhin zu mir schaut und mich anstarrt. Sie hört auf um sich zu schlagen.
Ich:"Ich bin da. Alles ist gut."
Emma starrt mich an. Ich drücke sie an mich und umarme sie. Ich merke, wie schnell Emmas Herz schlägt. Ich merke auch, wie sie sich beruhigt.
Emma:"Mama da."
Ich:"Ja, Mama ist da."

Nach einer Weile löst sich die Umarmung.
Ich:"Weißt du wo du bist Emma?"
Emma:"Emma Ause."
Ich:"Und welcher Raum ist das hier?"
Emma:"Imme."
Ich:"Von wem ist es das Zimmer?"
Emma:"Emma."
Ich merke, dass Emma ganz da ist. Ich frage mich, ob sie es vorher auch war.

Ich:"Hast du was Böses geträumt?"
Emma nickt.
Ich:"Was hast du denn geträumt?"
Emma:"Baby weg."
Ich:"Du hast geträumt, dass das Baby weg ist?"
Emma:"Ja."
Ich:"Und das möchtest du nicht?"
Emma:"Och. Emma nich Baby."
Ich:"Du möchtest das Baby nicht?"
Emma nickt.
Ich:"Weißt du, dass Baby ist deine Schwester Klara."
Emma:"Nein. Will nich abe."
Ich:"Jetzt ist sie aber da."
Emma:"Weg ehe."
Ich:"Wohin soll Klara denn gehen?"
Emma überlegt kurz und sagt dann:"Weg. In Ake und weg."
Ich:"In ein Paket soll Klara?"
Emma nickt.
Ich:"Und was wird dann aus dem Paket?"
Emma:"Zu Pos und weg."
Ich:"Du willst es mit der Post verschicken?"
Emma:"Ja."
Ich:"Und wohin möchtest du es schicken?"
Emma:"Weg."
Ich:"Dann ist das Baby weg."
Emma:"Ja."
Ich:"Das geht nicht. Sie kann doch in einem Paket gar nicht überleben. Da bekommt sie keine Luft. Das geht nicht."
Emma:"Och in Ake."
Ich:"Auch mit Löchern im Paket geht das nicht. Es ist gar nicht erlaubt, Babys in Pakete zu verschicken."
Emma:"Nich?"
Ich:"Das darf man nicht. Das ist verboten."
Ich sehe in Emmas Blick Enttäuschung und Traurigkeit.

Ich:"Magst du Klara nicht?"
Emma:"Nein."
Ich:"Warum magst du Klara nicht?"
Emma:"Öse."
Ich:"Warum ist Klara böse?"
Emma:"Baby böd. Emma mag nich."
Ich:"Findest du es blöd, dass Klara so viel weint?"
Emma nickt. "Baby aut. Baby böd. Emma mag nich."
Ich möchte nicht weiter darauf eingehen. Ich weiß auch nicht wie. Ich nehme Emma in den Arm und streichel ihren Rücken.
Ich:"Alles wird gut Emma."

Nach kurzer Zeit löst sie sich von mir, klettert aus dem Bett und geht ins Wohnzimmer. Ich gehe hinter ihr her.
Im Wohnzimmer ist auch Frederik, welche Klara auf dem Arm hat.
Frederik:"Gutenmorgen Emma. Hast du gut geschlafen?"
Emma:"Nein."
Frederik:"Warum nicht?"
Emma dreht sich um und verlässt das Zimmer. Sie geht in den Flur und fängt an dort mit ihren Händen gegen die Wand zu hauen.
Ich gehe zu ihr. "Emma Maus, hör auf damit. Du tust dir weh."
Emma macht weiter.

Frederik steht hinter mir und flüstert zu mir:"Was macht sie da?"
Ich:"Ich glaube, sie möchte dadurch Aufmerksamkeit bekommen. Oben hat sie im Bett gesessen und geschrien. Sie ließ mich erst gar nicht an sie ran. Ich musste sie an den Armen festhalten, damit sie ruhiger wird. Sie hat gesagt, dass Klara weg soll. Sie möchte sie in einem Paket verschicken."
Frederik:"Mit einem Paket verschicken?"
Ich:"Ja. Sie sagt, dass Klara laut, blöd und böse ist."
Frederik:"Warum?"
Ich zucke mit den Schultern.

Ich spreche wieder in normaler Lautstärke zu Emma. "Emma. Hör bitte auf damit."
Emma reagiert nicht und schlägt weiter gegen die Wand.

Da klopft es an unserer Haustür. Frederik öffnet sie. Seine Eltern stehen davor, kommen rein und schauen sich Emma an und dann entsetzt zu uns.
Helga:"Was ist denn hier los?"
Frederik:"Emma schlägt gegen die Wand."
Helga:"Warum?"
Frederik:"Das wissen wir nicht. Sie ist schreiend aufgewacht und Charlotte ist zu ihr gegangen. Es schien alles wieder gut. Als sie dann ins Wohnzimmer kam, wo ich mit Klara war, ging sie dort hin und schlägt gegen die Wand."
Helga:"Das geht doch nicht. Das könnt ihr doch nicht zulassen."
Ich:"Sie reagiert auf uns nicht."

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