121. Was machen sie in Köln? II

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Veröffentlicht am 07.03.2020

RONJA
Ich muss sie wiedersehen. Ich muss sie fragen, ob sie die Tabea ist. Was mache ich wenn sie es nicht ist? Warum sollte sie es auch sein? Dann muss sie mich doch erkannt haben. Vermisst sie mich garnicht? Warum hat sie mich zurück gelassen? Sie war immer für mich da und eines Tages holte sie mich nicht vom Kindergarten ab und seitdem ist sie weg. Vielleicht mache ich mir zu viel Hoffnung. Vielleicht wollte sie mich nicht mehr. Sie war jung und ihr ein Klotz am Bein.

TABEA
Sie ist es. Ich weiß nicht was ich machen soll. Ich habe Angst, dass ihr das gleiche angetan wird wie mir. Ist die Verletzung wirklich eine Sportverletzung? Sie sieht danach aus, doch ein Zweifel bleibt. Ich habe sie zurück gelassen. Ich hab damals nur die Flucht für mich gesehen und dabei nur an mich gedacht. Was denkt sie darüber? Was wurde ihr gesagt, warum ich nicht mehr da bin? Wie soll ich mit ihr umgehen? Soll ich ihr sagen wer ich bin? Vielleicht weiß sie gar nichts von mir. Soll ich es Prof. Filou melden, denn ich dürfte sie gar nicht behandeln. Vielleicht versuche ich einfach auf Abstand zu gehen. Sie wird bald entlassen und wir gehen weiter getrennte Wege.

Ich schlafe wieder sehr unruhig.

Um 14 Uhr bin ich auf Station in der Schwesternkanzel. Dr. Constanze Herzinger übergibt mir die Patienten.
Constanze:"Dann haben wir Ronja Rohde. Verletzung nach Sportunfall. Zustand stabil. Wenn alles so bleibt kann sie morgen entlassen werden. Sie hat übrigens nach dir gefragt."
Ich:"Warum das?"
Constanze:"Das weiß ich nicht. Kennt ihr euch vielleicht doch irgendwo her oder seit sogar verwandt miteinander?"
Ich schaue sie irritiert an.
Constanze:"Immerhin habt ihr den gleichen Nachnamen."
Ich:"Wenn ich mit allen die Rohde heißen verwandt wäre, wäre meine Verwandtschaft riesig."
Constanze:"Stimmt. Wobei du kannst mal schauen, ob du ihrem Wunsch, zu ihr zu kommen, im Laufe deiner Schicht nachkommst."
Ich:"Ich schau mal was sich da machen lässt."
Sie übergibt mir die anderen Patienten und geht.

Ich kümmer mich daraufhin erstmal um die Neuaufnahme, welche im Behandlungsraum auf mich wartet. Anschließend bin ich in der Notaufnahme.

Um 17 Uhr sitze ich auf Station im Behandlungsraum am Computer.
Warum will sie mich sehen? Soll ich zu ihr gehen? Wollte ich nicht auf Abstand gehen? Warum nur bin ich so neugierig?
Ich möchte wissen, was sie möchte und da ich mich sowieso nicht aufs Berichte schreiben konzentrieren kann geh ich zu ihr.

Ich klopfe an, öffne die Tür, mache sie wieder zu und gehe zu ihr.
Ich:"Hallo Ronja."
Als Ronja mich sieht lächelt sie. "Hallo."
Ich:"Ich hab gehört, dass du nach mir gefragt hast. Ich hab jetzt erst Zeit dazu gefunden, zu dir zu kommen."
Ronja:"Immerhin sind sie gekommen."
Ich:"Wenn jemand sich das wünscht versuche ich es einzurichten. Warum soll ich zu dir kommen?"
Ronja:"Mm. Also. Mm."
Ich schaue sie fragend an.
Ronja:"Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll."
Ich:"Einfach frei raus. Das hilft, glaub mir."
Ronja:"Also, ich." und stockt. "Ich weiß, dass sie mit Vornamen Tabea heißen."
Ich:"Ja, das stimmt."
Ronja:"In meiner Familie gibt es auch eine Tabea, aber sie ist seit fast 10  Jahren verschwunden."
Ich schlucke fest. "Das ist schade. Warum ist sie verschwunden?"
Ronja zuckt mit den Schultern. "Sie ist einfach nicht nach Hause gekommen. Sie hat mich immer vom Kindergarten abgeholt, bis zu dem Tag, wo sie nicht kam und seitdem ist sie weg." Ihr Mimik wird traurig.
Ich:"Das tut mir sehr Leid für dich."
Ronja:"Ich wollte sie fragen, ob sie die Tabea sind."
Mein Atem stockt. Hat sie mich erkannt?
Ronja:"Sie sehen mir ähnlich. Wobei das kann natürlich auch Zufall sein. Vielleicht bilde ich mir da auch gerade was ein. Ich wünsche mir sehr, Tabea wiederzusehen. Ich kann mir gar nicht erklären, warum sie mich zurück gelassen hat. Manchmal glaube ich, dass sie einer Straftat zum Opfer gefallen ist. Ich weiß, dass ist alles übertrieben und es ist auch blöd von mir sie zu fragen. Vergessen sie es einfach."
Ich hocke mich neben ihr Bett und lege meine Hand auf ihren Unterarm. "Ich finde es mutig von dir zu fragen."
Ronja dreht ihren Kopf zu mir.
Ich:"Es tut mir wirklich Leid, dass sie dich zurückgelassen hat. Sie wird Gründe dafür gehabt haben."
Ronja:"Aber welche. War ich zu anstrengend? Hab ich zu viel geweint?"
Ich sage schnell und ohne nachzudenken:"Nein, das warst du nicht."
Ronja schaut mich fragend an. "Woher wollen sie das wissen? Sie kennen mich doch gar nicht."
Ich schaue aufs Bett.
Ronja:"Oder kennen sie mich doch?"
Ich kann sie nicht anlügen.
Ich schaue zu ihr und nicke.
Ronja:"Du bist Tabea?"
Ich nicke wieder.
Ronja schaut mich an. Ihre Mimik ist freudig und fragend zugleich.
Ronja:"Warum bist du gegangen?"

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt