Veröffentlicht am 05.08.2019
CHARLOTTE
Es ist Mitte August.
Ich bin in Ende der 38SSW.
Seit fast einer Woche wohnt Lisa bei Frederik und Emma in Erfstadt. Ich sehe sie jeden Tag und bin an sich nur noch zum Schlafen bei Catharina, Robert, Lucy und Lennox.
Lisa hat sich gut eingelebt und besonders in Lucy schnell eine Freundin gefunden. Wer es nicht weiß würde nicht ahnen, dass die zwei zwischenzeitlich 7 Jahre gar keinen Kontakt hatten und fast 12 Jahre nicht in einem Ort gewohnt haben. Sie sind wie damals, unzertrenntlich.
Seit ein paar Tagen geht Lisa zur Schule, zu der auch Lucy geht. Wie sie erzählt ist es ganz ok. Angekommen ist sie da aber noch nicht; das merke ich. Sie wird nur ein Jahr da sein und dann ihr Abitur machen - Turboabi nach 12 Jahren. Ihre Noten aus Düsseldorf sind sehr gut, so dass ich denke, dass sie das gut schaffen wird.
Lucy hingegen macht Abi nach 13 Jahren. Sie ist auch in einem Jahr durch.
Mich freut es, dass Lisa gut angekommen ist.
Es fühlt sich gut an, dass sie da ist. Irgendwie komplett und das nach fast 12 Jahren, wo sie nicht bei mir wohnte. Und trotzdem ist es nicht ganz komplett, weil ich fehle.
Ich wohne noch bei Catharina. Zwar bin ich tagsüber in der Wohnung, nachts bin ich nicht da. Irgendwas hält mich noch davon ab da zu schlafen.
Wenn ich dort bin sehe ich auch Carina. Inzwischen kann ich damit umgehen.
Sie ist Ende der 12SSW. Soweit ich weiß geht es ihr gut.
Arbeiten darf sie schon seit vielen Wochen nicht mehr.
Ihr ehemaliger Partner und evtl. Vater vom Baby, Ben, hat sich von ihr getrennt, als er erfahren hat, dass sie ihn betrogen hat. Er möchte nicht mit einer Frau zusammen sein, die ihn schon nach wenigen Wochen Beziehung betrügt. Jetzt ist Carina Single.
Sie wohnt bei ihren Eltern im Obergeschoss. Sie sind für Carina da und wollen sie unterstützen, denn für sie ist es egal von wem das Baby ist. Denn fest steht, dass Carina die Mutter ist. Lieber wäre es ihnen auch zu wissen wer der Vater ist und vor allem, dass ihre Tochter in einer Partnerschaft ist, aber das können sie nicht bestimmen. Und so nehmen sie es wie es kommt.
Der Schock saß dort auch groß als ihre Eltern erfahren haben, dass evtl. Frederik der Vater ist und ich deshalb ausgezogen bin. Inzwischen können sie auch damit umgehen.
Natürlich ging es auch in der Nachbarschaft rum. Wenn plötzlich die schwangere Frau auszieht, das ist dann schon Gesprächsthema. Zeitgleich wird eine andere Schwangere verlassen. Es wurde viel darüber geredet und Frederik und Carina wurden Vorwürfe gemacht und ich bekam Mitleid. Inzwischen ist es ruhiger geworden, wobei die mitleidigen Blicke teilweise immer noch da sind.
Wie die letzten Tage auch verbringe ich den Tag in der Wohnung. Lisa macht ihre Hausaufgaben und Emma spielt im Wohnzimmer.
Frederik kommt von der Arbeit nach Hause.
Frederik:"Hallo ihr zwei."
Emma:"Papa", springt auf, rennt zu ihm und umarmt ihn. Frederik drückt sie auch ganz fest.
Emma:"Emma Ita. Emma Ald. Emma pielen."
Frederik:"Du warst mit der Kita im Wald und hast da gespielt."
Emma hüpft lachend auf und ab. "Ja."
Frederik:"Das hat bestimmt Spaß gemacht."
Emma:"Ja. Äume. Fuss. Emma nass." und hört auf zu hüpfen. "Da" und zeigt auf ihre Beine. "Und da" und zeigt auf ihre Hände."
Ich:"Unsere Tochter meinte, dass sie durch den Fluss laufen kann. Zum Glück hat eine Erzieherin das gesehen und sie da raus geholt. Da war sie aber schon oben bis unten nass."
Ich lächel und Frederik auch.
Frederik:"Das ist unsere Tochter" und schaut zu Emma. "Und jetzt bist du wieder trocken?"
Emma:"Ita ocken."
Frederik:"Super. Nicht, dass du dich noch erkältest" und tippt ihr auf die Nase.
Emma:"Nein.", lacht und geht wieder spielen.
Frederik schaut zu mir. "Hallo Charlotte."
Ich:"Hallo Frederik."
Wir umarmen uns kurz.
Frederik:"Da scheint ja richtig was los gewesen zu sein."
Ich:"Oh ja. Emma hat alle auf Trab gehalten."
Frederik schaut mich fragend an. Emma dreht ihren Kopf und schaut zu mir.
Ich sage etwas lauter:"Da konnte jemand nicht so gut hören im Wald."
Emma:"Emma ut ören."
Frederik:"Emma, Emma. Du musst doch hören was die Erzieher sagen.", doch Emma hört gar nicht mehr zu und spielt schon wieder.
Frederik:"Ignoriert die mich gerade?"
Ich zucke mit den Schulter. "Vielleicht ist sie auch im Spiel vertieft und hört uns deshalb nicht."
Frederik:"Vielleicht auch das. Was haben die Erzieher denn gesagt?"
Ich:"Das einer immer Emma im Blick haben musste und als das mal nicht der Fall war, lief sie im Fluss spazieren."
Frederik schüttelt den Kopf. "Das geht gar nicht."
Ich:"Nee, das tut es auch nicht. Ich wurde auch gefragt, ob Emma zu Hause hört bzw. hören muss oder alles darf. Ich habe darauf gesagt, dass sie natürlich zu Hause Grenzen hat, welche sie einhalten muss und das was im Wald gewesen ist hätte sie bei uns auch nicht gedurft."
Frederik:"Aber warum macht sie es da?"
Ich zucke mit den Schultern. "Wir dürfen aber auch nicht sagen, dass Emma perfekt hört. Sie testet schon viel aus."
Frederik:"Ja, aber ist das nicht normal?"
Ich:"Keine Ahnung."
Frederik:"Hat Lisa das nicht gemacht?"
Ich:"Nein."
DU LIEST GERADE
Das verlorene Kind
FanfictionDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
