137. Der neue Kollege II

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Veröffentlicht am 13.10.2020

TABEA
Am nächsten morgen fahre ich zur Arbeit.

Als ich aus der Umkleide rauskomme steht Dr. Milan Fleck davor. Ich laufe ihn fast um. Ich erschrecke mich.
Milan:"Gutenmorgen Tabea."
Ich:"Gutenmorgen."
Milan:"Was steht heute an? OP, zu dem ich wieder nicht mit darf?" und grinst.
Ich:"Erstmal Abstand halten üben" und strecke meinen Arm aus, was nicht ganz geht. "Du gehst soweit zurück, bis eine Armlänge zwischen uns Platz ist."
Milan:"Findest du das nicht kindisch?"
Ich sage ernst:"Nein."
Widerwillig geht er einen Schritt zurück, so dass meine Armlänge passt.
Ich:"Und soviel hältst du jetzt immer von mir."
Milan grinst:"Natürlich. Wird nur im OP schwierig."
Ich:"Nur gut, dass wir da heute nicht hin müssen. Und zweitens mag ich es überhaupt nicht, wenn ich vor der Umkleide abgefangen werde. Wir treffen uns ab sofort im Aufenthaltsraum."
Milan:"Ok." und geht dort hin.

In mir brodelt es. Ich atme tief durch und gehe auch in den Aufenthaltsraum.

Ich begrüße Dr. Oliver Dreyer, welcher dort ist.
Oliver:"Hallo Tabea. Du hast dir Milan schon gut erzogen. Er hat mich nicht nur nett begrüßt, sondern direkt angeboten Kaffee zu bringen. Wenn's so weitergeht, das mag ich."
Ich:"Ja, Erziehung macht einiges aus. Allerdings nehme ich ihn jetzt mit auf Station."

Da sich gerade der Fahrstuhl öffnet als wir dort reingehen nutzen wir den. Die Tür schließt sich.
Milan:"Ich weiß gar nicht was du hast. Ich bin total nett zu dir und du meinst mich erziehen zu müssen."
Ich:"Ich mag es halt nicht, wenn man aufdringlich ist."
Er kommt näher zu mir.
Ich versuche meinen Arm auszustrecken was nicht geht. Er streckt seine Arme aus und legt seine Hände an der Fahrstuhlwand ab. Ich stehe zwischen ihm. Er steht direkt vor mir und schaut mich von oben nach unten und von unten nach oben an.
Milan:"Das nenne ich aufdringlich.", stockt, "Wobei es mir gefällt." und kommt noch näher.
Ich:"Hör auf!" und schubse ihn mit meinen Händen von mir weg. "Merkst du eigentlich nicht, dass du zu weit gehst?"
Milan grinst.
Da öffnet sich die Fahrstuhltür.
Milan:"Da sind wir ja." und geht raus. "Die Patienten warten."

Ich gehe auch raus und zum Schwesternzimmer um eine Übergabe der Patienten zu haben. Danach ist Visite und es finden Untersuchungen statt. Ich lasse Milan immer mehr machen, weil ich hoffe, dass er dann schneller alleine arbeiten kann.

Es ist 12 Uhr und die Schwester bringt den Patienten zurück aufs Zimmer. Wir sind alleine im Behandlungsraum.
Ich:"Das war's erstmal. Die Kinder essen jetzt und wir machen Mittagspause."
Milan:"Gerne. Hier oder lieber woanders?" und kneift mir in den Po.
Ich:"Hör auf damit."
Milan:"Ich weiß gar nicht was du hast. Ich sehe doch, dass es dir auch gefällt."
Ich:"Das tut es nicht. Das was du machst ist sexuelle Belästigung und ich möchte, dass du damit aufhörst sonst sage ich es Prof. Filou."
Milan:"Oh, ich sage es Prof. Filou. Wie ein kleines Kind. Als wenn der nichts besseres zu tun hätte. Aber weißt du was, ich mach jetzt alleine Pause. Du bist mir gerade zu zickig. Wahrscheinlich hast du deine Tage." und verlässt den Raum.

In dem Moment kommt Schwester Birgit wieder rein.
Schwester Birgit:"Alles ok bei dir?"
Ich:"Ja. Ich mach Pause. Wenn was ist, melde dich bitte."

Ich gehe durch die Gänge und dann aufs Dachterrasse. Die frische Luft tut mir gut, auch wenn es kühl ist.

Nach 20 Minuten klingelt mein Telefon. Die Sekretärin von Prof. Filou ist dran und bittet darum, dass ich zu ihm komme.

Kurze Zeit später sitze ich bei Prof. Filou im Büro. Er sitzt am Schreibtisch und ich auf einem Stuhl davor.
Prof. Filou:"Dr. Rohde. Ich dachte, ich hätte mich gestern klar genug ausgedrückt was unseren neuen Kollegen Dr. Fleck angeht. Sie sollen ihn anleiten und dazu gehört, dass er selber Sachen machen soll, aber nicht ihnen die ganze Arbeit abnimmt."
Ich schaue ihn fragend an.
Prof. Filou:"Dr. Fleck war gerade bei mir und hat mir davon erzählt. Er sagte mir auch, dass sie ihm unterstellen, dass er sie sexuell belästigt und dass ihn sowas tief trifft, weil er das niemals machen würde. Er war völlig durch den Wind, so dass ich ihn für heute erstmal vom Dienst befreit habe."
Ich:"Ich weiß nicht was ich dazu sagen soll. Es ist nicht so, dass er alles macht. Ich lasse ihn mitarbeiten,so dass er selbständig wird."
Prof. Filou:"Ok. Vielleicht geht ihm das zu schnell. Vielleicht fordern sie zu viel von ihm."
Ich:"Ich forder von ihm das wo ich weiß, dass er es kann. Er ist Arzt und da muss ich ihm vertrauen."
Prof. Filou:"Genau, sie müssen sich untereinander vertrauen. Dazu zählt auch, dass er sich von ihnen nicht angegriffen fühlt. Er hat das Gefühl, dass sie in ihm mehr als nur einen Kollegen sehen. Er möchte das nicht und ich weise sie daraufhin, dass zu unterlassen. Er fühlt sich von sie belästigt."
Ich:"Ich will nichts von ihm. Ich bin glücklich liiert. Es ist eher umgekehrt der Fall, dass ich glaube, dass er was von mir möchte und dass er mir zu nah kommt. Er fasst mir an den Po, er umzingelt mich im Fahrstuhl und macht ständig Andeutungen. Ich habe ihm schon mehrfach gesagt, dass er mindestens eine Armlänge Abstand halten soll , woran er sich nicht hält. Heute Mittag habe ich zu ihm gesagt, dass wenn er damit nicht aufhört, ich es ihnen sagen werde. Und jetzt sitze ich hier und werde dem beschuldigt."
Prof. Filou:"Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sowas machen. Allerdings kann ich mir auch nicht vorstellen, dass Dr. Fleck sowas macht. Ich möchte, dass sie sich morgen zusammen setzen und darüber reden. Ich möchte nicht täglich Einen von ihnen hier sitzen haben, der mir dann erzählt, dass der Andere ihn sexuell belästigt."
Ich:"Das versteh ich, aber es ist wirklich so, wie ich es sage."
Prof. Filou:"Ich weiß nicht, wem ich glauben soll. Ich habe von jedem was anderes gehört. Bitte klären sie das untereinander."
Mein Pieper geht.
Prof. Filou:"Sie werden gebraucht."
Ich:"Ja." und verlasse den Raum.

Ich bin fassungslos. Er hat die Tatsachen verdreht.
Nur ein Gutes hat es, für heute ist er weg, dachte ich.

Als ich zuhause ankomme beschließe ich zu joggen.
Im Wald kommt mir Milan entgegen.
Milan:"Hallo schöne Frau. Auch am Joggen?"
Ich:"Spar dir deine gespielte gute Laune. Was sollte das beim Professor?"
Milan:"Ich weiß nicht wovon du sprichst." und grinst.
Ich:"Wieso erzählst du ihm so einen Unsinn?"
Milan:"Damit er nicht noch auf die Idee kommt, dass du Recht hast "
Ich:"Du weißt genau, dass ich Recht habe."
Er kommt mir näher.
Ich:"Halt Abstand." und versuche meinen Arm auszustrecken.
Milan packt sich den und kommt auf mich zu.
Ich:"Lass mich los."

Er tut es nicht und ich trete ihn in den Intimbereich. Wegen dem Schmerz lässt er los und ich laufe weg. Ich merke, dass er mir folgt. Ich stürze. Schnell versuche ich aufzustehen, doch er ist schneller und drückt mich zu Boden. Er setzt sich auf mich. Mit einer Hand drückt er mir den Mund zu.
Milan:"Schrei so laut du kannst. Dich wird keiner hören können."
Ich versuche es, doch es gelingt mir nicht.
Mit einer Hand fasst er über meine Weste und hört bei meinen Brüsten auf.
Milan:"Wie schön die wohl in echt aussehen" und umgreift sie.
Ich versuche mich zu wehren.
Er öffnet meine Weste und fasst darunter.
Milan:"Das ist schon viel besser." und grinst.
Ich versuche ihn zu schlagen, doch es geht nicht, weil er mich festhält und auf mich sitzt.
Seine Hand gleitet unter der Weste tiefer.

Da höre ich einen Hund.
Milan muss ihn auch gehört haben, denn er lässt mich los und steht auf.
Milan:"Kein Wort über das hier oder du wirst nie wieder glücklich." und rennt weg.

Der Hund kommt zu mir und bellt. Sein Herrchen kommt dazu.
Herrchen:"Bello still! Entschuldigen Sie, hat er sie umgerannt?"
Ich schüttel den Kopf.
Herrchen:"Sind Sie gestürzt? Haben Sie sich verletzt?"
Ich:"Ja, aber nicht so schlimm." und stehe auf. Er will mir helfen, doch ich zucke zusammen. Er merkt es und lässt sofort los.
Herrchen:"Ist wirklich alles ok? Brauchen Sie einen Arzt? Soll ich Sie nach Hause bringen?"
Ich:"Nein danke, es geht schon. Einen schönen Tag noch."
Herrchen:"Ihnen auch."
Ich gehe nach Hause.

Zuhause angekommen ziehe ich meine Schuhe aus. Ich gehe die Treppen hoch und merke, wie mein Fuß weh tut. Im Badezimmer schaue ich ihn mir an. Er ist angeschwollen.

Da ich mich angewidert fühle dusche ich erst. Danach mache ich mir einen Stützverband um meinen Fuß, lege ihm auf dem Sofa auf einem Kissen hoch, lege ein Kühlpak drauf und schaue Fernseh. Ich decke mich mit einer Decke zu.

FREDERIK
Es ist schon Mitternacht als ich nach Hause komme. Der Fernseher läuft noch, also gehe ich ins Wohnzimmer, wo Tabea auf dem Sofa liegt und Fernseh schaut.
Ich:"Hallo."
Tabea:"Hallo."
Ich gehe zu ihr und möchte mich zu ihr aufs Sofa setzen. Ich merke, wie sie ihre Beine an sich ranzieht um mir Platz zu machen und sehe, wie sich ihre Mimik verzieht.
Ich:"Alles ok bei dir?"
Tabea:"Mm."
Ich schiebe die Decke zur Seite und setze mich hin. Sie stellt ihre Füße auf dem Boden. Ich sehe den Verband.
Ich:"Was ist da passiert?"
Tabea:"Ich bin im Wald umgeknickt. Nichts Wildes."
Ich schaue sie an. "Sicher? Du weißt, ich bin ein sehr guter Orthopäde."
Tabea lächelt:"Ich weiß, aber er ist verstaucht, mehr nicht."
Ich:"Wie du meinst, aber wenn es morgen nicht geht bleibst du zuhause."
Tabea steht auf. "Mm. Und die Arbeit in der Klinik macht sich alleine."
Ich stehe auch auf, denn ich merke, dass sie Schmerzen hat. Ich will sie stützen. Sie zuckt zusammen.
Ich schaue sie fragend an.
Tabea:"Ich kann das alleine" und humpelt aus dem Raum.

Ich falte die Decke zusammen, stelle den Fernseher aus und gehe auch schlafen.

TABEA
Ich möchte nicht, dass Frederik sich Sorgen macht. Ich kann niemanden erzählen was passiert ist. Wer glaubt mir denn schon? Selbst Prof. Filou glaubt mir nicht. Ich muss das morgen mit Milan klären, denn so geht es nicht weiter.

Ich liege die Nacht wach.

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt