Veröffentlicht am 17.09.2017
CHARLOTTE
Die Tage vergehen und während ich viel liege, sei es im Bett oder auf dem Sofa, liegt Klara auf mir oder neben mir im Bett oder Stubenwagen. Sie bekommt jetzt die Flasche und nimmt sie auch gut an. Trotzdem schreit sie noch viel und schläft wenig.
Frederik hat in den letzten Tagen tatsächlich nur nach Plan gearbeitet. Nachts versucht er mich zu unterstützen. Es fällt mir schwer ihm das machen zu lassen, weil ich weiß, wie wichtig Schlaf für ihn ist.
Emma nimmt es alles ganz gefasst. Wir haben ihr erklärt, dass Mama liegen muss, weil ihr Körper die Ruhe braucht. Dass Mama im Liegen oder Sitzen mit ihr spielen kann, aber sie zurzeit nicht tragen kann. Es scheint für sie ok zu sein.
Inka nimmt sie nachmittags von der Kita mit. Ihre Tochter Tessa (9) besucht den Hort, welcher in der Nähe der Kita ist. Danach bringt sie Emma zu uns.
Es ist Montag. Ab heute wird eine Haushaltshilfe von der Krankenkasse für 4 Stunden am Tag bei uns sein. Nach Absprache mit der Krankenkasse haben wir uns auf nachmittags geeignet, weil da alle Kinder zu Hause sind und Frederik laut Dienstplan zurzeit bei der Arbeit. Sie wird Montag bis Freitag von 14 Uhr bis 18 Uhr kommen.
Es klingelt an der Tür. Klara schreit schon seit ein paar Minuten. Ich habe sie auf dem Arm und gehe mit ihr nach unten und öffne die Haustür. Wegen des Geschreis verstehe ich kaum was die Frau sagt.
Ich:"Hallo."
Frau:"Hallo. Ich bin Bertha Schloss. Die Haushaltshilfe von der Krankenkasse."
Ich:"Charlotte Engel. Die Mutter."
Bertha:"Die Frau, für die ich da bin."
Ich:"Genau." und stocke kurz. "Kommen Sie rein. Die Wohnung ist oben."
Bertha geht rein und ich schließe die Tür. Danach gehe ich hoch; sie folgt mir.
In der Wohnung angekommen bitte ich sie darum ihre Schuhe auszuziehen, was sie auch macht. Danach gehen wir ins Wohnzimmer.
Ich:"Nehmen Sie bitte Platz" und zeige zum Sofa. "Ich mach Klara eine Milch." und gehe in die Küche.
Bertha setzt sich nicht sondern folgt mir. Ich versuche mit schreiendem Baby auf dem Arm eine Milch zu machen.
Bertha:"Geben Sie mir mal das Baby."
Bevor ich was sagen kann hat sie ihre Hände schon an Klara dran und nimmt sie mir regelrecht vom Arm und geht mit ihr ins Wohnzimmer.
Ich mache schnell die Milch und gehe damit ins Wohnzimmer, wo Bertha mit Klara auf dem Schoß auf dem Sessel sitzt. Klara schreit noch immer. Bertha hält mir eine Hand entgegen. "Geben Sie mir die Milch."
Ich gebe ihr die und Bertha tut sie in Klaras Mund. Klara nimmt die Milch, doch zwischendrin jammert sie. Ich setze mich aufs Sofa.
Nach ungefähr der Hälfte der Milch sage ich:"Ich glaube, sie muss ein Bäuerchen machen."
Bertha:"Nein. Das braucht sie nicht."
Ich merke, wie Klara nicht mehr saugt sondern sich fast verschluckt. Ich gehe zu ihr. "Geben Sie mir bitte Klara."
Bertha:"Nein. Legen sie sich hin. Ich mach das hier jetzt. Klara trinkt jetzt die Flasche und danach hole ich mit ihr Emma ab."
Ich:"Ich möchte jetzt Klara haben."
Ich sehe, dass Klara nicht mehr saugt und die Milch an ihr lang läuft.
Ich unfasse sie und sage ernst:"Ich nehme sie jetzt." und ziehe sie aus Berthas Armen. Mit Klara auf dem Arm setze ich mich aufs Sofa und lege sie auf meine Schulter, wo ich vorher noch ein Tuch drauf lege. Es dauert nicht lange, da kommt ein Bäuerchen.
Bertha schaut mich böse an. "So wird das nichts. Sie müssen abgeben."
Ich:"Das mach ich, aber sie sind keine 5 Minuten im Haus und wollen alles machen. Das geht mir zu schnell."
Bertha:"Das ist mein Job. Jetzt wo sie das Baby haben hole ich Emma ab."
Ich:"Emma wird von ihrer Tante abgeholt und nach Hause gebracht."
Bertha:"Wie bitte? Das ist mein Job."
Ich:"Inka macht das seit ein paar Tagen und es läuft gut. Emma hat sich daran gewöhnt. Sie braucht ihre Routine."
Bertha:"Die hat sie in den nächsten Wochen mit mir."
Ich:"Sie können zu Hause mit ihr spielen. Der Haushalt muss ja auch noch gemacht werden."
Bertha:"Später. Dann gehe ich erstmal mit Klara spazieren."
Ich:"Mir wäre es lieber, wenn sie die Spülmaschine ausräumen würden."
Bertha:"Später. Erst die Kinder, dann der Haushalt."
Ich:"Und wann ist das später?"
Bertha:"Wissen Sie, so einen sehr guten Haushalt braucht keiner. Die Kinder brauchen Liebe und Geborgenheit und das gebe ich ihnen."
Ich:"Das bekommen die hier auch. Laut Krankenkasse sollen sie meine Tätigkeiten übernehmen. Dazu gehört auch der Haushalt."
Bertha:"Ja, aber da kann der Mann auch helfen."
Ich:"Kann, aber es ist auch ihr Job."
Bertha:"Ja, aber ich kümmer mich lieber um die Kinder."
Ich:"Die sind gut versorgt. Unten wohnen die Großeltern, wo sie auch jederzeit hinkönnen. Der Haushalt macht sich aber nicht von selbst."
Bertha:"Ja, aber geben Sie mir erstmal die Zeit mit den Kindern und dann kommt der Haushalt."
Ich:"Ich glaube, ich habe genug gesehen. Ich finde, für heute reicht es."
Bertha:"Aber die Stunden sind noch nicht um."
Ich:"Das weiß ich. Ich kläre das mit der Krankenkasse."
Bertha:"Wie Sie meinen."
Sie geht in den Flur, zieht sich Schuhe und Jacke an und ich bringe sie zur Haustür.
Ich:"Einen schönen Tag noch."
Bertha:"Bis morgen."
Sie geht und ich schließe die Haustür.
DU LIEST GERADE
Das verlorene Kind
Fiksi PenggemarDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
