134. Emma zieht um

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Veröffentlicht am 04.10.2020

FREDERIK
Es ist Anfang August.

Die letzten Nächte habe ich nicht gut schlafen können. Tabea hatte Nachtschicht und ich lag wach, weil Emma morgen umziehen wird. Ich hatte 6 Wochen Zeit mich darauf vorzubereiten. Es fällt mir schwer meine Tochter, mit 8 Jahren, gehen zu lassen.

Vor einem Monat haben wir alle zusammen ihren 8.Geburtstag gefeiert. Es war erstmal das letzte gemeinsame Zusammensein mit der ganzen Familie.

Es fällt mir schwer sie loszulassen. Ich sehe das kleine Mädchen, welches lange Zeit neben mir im Bett geschlafen hat. Das Mädchen, welches lange brauchte um ihre Windel und Schnuller abzugeben. Das Mädchen, welches in ihrer Entwicklung als verzögert galt und plötzlich Sprünge machte, womit keiner gerechnet hat. Sie hat innerhalb kürzester Zeit Dinge gelernt wofür andere Jahre brauchen.
Sie käme eigentlich erst in die 3.Klasse, doch bei ihr ist es schon die 5..
Sie ist doch mein Mädchen, welches groß geworden ist. Und dann sagt sie mir, dass sie auf Internat gehen möchte. Niemals hätte ich damit gerechnet. Inzwischen habe ich mich mit dem Internat auseinandergesetzt und denke, dass sie dort gut gefördert wird. Sie braucht das, weil sie kognitiv sehr weit ist.

In Erfstadt kann ihr das nicht geboten werden. Die Schulbehörde hat am Tag ihres 8.Geburtstags mir einen Brief zukommen lassen, indem sie den Besuch des Gymnasiums in Erfstadt ablehnen, weil das Gymnasium die Auflagen bzgl. ihres Alters nicht erfüllen können. Im gleichen Schreiben teilten sie mir mit, dass eine Aufnahme an einem Kölner Gymnasium möglich ist. Natürlich hätte ich in Widerspruch gehen können, aber Emma möchte nach >>Schloss Torgelow<< und somit brauch ich das nicht.

Heute habe ich gemeinsam mit ihr ihren Koffer und die Sachen zusammen gepackt, die sie mitnehmen möchte. Viel ist es nicht. Emma war immer schon eher minimalistisch.
Abends haben wir zusammen bei meinen Eltern gegessen. Und danach hab ich sie zum letzten Mal ins Bett gebracht. Ich konnte mich schwer lösen, doch sie sagte irgendwann, dass ich gehen kann und sie könnte schon alleine einschlafen.

Ich gehe ins Wohnzimmer und setze mich zu Tabea aufs Sofa, welche gerade Fernseh schaut.
Tabea:"Hat Sie dich doch gehen lassen?"
Ich:"Eher umgekehrt. Ich sie. Ich hätte schon eher gehen können, aber ich wollte nicht."
Tabea:"Sie wird in Torgelow zurecht kommen und wenn nicht, dann kann sie jederzeit wieder nach Hause kommen."
Ich:"Mm."
Tabea:"Dir fällt es sehr schwer sie gehen zu lassen?"
Ich nicke. "Sie ist doch noch so jung."
Tabea:"Ja, aber auch selbständig."
Ich:"Ich weiß.", stocke, "Es wird hier ruhig werden. Kein Kind wird mehr durch die Zimmer rennen. Ich weiß noch, wie Lotte öfter sagte, dass Emma nie lernen wird zu gehen, weil sie immer nur rennt. Und jetzt wünsche ich mir genau das herbei."
Tabea:"Es wird für alle eine Umstellung werden."
Ich:"Oh ja. Es wird still werden."
Tabea:"Du wirst mehr Zeit für dich haben. Und jedes zweite Wochenende wird Emma kommen."
Ich:"Das sagt sie jetzt. Lisa wollte auch öfter kommen. Getan hat sie es nicht, weil es ihr in Düsseldorf so gut gefällt. Und mehr Zeit für mich will ich gar nicht haben. Ich hätte sie gerne weiter um mich herum."
Tabea:"Das glaub ich dir, doch was willst du machen? Emma möchte gehen und das nicht, weil sie nicht hier sein mag, sondern wegen der Schule."
Ich:"Ich weiß."
Tabea:"Ich weiß, dass es schwer ist sie ziehen zu lassen. Sie ist nicht aus der Welt. Du kannst sie besuchen."
Ich:"Das werde ich auch."
Tabea:"Natürlich nicht jeden Tag. Du musst Emma schon ihre Freiräume lassen."
Ich:"Dafür hätte ich auch gar keine Zeit."
Tabea:"Und damit du nicht die ganze Zeit nur an morgen denkst spielen wir jetzt was zusammen. Was hältst du von Monopoly?" und schaltet den Fernseher ab.
Ich schüttel den Kopf. "Ich hab ein viel besseres Spiel."
Tabea schaut mich fragend an.
Ich lehne mich zu ihr und küsse sie. Mit meinen Händen versuche ich ihr Oberteil am Rücken hochzuziehen.
Tabea :"Nicht hier."
Ich:"Ich glaube, ich bin doch froh wenn sie weg ist. Dann müssen wir nicht mehr umziehen." und lächel.
Tabea lächelt auch.
Gemeinsam gehen wir ins Schlafzimmer.
-Lotte=Dr. Charlotte Engel-

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