Veröffentlicht am 31.12.2020
FREDERIK
Es ist Mitte Januar.
Tabea ist im in der 15. Schwangerschaftswoche. Außer sie und ich weiß niemand, dass sie schwanger ist. Sie darf den Zeitpunkt bestimmen, wo sie es Prof. Filou mitteilt. Lieber wäre mir, wenn er es schon wüsste und das Mutterschutzgesetz greift. Doch ich muss mich in Geduld üben es ihm nicht selbst zu sagen. Schließlich ist das Mitteilen einer Schwangerschaft keine Pflicht.
Ich habe heute Frühdienst und Tabea Spätdienst. Früh- und Spät sind die Dienste, wo wir uns am wenigsten sehen, denn Einer verlässt das Haus, wo der Andere oft noch schläft und wenn der Spätdienst wieder kommt muss der Frühdienst schon fast wieder ins Bett. Und mit Überstunden kann es sein, dass man sich nur schlafend sieht.
Es ist fast 14 Uhr als mein Telefon klingelt. Ich gehe ran. Schwester Gisela teilt mir mit, dass Lisa dran ist und fragt, ob ihr mit ihr sprechen möchte. Da es gerade ruhig ist lasse ich sie zu mir durchschalten.
Ich:"Hallo Lisa."
Lisa:"Hallo Frederik. Entschuldige, dass ich dich bei der Arbeit anrufe, aber ich wollte fragen, ob ich von Freitag bis Montag bei euch wohnen kann."
Ich:"Natürlich kannst du das. Da brauchst du doch nicht fragen. Du weißt, dass immer ein Zimmer für dich frei ist."
Lisa:"Ja, ich weiß. Ich dachte nur, falls Michel da ist."
Ich:"Nee der ist nicht da und selbst wenn, dann ist immer noch Platz. Emma kommt übrigens auch am Wochenende."
Lisa:"Schön, dann sind wir wieder komplett. Dann kann ich euch auch allen zusammen die Neuigkeiten mitteilen."
Ich:"Welche Neuigkeiten?"
Lisa:"Das erzähl ich dir wenn ich da bin. Soll ich Emma vom Bahnhof mit nach Erfstadt bringen?"
Ich:"Wenn du magst gerne."
Lisa:"Gerne doch. Ich rufe sie später mal an und sage ihr Bescheid."
Ich:"Mach das und falls sie nicht ran geht, schreiben geht auch."
Lisa:"Stimmt, jetzt wo sie ein Handy hat."
Ich höre Geräusche hinter ihr.
Lisa:"Ich muss. Der Dozent kommt. Die Vorlesung fängt gleich an. Bis Freitagabend."
Ich:"Bis Freitag."
Sie legt auf.
Neuigkeiten mitteilen? Was wird das wohl sein?
Ich denke mir, dass wir die Gelegenheit auch nutzen sollten um die Schwangerschaft mitzuteilen. Wer weiß, wann Emma und Lisa wieder zusammen da sind. Ich möchte es ihnen gerne persönlich mitteilen und nicht per Telefon, Skype, o.ä.. Und ich möchte, dass beide es zeitgleich erfahren. Dieses Wochenende wäre die Möglichkeit dafür.
Ich gehe in den Aufenthaltsraum. Ich sehe, dass Tabea alleine dort ist. Sie macht sich gerade einen Kamillentee.
Ich gehe zu ihr. "Hallo."
Tabea lächelt. "Hallo. Feierabend?"
Ich nicke. "Lisa hat mich gerade angerufen."
Tabea:"Bei der Arbeit? Ist was passiert?"
Ich:"Ja bei der Arbeit und Nein, es ist nichts passiert. Sie kommt am Freitag zu Besuch und will uns Neuigkeiten mitteilen."
Tabea:"Was für Neuigkeiten?"
Ich:"Das wollte sie mir nicht verraten. Vielleicht hat sie einen Freund?"
Tabea:"Wer weiß."
Ich:"Oder sie ist schwanger."
Tabea zuckt mit den Schultern.
Ich:"Nicht falsch verstehen. Ich habe da nichts gegen, nur mit 21, mitten im Studium. Und irgendwie kann ich mir nicht vorstellen Papa und Opa zeitgleich zu werden."
Tabea:"Ich glaub nicht, dass sie schwanger ist. Sie ist doch so vorsichtig in allem."
Ich:"Auch bei ihr kann mal was schief gehen."
Tabea:"Kann, glaub ich aber nicht. Die Sache mit dem Freund passt da eher. Wie lange bleibt sie denn?"
Ich:"Bis Montag."
Tabea:"Bis Montag? Hat sie da keine Vorlesung?"
Ich:"Vermutlich nicht. Wir werden es sehen wenn sie da ist. Emma kommt auch. Lisa bringt sie aus Köln mit "
Tabea:"Das ist gut." und trinkt einen Schluck vom Tee, welcher noch heiß zu sein scheint.
Ich:"Da Emma und Lisa da sind. Ich finde, dass es der passende Moment ist um ihnen von der Schwangerschaft zu erzählen."
Tabea:"Das finde ich nicht."
Ich:"Wer weiß, wann beide wieder zusammen da sind."
Sie zuckt mit den Schultern.
Ich:"Ich möchte es gerne beiden zusammen sagen und persönlich."
Tabea:"Ok."
Ich:"Und auch nicht erst wenn es unübersehbar ist."
Tabea schaut kurz zu ihrem Bauch und dann wieder zu mir.
Ich:"Noch sieht man nichts. Das wird sich ändern. Ich möchte nicht, dass die beiden es per Zufall erfahren."
Tabea:"Mmh."
Ich:"Deshalb würde ich gerne das Wochenende dafür nutzen. Ich meine, wenn Lisa uns Neuigkeiten mitteilt, können wir es auch."
Tabeas Mimik sagt Nein.
Ich:"Was spricht denn dagegen?"
Tabea:"Das wir abgemacht haben, dass ich den Zeitpunkt bestimme, wo wir es bekannt geben."
Ich:"Ja, bei Professor Filou."
Tabea:"Wenn die beiden es erstmal wissen weiß er es auch. Du glaubst doch wohl nicht, dass Emma es niemanden erzählen wird."
Ich:"Natürlich wird sie darüber sprechen."
Tabea:"Und schon wissen es alle."
Ich:"Dann ist das so. Was spricht denn dagegen, es in der 15.Woche bekannt zu geben?"
Tabea:"Das ich das nicht will."
Ich:"Wann willst du es denn bekannt geben?"
Tabea:"Keine Ahnung."
Ich:"Du kannst es doch nicht ewig verheimlichen. Irgendwann wird man es sehen."
Tabea:"Irgendwann. Das ist noch nicht jetzt."
Ich:"Weißt du eigentlich welche Gefahren du dich gerade aussetzt?"
Tabea:"Das ist doch meine Sache."
Ich:"Soweit es hier auch um mein Kind geht nicht."
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Das verlorene Kind
Fiksi PenggemarDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
