Veröffentlicht am 24.04.2019
CHARLOTTE:
Es ist soweit.
Ich habe mit Prof. Filou gesprochen und er stimmt meinem Wiedereinstieg der Arbeit zu. Ich werde täglich 7 Stunden (=35 Stunden in der Woche) arbeiten. Mehr geht nicht aufgrund der Betreuungszeit von Emma.
Emma wird ab Mai in die Krippe gehen. Täglich von 7 Uhr bis 16 Uhr kann sie dort sein.
Morgen ist Emmas erster Krippentag.
Emma schläft bereits und ich sitze auf dem Sofa und schaue einen Krimi.
Krimis, die habe ich sonst immer mit Frederik geschaut. Er mag so welche Filme gerne. Ich bin eher für Rosamunde Pilcher oder Quizshows. Jetzt wo Frederik schon so lange weg ist, schaue ich einen Krimi und bin in Gedanken bei ihm.
Vor 2 Monaten hatte Frederik seinen schweren Herzinfarkt. Seitdem liegt er in der Klinik auf der Intensivstation, ist intubiert und wird beatmet. Sein Zustand ist zeitweise stabil, oftmals aber auch noch kritisch. Allerdings nicht mehr so kritisch wie am Anfang. Wenn sein Zustand länger stabil bleibt, dann wird er aufgeweckt. Aktuell liegt er noch im künstlichen Koma.
Ihn so da liegen sehen tut mir weh. Ich vermisse ihn so sehr. Seine Nähe, seine Geborgenheit, seine Liebe. Ich bin alleine.
Es gibt so Vieles was ich mit ihm besprechen würde. Er fehlt mir als Zuhörer. Wie gerne würde ich von ihm hören, was alles bei der Arbeit gewesen ist, was ihn nervt und was er toll findet.
Die letzten Monate mit ihm waren nicht immer einfach. Frederik hat viel gearbeitet. Er hat sich viel zugemutet. Heute weiß ich, es war zu viel. Er hat regelmäßig Alkohol getrunken. Ihn so zu sehen war für mich schwer. Doch ich musste ihn machen lassen. Er wollte keine Hilfe annehmen. Heute weiß ich warum. Die Schulden müssen abbezahlt werden. Er wollte, dass Emma ubd ich sorgenfrei sind.
Für Emma war er immer der liebevolle und fürsorgliche Vater. Für mich ein guter Ehemann.
Ich bin traurig. Frederik fehlt mir sehr.
Und ab morgen werde ich auch von Emma getrennt sein. Ich weiß, dass ich wieder arbeiten muss und es keinen anderen Weg gibt als sie betreuen zu lassen. Lieber möchte ich sie bei mir haben.
Der Krimi läuft. Ich kann mich da nicht drauf konzentrieren und schalte den Fernseher ab. Ich nehme meinen Laptop und mache mein Studium weiter. Das bringt mich auf andere Gedanken.
Es ist bereits 3 Uhr als ich im Bett liege und um 6 Uhr werde ich von der brabbelnden Emma geweckt. Ich nehme sie auf den Schoß und setze mich mit ihr auf dem Stuhl im Kinderzimmer. Emma lehnt ihren Körper an mich. Ich genieße es, sie so nah bei mir zu haben.
Nach kurzer Zeit löst Emma sich und möchte runter. Sie robbt in der Wohnung umher. Ich mache ihr Haferbrei, setze sie in ihren Hochstuhl und fütter sie. Emma isst ihn genüsslich und schmatzt vor sich hin. Ich habe keinen Hunger. Ich bin so aufgeregt: Wie wird Emma die Krippe meistern?
Nach dem Essen dusche ich, ziehe mich an und mache dann Emma fertig.
Danach fahren wir zur Krippe.
Wir werden herzlich von der Erzieherin begrüßt. Emma robbt sofort durch die Gruppe und fängt an zu spielen. Sie lächelt und brabbelt. Ich darf mich auf einen Stuhl setzen und beobachte es. Die Erzieherin spielt auch mit Emma.
Emma scheint es zu gefallen. Ich fühle mich nutzlos. Ich sitze da und werde nicht gebraucht. Auf einer Seite fühlt es sich gut an zu sehen, dass es Emma gefällt. Andererseits fühle ich mich schlecht, weil ich sie so früh weggebe.
Die 2 Stunden vergehen schnell. Emma quengelt als ich sie mit nach Hause nehme.
Schon im Auto schläft sie ein und erst 4 Stunden später wacht sie wieder auf.
Ich lege mich aufs Sofa und versuche auch zu schlafen. Doch es gelingt mir nicht.
Die Eingewöhnung verläuft gut.
Die Trennung fällt mir sehr schwer, aber es geht nicht anders. Emma bleibt problemlos alleine dort.
Und dehalb sitze ich jetzt, nach 2 Wochen, alleine zu Hause. Die meiste Zeit davon verbringe ich bei Frederik oder nutze es für mein Studium. Das bringt mich auf andere Gedanken.
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Das verlorene Kind
FanfictionDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
