24. Bleiben oder Gehen?

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Veröffentlicht am 06.04.2019

CHARLOTTE:
Eine Woche später durfte ich endlich nach Hause. Zwei Wochen Krankenhaus reichen auch aus.
Frederik war die ganze Zeit mit bei mir. Er kam öfter mit Emma vorbei, damit ich mich an sie gewöhne. Es war ok für mich, aber Gefühle habe ich keine für sie.

Inzwischen sind drei Wochen vergangen. Ich bin gut zu Hause angekommen. Ich erkenne fast alles wieder. Fast, das Kinderzimmer ist mir fremd. Das muss Frederik während meiner Abwesenheit gemacht haben.

Emma lebt mit bei uns. Es ist schon komisch ein fremdes Baby mit in der Wohnung zu haben. Aber sie ist Frederiks Tochter und das akzeptiere ich.
Emma schläft in ihrem Zimmer. Das war meine Bedingung. Ich möchte kein fremdes Kind mit im Schlafzimmer haben.
Frederik hat das sofort akzeptiert.
Alles was Emma betrifft macht er. Er ist ein toller Vater. Emma kann sich glücklich schätzen ihn zu haben.

Für meine Schwiegereltern ist es immer noch unerklärlich, dass ich Emma nicht annehme. Ich mache gar nichts mit ihr. Ich kann es nicht. In mir sträubt sich was und ich fühle auch gar nichts. Zwar sagen alle zu mir, dass sie mein Kind ist, aber ich erinner mich nicht. Das macht mich zeitweise echt fertig. Ich fühle was für Lisa und für mein anderes Kind nicht. Ich kann es aber auch nicht ändern.

Psychotherapie wurde mir vorgeschlagen. Was soll das bringen? Man kann mir doch nicht einreden Emma anzunehmen. Das geht gar nicht. Ich möchte auch keine Therapie machen. Ich sehe keinen Sinn darin.

Ich muss noch 7 Wochen zu Hause bleiben - Mutterschutz. Ich verstehe das überhaupt nicht, weil Emma doch gar nicht mein Kind ist.
Zudem bleiben Frederik dann nur 11 Monate mit ihr zu Hause.

Mein Dammschnitt und Riss im Darm ist gut verheilt. Physisch fühle ich mich sehr gut.

Mein Schlaf ist eher schlecht. Ich träume öfter davon wie ich ein kleines Kind bin und im Wohnzimmer ein Stubenwagen mit schreiendem Baby steht. Ich verstehe das überhaupt nicht. Denn ich kann mich an kein Baby erinnern, welches bei uns zu Hause war. Ich sollte meine Mutter mal fragen. Sie kommt am Wochenende zu Besuch. Vielleicht war es ein Nachbarskind? Aber wer? Und irgendwie macht das keinen Sinn, weil wir so weit weg wohnen.

FREDERIK:
Seit 5 Wochen bin ich Papa und seit 3 Wochen Vollzeit zu Hause. Hut ab an all die Frauen die trotz Baby noch arbeiten gehen. Wie soll das gehen?

Charlotte verweigert jeglichen Kontakt zu Emma. Für sie ist ganz klar, dass Emma nicht ihre Tochter ist. Das tut so weh. Ich weiß doch noch wie fürsorglich sie für sie da war und jetzt das? War es wirklich die richtige Entscheidung Emma zu behalten? Schaffe ich das-Vater sein und zeitgleich ein guter Ehemann?

CHARLOTTE:
Es ist Samstag. Gestern ist Mama angekommen. Hätte ich gewusst, dass Sie nur gekommen ist um mir Emma schmackhaft zu machen hätte ich den Besuch abgelehnt. Doch jetzt ist sie da und ich muss dadurch.

Mama, Frederik und ich frühstücken zusammen. Emma liegt in einer Wippe neben Frederik.
Mama:"Wie süß sie doch ist wenn sie schläft. Schau doch mal Charlotte. Da unten ist ein besonderer Engel."
Mich regt das auf.
Mama:"Emma hat deine Augen" und sie schaut mich an."Sie ist deine Tochter. Keinen Zweifel habe ich daran."
Mir reichts. Ich schiebe den Stuhl nach hinten.
Ich:"Wars das oder kommt da noch mehr?"
Mama:"Charlotte. Setzt dich doch wieder."
Ich:"Warum? Um mir noch mehr identische Merkmale von Emma und mir anhören zu können? Darauf kann ich verzichten."
Mama:"Aber sie ist nun mal deine Tochter."
Ich:"Vielleicht ist sie es auf irgendeinem Blatt Papier und wir wissen alle, Papier ist geduldig. In meinem Kopf ist sie gar nichts und wird auch nichts mehr werden. Wenn du Emma als Enkelin annehmen möchtest, ok, tu es. Aber ich werde nicht ihre Mutter."
Mama schaut mich irritiert an.
Mama:"Du bist es aber."
Ich schüttel nur den Kopf und verlasse den Raum.

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt