Veröffentlicht am 01.03.2024
TABEA
Freya soll mich zu meinem Zimmer schieben. Ich möchte zu Frederik.
Ich: "Kannst du mich bitte zur Intensivstation schieben? Ich möchte zu Frederik Seehauser."
Freya hält an. "Ist er da Patient?"
Ich: "Ja."
Freya: "Sind Sie eine Angehörige von ihm?"
Ich: "Ja, ich bin seine Verlobte." Ich weiß, dass das gelogen ist. Nur würde Freya noch mehr nachfragen und wenn das jemand mitbekommt, raten sie mir vom Besuch ab. Ich möchte ihn sehen.
Freya: "Dann schiebe ich sie zu ihm."
Ich: "Danke."
L
Ich schaue nach unten in der Hoffnung nicht erkannt zu werden. Ich weiß, dass ich Freya damit in eine unangenehme Situation bringe. In diesem Moment ist es mir egal.
Sie bringt mich zur Intensivstation. Wir ziehen uns Schutzkleidung an. Danach schiebt sie mich zu Frederiks Zimmer.
Ich stelle mich hin um ihn durch die Scheibe sehen zu können. Er hat die Augen geschlossen. Scheinbar schläft er.
Freya: "Soll ich sie reinbringen?"
Bevor ich antworten kann sagt jemand laut "Nein".
Erschrocken drehe ich mich um.
Oliver: "Was wird das hier?"
Ich: "Ich möchte Frederik besuchen."
Oliver: "Erstmal setzt du dich bitte hin."
Ich mache das. Oliver dreht danach den Rollstuhl, so dass ich ihn sehen kann.
Oliver: "Und sie unterstützen das?" und schaut zu Freya.
Freya: "Sie hat den Wunsch geäußert ihren Verlobten zu besuchen."
Oliver: "Ihren Verlobten?" und schaut zu mir.
Ich: "Ich habe Freya darum gebeten. Sie ist nur meinen Wunsch nachgekommen."
Oliver: "Und wegen Ahnungslosigkeit ausgenutzt worden."
Ich schaue zu Freya, welche mich verwirrt anschaut. "Es tut mir Leid. Sie können nichts dafür." und dann zu Oliver. "Ich möchte gerne zu Frederik. Bitte."
Oliver: "Ich kann das verstehen."
Ich sehe, wie er nachdenkt.
Oliver: "Du kannst zu ihm. Ich komme mit und wir schauen wie er reagiert. Wenn er unruhig wird beenden wir den Besuch."
Ich: "Ok."
Oliver schaut zu Freya: "Ich übernehme die Patientin. Und Sie können schauen, bei wem sie gebraucht werden."
Freya: "Ok."
Oliver: "Und beim nächsten Mal nicht einfach zum Patienten schieben. Immer beim Personal auf der Station anmelden."
Freya: "Das mach ich." und verlässt die Intensivstation.
Oliver: "Und wir schieben jetzt zu Frederik. Er wartet bestimmt schon auf uns. Immerhin schaut er neugierig zu uns oder eher mich. Ich weiß gar nicht, ob er dich sieht."
Ich: „Gerade hatte er die Augen noch zu."
Oliver: "Jetzt sind sie auf."
FREDERIK
Meine Zimmertür öffnet sich. Oliver schiebt Tabea rein. Ich freue mich darüber und lächel. Er schiebt Tabea an mein Bett.
Oliver: "Da hatte jemand große Sehnsucht."
Ich: "Ich hatte die auch", reiche ihr meine Hand, welche sie mit ihrer nimmt. "Wie geht es dir?"
Tabea: "Ganz gut. Und dir?"
Ich: "Jetzt wo du da bist sehr gut. Wie geht es den Babys" und schaue zu ihrem Bauch. Irgendwie sieht er anders aus.
Ich höre Tabea fest schlucken.
Ich: "Was ist mit den Babys?"
Tabea schaut zu Oliver, welcher leicht nickt.
Tabea: "Die Babys sind gestern geboren."
Ich: "Gestern schon? Wo sind sie? Wie geht es ihnen?"
Tabea: "Sie liegen auf der Frühchenintensivstation."
Ich: "Und wie geht es ihnen?" Ich habe das Gefühl, dass ich zwar verstanden werde, aber keine Antwort bekomme.
Tabea: "Den Umständen entsprechend. Leo liegt im Inkubator, bekommt Atemhilfe, Muttermilch angereichert über die Nasensonde. Er schläft die meiste Zeit."
Ich: "Leo. Ein schöner Name."
Tabea: "Ich hoffe, er ist ok für dich."
Ich: "Ja sehr. Wie geht es dem anderen Zwilling?" und schaue sie erwartungsvoll an.
Tabeas Blick verändert sich. Ich spüre, dass etwas nicht stimmt. "Was ist mit ihm?"
Tabea: "Ole hat es leider nicht geschafft."
Ich atme tief durch. "War er sofort tot?"
Tabea nickt. "Er ist schon einen Tag vorher im Bauch gestorben."
Ich: "Oh nein."
Tabea: "Wir wussten, dass er schwer krank ist."
Ich: "Leider ja.", stockt, "ich wäre gerne bei dir gewesen."
Tabea: "Ich weiß. Die Kollegen waren da und da besonders Miriam."
Ich schaue sie irritiert an.
Tabea: "Wir haben uns vertragen. Sie hat meine Hand gehalten bevor ich in Narkose gesetzt wurde."
Ich: "Hattest du Angst?"
Tabea nickt. "Ich wollte das zweite Baby retten und eine Frühgeburt verhindern. Gereicht hat es nur für einen Tag."
Ich: "Dann wurdest du zweimal operiert?"
Tabea: "Ja. Zuerst wurde die Planzenta vom verstorbenen Baby getrennt. Am nächsten Tag wurde im Ultraschall gesehen, dass die Planzenta einen kleinen Riss hat. Eine Komplikation, die es geben kann. Die Babys mussten dann geholt werden."
Sie sieht betrübt aus. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich streichel ihre Hand.
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Das verlorene Kind
Fiksi PenggemarDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
