Veröffentlicht am 23.01.2020
FREDERIK
Ich merke, dass Charlotte keinen Hunger hat und sich das Mittagessen reinzwingt.
Ich versuche Ruhe auszustrahlen. Innerlich bin ich aufgeregt. Die Nacht konnte ich gar nicht schlafen, weil meine Gedanken um meine Frau kreisten. Hoffentlich ist der Tumor gutartig und kann operativ entfernt werden. Meine größte Hoffnung ist, dass der Fleck auf dem Röntgenbild ein Schatten ist. Sollte es das sein wüssten wir es schon längst.
Um kurz nach 12 Uhr öffnet sich die Tür. Prof. Franz Filou und Dr. Martin Flemming kommen rein.
Charlotte ist noch am essen. Sie hört auf.
Ich nehme ihre Hand und halte sie.
Wir werden von beiden begrüßt.
Franz:"Wie geht es dir Charlotte?"
Charlotte:"Abgesehen davon, dass ich müde bin, geht es."
Franz:"Die Müdigkeit kann noch von der Narkose kommen, wie auch von der Lungenentzündung. Ansonsten habe ich gesehen, dass das Fieber gesunken ist. Die Punktion hat auch gut geklappt und die Ergebnisse liegen vor."
Martin:"Das Labor hat es genauestens untersucht und festgestellt, dass der Tumor bösartig ist."
Wie er das ausgesprochen hat stockt mir der Atem. Ich drücke fest Charlottes Hand.
Charlotte:"Wie geht es jetzt weiter?"
Martin:"Der Tumor ist zwar bösartig, was nicht bedeutet, dass er nicht behandelbar ist. Allerdings müssen wir für die Art der Behandlung wissen, ob der Tumor gestreut hat."
Ich:"Und was machen wir dann?"
Martin:"Dann wäre eine andere Behandlung notwendig als ohne Metastasen. Wissen tun wir das erst, wenn ein CT vom ganzen Körper gemacht wurde."
Charlotte:"Dann machen wir das."
Martin:"Du stehst für morgen früh auf den Plan."
Ich:"Morgen früh erst? Ihr könnt uns doch nicht so lange warten lassen."
Franz:"Es besteht keine Lebensgefahr."
Ich:"Das ist mir egal. Ungewissheit ist schlimm. Wie soll Charlotte so schlafen können?"
Franz:"Sie bekommt für die Nacht was zu schlafen. So wie ich gelesen habe, hat es diese Nacht gut gewirkt."
Charlotte:"Es ist ok."
Ich:"Was?"
Charlotte:"Er hat Recht. Ich bin nicht in Lebensgefahr. Und ob heute oder morgen, das ist egal."
CHARLOTTE
Ich merke, dass Frederik aufgeregt ist.
Martin:"Habt ihr noch Fragen?"
Frederik:"Ja. Wie spät wird das CT gemacht?"
Martin:"Ich vermute so um 8."
Ich nicke.
Martin:"Noch weitere Fragen?"
Ich schüttel den Kopf.
Martin und Franz verlassen das Zimmer.
Bösartiger Tumor. Viele Gedanken kreisen in meinem Kopf. Ich versuche Frederik gegenüber ruhig zu bleiben. Er ist schon aufgeregt genug.
Frederik:"Ich fass es nicht. Immer diese Lebensgefahr."
Ich:"Es ist nun mal so. Wir arbeiten auch nach den Kriterien. Apropos Arbeit. Wann hast du Dienst?"
Frederik:"Ich habe Nachtdienst."
Ich:"Auch schön. Nach zwei Monaten krank damit zu starten."
Frederik:"Ich wollte es so. Ich habe mit Phil getauscht."
Ich:"Warum das?"
Frederik:"Ich wollte bei dir sein. Das geht nur tagsüber. Und nachts im Dienst kann ich es auch. Als Besucher nicht."
Ich:"Und Emma?"
Frederik:"Wird von meinen Eltern vom Hort abgeholt und aufgepasst."
Ich:"Das finde ich nicht gut. Es ist ihr 1. richtiger Schultag. Ihr 1.Tag im Hort und wir sind nicht da. Ich kann nicht da sein, aber du."
Frederik:"Willst du mir jetzt ein schlechtes Gewissen machen?"
Ich:"Nein. Ich finde nur, dass du die Zeit, die du hast, mit ihr verbringen solltest. Du brauchst nicht den ganzen Tag bei mir zu sein."
Sein Blick wirkt betrübt.
Ich:"Es ist schön, wenn du da bist, aber Emma braucht dich auch. Was hast du ihr und deiner Familie eigentlich erzählt was ich habe?"
Frederik:"Du hast eine Lungenentzündung. Das reicht bei den Nicht-Medizinern schon aus, so dass du für die im Sterben liegst."
Ich grinse. "Bitte sag ihnen, dass es mir schon besser geht und ich nicht sterben werde."
Frederik:"Das mach ich."
Ich:"Und jetzt fahr nach Hause, leg dich hin, hole später Emma ab und spiel mit ihr. Sie hat bestimmt viel zu erzählen."
Frederik:"Das bestimmt, aber kann ich dich alleine lassen?"
Ich:"Kannst du und heute Abend sehen wir uns schon wieder."
Frederik:"Ok." und stockt kurz. "Wollen wir noch über die Diagnose reden?"
Ich habe gehofft, dass das Thema nicht kommt, denn ich versuche es zu verdrängen.
Ich:"Ich möchte es nicht."
Er schaut mich fragend an.
Ich:"Morgen wissen wir mehr und bis dahin möchte ich nicht mehr daran denken."
Frederik:"Und du meinst, das klappt?"
Ich zucke mit den Schultern. "Du möchtest darüber sprechen stimmt's?"
Frederik nickt leicht. "Ich verstehe aber, dass du es nicht willst und vermutlich hast du Recht. Wir reden morgen. Ich fahre nach Hause."
Ich nicke.
Er gibt mir einen Kuss und geht.
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Das verlorene Kind
FanfictionDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
