158. Dem Tod nah II

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Veröffentlicht am 25.08.2021

TABEA
Es vergehen Stunden. Das Frühstück wird mir gebracht. Ich habe keinen Hunger und lasse es zurück gehen.

Es ist 10 Uhr als die Tür aufgeht und Dr. Martin Flemming und Dr. Saskia Smolka hinein kommen. Sie stellen sich an mein Bett.
Martin:"Gutenmorgen Tabea. Wie geht es ihnen?"
Ich:"Bei mir ist alles ok. Wie geht es Frederik?"
Martin:"Es geht ihm den Umständen entsprechend. Er hat die Operation soweit gut überstanden. Wir haben ihm einen Defibrillator implantiert. Er liegt auf der Intensivstation", stockt, "im künstlichen Koma. Das ist damit sein Körper sich von dem Ereignis erholen kann."
Ich:"Und dann gleich künstliches Koma? Sie wissen, dass das beim letzten Mal im Koma geendet ist und er monatelang darin lag."
Martin:"Ich weiß, aber ihn jetzt und in dem Zustand aufwachen zu lassen wäre für seinen Körper zu viel. Und auch für seine Psyche. Er muss zu Kräften kommen um das was ihn in der Zukunft erwartet schaffen zu kommen."
Ich:"Sie meinen die Babys?"
Martin atmet tief ein und aus. "Auch. Allerdings wird er sich auch beruflich umorientieren müssen."

Erst jetzt kommt es auch bei mir an. Er hat einen Defibrillator implantiert bekommen. Wegen der Strahlen kann er in den meisten Bereichen im Krankenhaus nicht mehr arbeiten.

Martin:"Erstmal schauen wir, dass sich sein Zustand verbessert und dann werden wir ihn aufwachen lassen. Alles andere wird die Zeit ergeben. Er lebt und das sollte das Wichtigste sein."
Ich nicke leicht.
Martin:"Er ist hier in guten Händen."
Ich:"Ich weiß."
Martin schaut zu Saskia, welche nickt.
Martin:"Wenn ich was Neues weiß lasse ich es ihnen wissen."
Ich nicke. "Kann ich zu ihm?"
Martin:"Später. Sie sollten selbst erst Kraft tanken. So wie ich gehört habe haben sie die Nacht nicht geschlafen und nicht gefrühstückt. Holen Sie das erstmal nach und dann kommen sie zu ihm."
Ich:"Ich kann ohne Schlaf und essen kann ich auch später noch."
Martin:"Sie vielleicht. Ich glaube, ihre Babys nicht."
Ich schaue zu Saskia.
Saskia:"Ich sehe es wie er. Zudem wollte ich noch ein Ultraschall bei dir machen."
Ich:"Das kann warten."
Saskia: "Nein. Ich muss aus medizinischer Sicht wissen was mit den Babys ist", stockt, "Frederik würde das auch wollen."
Ich lehne mich zurück und schaue zur Decke. Meine Decke ziehe ich mir bis zum Hals.
Martin:"Wir sehen uns später" und verlässt das Zimmer.

Saskia setzt sich auf die Bettkante. "Ich kann verstehen, dass du dir Sorgen machst und am liebsten sofort zu ihn möchtest. Ich würde es dir gerne ermöglichen, nur bist du meine Patientin und da stehen Untersuchungen an die nicht geschoben werden können."
Ich:"Bei mir ist doch schon alles vorbei. Das Baby wird sterben und ob das Sono gemacht wird oder nicht, es stirbt. Frederik will leben und ich möchte bei ihm sein."
Saskia:"Das versteh ich, nur geht es hier auch um ein zweites Baby."
Ich:"Welches leben darf, weil das Geschwisterchen stirbt."
Saskia:"Nein, so ist das nicht. Es sind zwei eigenständige Kinder, die zwar Zwillinge sind, weil sie gemeinsam in deinem Bauch sind. Allerdings sind sie zweiig, weil jeder eine eigene Fruchthöhle hat. Das Problem ist, dass sie sich die Plazenta teilen und daher ist die regelmäßige Kontrolle sehr wichtig."

Ich schlucke fest. Als Kinderärztin weiß ich, was das bedeutet. Wenn ein Kind stirbt wird es die Plazenta gewissermaßen vergiften und das ist für das ungesunde Kind gefährlich.
Ich schaue zu Saskia:"Wie lange bleibt dem anderen Baby wenn das Eine tot ist?"
Saskia: "Es sollte dann geholt werden um eine Vergiftung zu vermeiden."
Ich:"Sind wir realistisch. Die Überlebenschancen in der 29. Schwangerschaftswoche sind schlecht und bei einem Zwilling noch mehr."
Saskia:"Es gibt Babys die das überlebt haben."
Ich:"Da war die Ausgangssituation eine ganz andere."
Saskia:"Das stimmt. Aufgeben ist aber keine Option."
Ich schaue wieder zur Decke.
Ich:"Ich will alleine sein."
Saskia:"Ok. Wenn was ist klingelst du und", schaut auf ihre Uhr", in ca. einer Stunde machen wir das Sono."
Zur Bestätigung nicke ich.

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt