183. Aufgeben IV

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Veröffentlicht am 01.01.2025

DR. TABEA ROHDE
22.05.
Eine Woche später werde ich entlassen. Die Blutungen haben nachgelassen, die Entzündungswerte sind wieder im Normalbereich und die Entzündungen in den Brüsten und Bauchraum abgeklungen. Ich habe abgestillt. Wegen des Antibiotika hätte die Milch weggeworfen werden müssen.  Für mich ist es eine Entlastung, denn ich wollte nicht stillen.

Die Krankenkasse hat die Verlegung nach Köln abgelehnt.

Catharina ist nach zwei Tagen zurück nach Köln gefahren. Sie hatte Dienst und ich wollte nicht, dass sie den wegen mir nicht wahrnimmt. Hinzu kommt, dass ihre Familie dort ist.
Johanna besuchte mich täglich. Auch wenn ich ihr sagte, dass das nicht nötig sei machte sie es.

Mit Miriam habe ich öfter telefoniert. Sie hat mir angeboten bei ihr zu wohnen. Ich lehnte es ab. Ich weiß nicht, ob zu viel Nähe unser Verhältnis verschlechtern würde. Das möchte ich nicht. Lange habe ich auf sie verzichtet.

Wenn auch widerwillig werde ich wieder bei Catharina einziehen. Wir wollen es wie eine WG handhaben. Ich möchte nicht bei jeder Mahlzeit dabei sein und ihr ihre Familienzeit geben. Sie zeigte Verständnis dafür, auch wenn sie betonte, dass ich mit zur Familie gehöre.

Meine Sachen habe ich gepackt. Soweit ich den Entlassbrief habe werde ich mit einem Taxi zum Hotel von Johanna fahren und von dort aus mit meinem Auto nach Köln.
6 Stunden Fahrt stehen mir bevor. Der Arzt riet mir davon ab diese alleine zu fahren. Ich werde es trotzdem machen. Irgendwie muss das Auto auch zurück nach Köln.

Es klopft an der Tür. Ich bin überrascht als Johanna mit Maja an der Hand herein kommen.
Johanna: „Gutenmorgen Tabea" und kommt zu mir. „Wir möchten dich abholen.“
Ich: „Das ist ja eine Überraschung. Ich wollte mit dem Taxi fahren.“
Johanna: „Ich weiß. Wir waren sowieso hier und dann können wir dich mitnehmen.“
Ich: „Warum seit ihr hier?“
Johanna schaut zu Maja. „Sie meinte, dass Bügelperlen ins Ohr passen. Und da sie zu tief saßen überließ ich das rausholen einem HNO-Arzt.“
Ich: „Hat er alle rausholen können?“
Johanna nickt. „14 Stück. Ich frage mich was sie damit vor hatte“ und schaut zu Maja.
Maja: „Das sind Ohrringe für drinnen“ und lässt die Hand von Johanna los. „So wie du das hast. Das sind die Teile zum zumachen.“
Johanna hockt sich hin. „Die Teile zum zumachen kommen auf den Stecker und nicht ins Ohr. Wenn du Ohrringe haben möchtest dann bekommst du richtige. Aber bitte steck dir keine Bügelperlen mehr in die Ohren. Ok?“
Maja: „Ok“ und schaut zu mir. „Kommst du mit zu uns nach Hause? Dann kannst du mir erzählen woher du mich kennst.“
Johanna steht auf. „Die Frage stellt sie mir seitdem du zu ihr gesagt hast, dass du sie kennst wie sie kleiner war. Ich habe ihr erzählt, dass sie damals im Krankenhaus in Köln war.“
Maja: „Stimmt das?“
Ich: „Ja. Du warst mit Mama und Papa da. Mama hat sogar mit dir im Krankenhaus geschlafen.“
Maja: „War ich schlimm krank?“
Johanna: „Ich habe dir doch erklärt, dass das zur Beobachtung war.“
Maja: „Du hättest mich zu Hause beobachten können.“
Ich: „Weißt du, deine Mama war als Mama bei dir und nicht als Ärztin. Daher bist du im Krankenhaus geblieben.“
Majas Blick sieht nachdenklich aus.
Ich: „Am nächsten Tag durftest du nach Hause.“
Maja: „Und Mama auch“ und lächelt. Sie kommt zu mir. „Du darfst jetzt auch nach Hause.“
Ich nicke. „Ich warte nur noch auf den Entlassbrief.“

In dem Moment öffnet sich die Tür. Der Arzt kommt rein und gibt ihn mir. Danach geht er wieder.

Johanna: „Jetzt haben wir alles würde ich sagen. Gepackt hast du schon“ und zeigt auf meinen Rucksack. „Los geht’s.“

Ich weiß, dass Widerrede zwecklos ist. Daher nehme ich meinen Rucksack und begleite die beiden aus dem Zimmer. Wortlos nimmt Maja eine Hand von mir und eine von Johanna. Lächelnd läuft sie in der Mitte von uns mit uns zum Auto.
Gemeinsam fahren wir zum Hotel.

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt