Veröffentlicht am 18.04.2024.
TABEA
Ich wache auf. Es ist dunkel. Vorsichtig ertaste ich den Schalter der Nachtischlampe. Ich schaue auf meine Armbanduhr. Es ist 22:30 Uhr. Ich scheine 4 Stunden geschlafen zu haben. Ich setze mich hin und schaue mich um. Es kommt mir fremd vor. Ein Zuhause auf Zeit.
Ich stehe auf, gehe zum Fenster und schaue raus. Wegen der Dunkelheit sehe ich kaum was. Als ich genau hinschauen erkenne ich, dass auf der Terrasse Licht an ist. Ich erkenne Schatten. Vermutlich sind Cati und Robert dort.
Ich überlege was ich machen kann, denn müde bin ich nicht mehr. Mir fällt der Antrag zur Elternzeit ein.
Ich mache das Licht im Zimmer an, hole meinen Laptop aus einer der Kisten, stelle ihn auf den Schreibtisch und stelle ihn an. Ich setze mich auf einen Stuhl davor. Im Internet suche ich nach den Antrag. Als ich den finde merke ich, dass dieser ausgedruckt werden muss. Da ich keinen Drucker besitze kann ich das nicht. Ich lese mir kurz durch was noch alles benötigt wird und versuche es zu finden. In den nächsten Tagen werde ich zum Copyshop müssen um alles auszudrucken. Ich hätte nicht gedacht, dass das so viel ist.
Ich schaue erneut Richtung Fenster und frage mich, ob Leo schläft? Gerne wäre ich bei ihm und würde für ihn da sein. Hoffentlich kann ich das bald sein. Werde ich alleine sein? Wird Frederik umdenken und doch für ihn da sein? Was wird aus Emma? Ich bin gegangen ohne mich zu verabschieden. Das fühlt sich falsch an.
Ich nehme ein Zettel und Stift aus dem Karton und fange an einen Brief an sie zu schreiben.
>>Hallo Emma. Vermutlich wirst du gesehen haben, dass meine Sachen nicht mehr in eurer Wohnung sind. Ich bin ausgezogen. Sicherlich fragst du dich warum? Es hat nichts mit dir zu tun. Es ist meine Entscheidung gewesen um Papas Gesundheit nicht zu gefährden. Ich habe Angst, dass ein Zusammentreffen bei ihm erneut Herzprobleme auslöst. Das will ich nicht. Er ist ein ganz toller Mensch auch wenn er Entscheidungen getroffen hat welche ich noch nicht verstehe. Er möchte mich und Leo nicht sehen. Ich akzeptiere es. Ich habe auf eine gemeinsame Zukunft gehofft und bin jetzt alleine. Wobei ganz alleine bin ich nicht. Ich wohne bei Cati und ihrer Familie. Leo ist noch in der Klinik. Ich hätte dir gerne gesagt warum ich ausziehe, doch konnte es nicht. Das ist feige von mir. Du bist mir wichtig und auch wenn wir nicht mehr zusammen wohnen, du kannst immer zu mir kommen. Ich bin für dich da. Du bist ein besonderer Mensch, welcher in meinem Herzen ist. Leo hat mit dir eine tolle Schwester. Ich freue mich auf den Moment, wo du ihn sehen darfst. Du darfst enttäuscht, sauer, wütend sein, weil ich ohne mich zu verabschieden gegangen bin. Ich wünsche mir, dass du mir irgendwann das verzeihen kannst. Tabea.<<
Sie wird schon gesehen haben, dass ich ausgezogen bin. Ob Frederik ihr vorher erzählt hat was er denkt? Wenn nicht ist das Unverständnis noch größer als sowieso schon. Was wird er ihr erzählt haben? Wie wird er von mir gesprochen haben? Wie wird er von Leo gesprochen haben? Werde ich Emma sehen bevor sie zurück zum Internat fährt? Wann fährt sie wieder? Ich weiß, dass sie zurzeit Sonderurlaub hat wegen der Krankheit von Frederik. Emma ist schlau. Sie wird das schulische schnell nacharbeiten. Wie wird sie es psychisch aufnehmen und verarbeiten? Möchte sie weiterhin Kontakt zu mir?
Ich schaue mich im Zimmer um.
Wieso musste es soweit kommen. Manchmal frage ich mich, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn ich nicht schwanger geworden wäre. Den Gedanken verwerfen ich wieder, weil ich vor meinen Augen Leo sehe. Wie wird mein Leben allein mit ihm sein? Alleinerziehend arbeiten im Schichtdienst? Nur mit einer Kitabetreuung ist das nicht möglich. Da brauche ich einen Babysitter. Das sind zusätzliche Kosten. Will ich Leo überhaupt in eine Kita geben? Vielleicht ist eine Tagesmutter besser? Bekomme ich überhaupt einen Platz? Es gibt so viele Kinder die einen Platz haben wollen, warum sollte Leo einen bekommen? Ohne Betreuung kann ich nicht arbeiten gehen. Das Elterngeld ist viel weniger als mein Gehalt. Zwar werde ich den Höchstsatz bekommen. Zahlen muss ich davon alles für mich und Leo. Reicht das Geld? Was mache ich wenn es nicht reicht? Ich weiß nicht mal ob ich Leo in Betreuung geben will, wobei ich weiß, dass ich es muss um uns zu finanzieren. Ich weiß nicht, ob Leo jemals nach Hause kommen wird und denke schon ans Finanzielle. Was bin ich nur für eine Mutter, welche ans Geld denkt statt an ihr Kind? Ich fühle mich mies.
Ich schaue nochmal auf den Brief, falte diesen und lege ihn in einen Karton. Mir fehlt der Mut den Emma zu geben. Ich fühle mich immer schlechter. Ich habe alles verloren was ich liebte. Was habe ich falsch gemacht?
Ich schaue auf die Uhr. Es ist kurz nach Mitternacht.
Ich stehe auf und schaue aus dem Fenster. Es ist dunkel. So dunkel fühlt es sich bei mir auch an. Ich sehe kein Licht, draußen und auch nicht bei mir. Die Ungewissheit mag ich nicht.
Nach kurzer Zeit setze ich mich auf den Boden und lehne mich an die Wand. Ich schaue zur geschlossenen Tür. Es ist still. In mir kreisen weiter viele Gedanken. Sie wiederholen sich. Ich kann sie nicht abschalten.
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Das verlorene Kind
FanficDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
