26. Ich fühle mich alleine

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Veröffentlicht am 10.04.2019

CHARLOTTE:
Ich liege auf dem Sofa. Auf mir liegt Emma. 7 Monate ist sie jetzt schon.
Emma hat die letzten Nächte schlecht geschlafen. Die ersten Zähnchen kommen durch und das tut ihr weh. Ich trage sie viel und der Beißring ist zurzeit ihr bester Freund.
Schmerzmittel möchte ich Emma nicht geben. Ich finde, dass sie dafür noch zu klein ist. Lieber trage ich sie stundenlang und schlafe selber kaum  mehr.

Und jetzt liege ich hier und döse vor mich an, während ein 7kg Baby auf meinem Bauch schläft.

Frederik ist bei der Arbeit. Damit er schlafen kann trage ich Emma auch so viel, damit sie nachts nicht schreit.
Frederik ist in den letzten Tagen sehr gestresst.
Ich tue alles um Frederik zu entlasten. Das ich mal so eine Hausfrau werde, damit habe ich nicht gerechnet.

Jetzt liege ich hier. Seit ein paar Stunden habe ich leichte Bauchschmerzen. Ich vermute, dass es der wenige Schlaf und der Stress mit Emma ist.
Vielleicht aber habe ich mir auch einen Infekt eingefangen. Bitte nicht, denke ich. Das fehlt mir jetzt noch. Wie soll ich mich denn mit Infekt noch gut um Emma kümmern.
Ich versuche jetzt erstmal ein wenig zu schlafen.

Eine Stunde ist vergangen.
Emma schläft noch.
Meine Bauchschmerzen sind stärker geworden und ich müsste mal zur Toilette. Doch Emma schläft auf meinem Bauch. Vielleicht geht der Schmerz auch weg wenn ich Emma nicht mehr auf meinem Bauch liegen habe? Aber wenn ich sie jetzt ablege, dann wacht sie auf und weint wieder. Das möchte ich nicht. Ich beschließe auszuhalten.

Eine weitere Stunde ist vergangen. Inzwischen ist 15 Uhr und Frederik kommt vom Frühdienst nach Hause.
Frederik kommt ins Wohnzimmer. Er lächelt und kommt auf mich zu.
Frederik:"Hallo Lotte." Er gibt mir einen Kuss auf den Mund.
Ich:"Hallo."
Frederik:"Schläft sie schon lange?"
Ich:"Drei Stunden ungefähr."
Frederik:"Das klingt gut. Und die ganze Zeit auf deinem Bauch?"
Ich nicke.
Ich:"Wie war dein Tag?"
Frederik schnauft. "Anstrengend. Und jetzt hat Filou mich noch dazu verdonnert ein Referat zu halten. Wann soll ich das noch vorbereiten?"
Frederik sieht genervt und nachdenklich aus.
Ich:"Welches Thema?"
Frederik:"Knieorthese."
Ich:"Es ist deine Thematik."
Frederik:"Ja, aber ich habe keine Lust dazu."
Ich:"Man muss auch mal Dinge machen die man nicht gerne macht."
Frederik:"Das sagt die Frau, die den ganzen Tag nur zu Hause ist, auf dem Sofa liegt und schläft."

Hat er das gerade wirklich gesagt? Meint er wirklich, dass ich den ganzen Tag chille? Das Emma die ganze Zeit schläft? Bekommt er gar nicht mit wieviel ich hier tue? Emma tragen, nicht mehr schlafen, ihn den Rücken frei halten, Kochen, Einkaufen, putzen, usw.. Und das ist jetzt der Dank dafür?

Ich schaue Frederik verärgert an.
Ich:"Meinst du das gerade ernst?"
Frederik nickt.
Ich:"Meinst du wirklich ich tue hier gar nichts und chille den ganzen Tag?"
Frederik:"Nein, das machst du nicht. Aber hier ist es wesentlich entspannter als in der Klinik."
Das glaubt auch nur er.

Ich spüre den Bauchschmerz wieder.
Verärgert sage ich:"Kannst du mal Emma nehmen?"
Frederik:"Warum? Sie schläft doch gerade. Ich esse erstmal was."
Frederik geht in die Küche.

Seit ein paar Tagen läuft es so bei uns ab. Frederik hat viel Stress bei der Arbeit und lässt seine schlechte Laune an mir raus. Ich halte es geduldig aus.

Da ich jetzt dringend zur Toilette muss lege ich Emma vorsichtig aufs Sofa und gehe ins Badezimmer auf Toilette.

Als ich abspülen will erschrecke ich.
Und da fällt mir ein was es ist. Meine Periode. Nach Emmas Geburt hatte ich sie noch nicht wieder gehabt. Ich habe sie auch nicht vermisst. Und jetzt ist sie wieder da. Ich tue mir ein Tampon rein, wasche meine Hände und gehe dann wieder ins Wohnzimmer.

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt