49. Es fühlt sich schmutzig an

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Veröffentlicht am 14.06.2019

CHARLOTTE
Heute morgen haben Emma und ich Frederik zum Bahnhof gebracht.
Um 7:20 Uhr ist er mit dem Zug weggefahren.

5 Wochen wird er jetzt in Bad Salzuflen zur Reha sein. Wir haben die Zeit herbei gesehnt. Auch wenn es eine Trennung für uns bedeutet. Wir sehen die Vorteile darin. Ich hoffe, dass Frederiks Selbstbewusstsein gestärkt wird und er besser mit der Situation umgehen kann. Natürlich fände ich es auch schön, wenn er lernt wieder zu laufen. Das wäre ein Traum. Wichtiger ist mir aber, dass er mit der jetzigen Situation umgehen kann und wieder mehr an sich glaubt.

Ich plane in zwei Wochen mit Emma übers Wochenende zu Frederik zu fahren. Wir werden dann dort in Hotel wohnen. Es ist so, wie es war, als Frederik in Hamburg zur Reha war.

Nachdem Frederiks Zug abgefahren ist fahren Emma und ich wieder nach Erfstadt und ich bringe sie zur Krippe.
Danach fahre ich nach Hause und frühstücke erstmal und mache den Haushalt.

Kurz darauf fahre ich zur Arbeit, wo ich heute von 12 Uhr bis 20:30 Uhr Dienst habe.

Die nächsten Tage verlaufen soweit gut. Auf der Arbeit ist viel zu tun. Ich habe dort keine ruhige Minute.

Eine Woche ist schon vergangen und ich habe Frühdienst. Ich bin in der Notaufnahme eingeteilt und soll mich um einen Mann im Behandlungsraum kümmern, welcher nach mir gefragt hat.

Ich betrete den Raum und schaue die Personen, welche dadrin sind, an. Ich gehe auf sie zu.
Ich:"Gutentag. Engel. Was kann ich für sie tun?"
Mann:"Um mich kümmern, wenns geht."
Ich:"Dafür bin ich jetzt da. Was haben Sie denn?"
Mann:"Schmerzen."
Ich:"Und wo?"
Mann:"Da" und zeigt auf seinen Bauch.
Ich:"Ok. Wo genau ist denn der Schmerz?"
Mann:"Da." und zeigt wieder auf seinen Bauch.
Ich:"Eher oben oder unten?"
Der Mann schaut genervt zu seinem Freund.
Mann:"Da halt."
Ich gehe näher und schaue es mir an."
Ich:"Ok. Ist es eher ein Druckschmerz oder stechend?"
Mann:"Es tut weh. Das reicht doch."
Ich:"Für mich ist die Art des Schmerzes schon wichtig. Aber ich kann sie auch so untersuchen."
Der Mann rollt mit den Augen.

Wie er mich jetzt schon innerlich zum kochen bringt. Warum muss ich mich eigentlich um ihn kümmern? Die Kollegen erinnern sich wahrscheinlich nicht daran, wer die beiden sind.

Ich:"Ich taste jetzt ihren Bauch ab."
Mann:"Ok."
Während ich seinen Bauch abtaste frage ich:" Warum haben sie eigentlich nach mir gefragt?"
Mann:"Weil ich wissen wollte, ob sie da sind."
Ich:"Und was hätten Sie getan, wenn ich nicht da gewesen wäre?"
Mann:"Was interessiert Sie das. Sie sollen sich um mich kümmern."
Ich schaue ihn an. "Das mache ich. Ihr Bauch ist weich. Ich höre ihn jetzt ab."

Kurze Zeit später sage ich:"Die Geräusche sind intakt. Was haben sie denn gestern und heute gegessen?"
Mann:"Was geht das Sie an."
Ich:"Das interessiert mich um heraus zu finden, ob ihre Schmerzen daher kommen."
Mann:"Bestimmt nicht. Untersuchen Sie mich lieber weiter und finden heraus, was ich habe."
Ich:"Da bin ich bei. Dafür brauche ich aber die Hilfe des Patienten."
Mann:"Ich bin doch da."
Ich:"Ich meine damit, dass dieser meine Fragen beantwortet."
Mann:"Ich bin hier nicht als Unterhalter gekommen, sondern mit Schmerzen."
Ich atme tief durch. Ich merke, dass ich so nicht weiter komme.

Ich schaue zum Freund. "Ist Ihnen was aufgefallen? Können Sie mir sagen, was er gegessen hat?"
Der Mann mischt sich ein und sagt:"Halten Sie ihn da raus. Ich bin hier der Patient. Kümmern Sie sich um mich."
Ich:"Ok. Ich mach jetzt ein Ultraschall."

Am liebsten würde ich ihn der Klinik verweisen. Das darf ich nicht, denn er kann wirklich was haben, was ich nur noch nicht festgestellt habe.

Ich setze mich auf den Hocker und starte mit dem Ultraschall und möchte dem Mann erklären, was ich sehe.
Ich:"Da ist die Milz. Die sieht gut aus."
Mann:"Interessiert mich nicht. Sagen Sie mir nur, was nicht stimmt."
Ich atme tief durch und mache weiter. Allerdings ist alles unauffällig.
Ich:"Ich schaue mir jetzt noch ihre Blase an. Dafür muss ich mit dem Gerät ein bisschen in ihre Hose gehen."
Langsam mache ich das. Es sind wirklich nur Zentimeter und tut nicht weh. Auch das ist unauffällig.

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt