Veröffentlicht am 20.12.2021
DR. OLIVER DREYER
Ich bin mit Schwester Nancy bei Frederik im Zimmer. Seine Werte sind stabil. Ich schaue in seine Patientenakte, worin ich sehen kann, dass es keine Zwischenfälle gab.
Ich:"Laut Akte und jetzigem Befund stabil. Seit über 36 Stunden an der Beatmungsmaschine", schaue auf die Uhr am EKG-Gerät, "17:45 Uhr. Ich fange an zu extubieren."
Nancy:"Ok. Ich notiere es so" und nimmt mir die Akte ab.
Vorsichtig ziehe ich Frederik den Schlauch aus dem Hals. Ich schaue immer wieder auf das EKG um jede Veränderung sofort wahrzunehmen.
Ich:"Alles bleibt gleich. Atemmaske aufgesetzt."
Nancy:"Weiterhin gleich."
Ich:"Dann setzen wir langsam die Narkose ab und lassen ihn aufwachen. Wenn alles gut klappt sollte er morgen vormittag aufwachen."
Nancy:"Das wäre toll."
Ich nicke. Die Werte bleiben gleich.
Ich:"Heute Nacht ist Paula da. Wenn was ist kann sie mich jederzeit anrufen."
Nancy: "Hoffen wir, dass das nicht notwendig ist. Wirst du Tabea sagen, dass er extubiert ist?"
Ich:"Ja. Es wird ihr Hoffnung geben. Das kann sie gut gebrauchen."
Nancy:"Auf jeden Fall."
Ich stehe neben Frederiks Bett.
Ich:"Wenn du wüsstest was in den letzten Stunden hier geschehen ist. Es wird Zeit, dass du aufwachst und das miterlebst."
Ich schaue zu Nancy.
Nancy:"Du vermisst ihn."
Ich nicke.
Mein Blick fällt auf das EKG. "Er hält sich gut. Die Nacht wird zeigen, wie es mit ihm weiter geht. Ich muss jetzt gehen. Ich werde zuhause erwartet."
Nancy:"Wenn du das sagst muss es sehr wichtig sein."
Ich:"Das ist es. Sonst droht die Scheidung."
Nancy:"So schlimm?"
Ich:"Frauen mögen es nicht versetzt zu werden."
Nancy:"Das stimmt."
Ich:"Wir sehen uns morgen."
Nancy:"Lässt du mich jetzt hier zurück?"
Ich:"Du kannst gerne mit rauskommen."
Nancy:"Das mach ich auch."
Auf dem Flur sage ich zu Nancy, dass ich zu Tabea gehen möchte. Als ich da ankomme sehe ich, dass sie nicht da ist. Ihr Zimmer wird geputzt.
Ich gehe ins Schwesternzimmer, eo Dr. Paula Martinson und Nancy ist.
Ich:"Weißt du was mit Tabea ist?"
Paula:"Ja. Sie wurde auf die Wöchnerinnenstation verlegt, nachdem sie bei Leo gewesen ist."
Ich lächel. "Das ist gut und dass sie bei ihrem Sohn war auch. Und ich habe auch gute Neuigkeiten. Frederik ist extubiert. Die Narkose schleicht aus. Wenn alles gut läuft wacht er morgen auf. Wenn heute Nacht irgendwas sein sollte kannst du mich anrufen."
Paula:"Ich denke, wir kriegen das schon hin und sollte er aufwachen lasse ich es dir wissen."
Ich:"Darum bitte ich. Ich werde jetzt zu Tabea gehen und ihr die guten Nachrichten mitteilen."
Paula:"Insofern sie wach ist. Sie scheint nach dem Besuch erschöpft gewesen zu sein."
Ich:"Das glaub ich, zumal die Narkose auch noch am abklingen ist."
Nancy:"Und wenn du nicht die Scheidung möchtest solltest du vielleicht nach Hause."
Ich schaue auf die Uhr im Schwesternzimmer. Es ist schon nach 18 Uhr.
Ich:"Da hast du Recht. Aber Tabea sollte die Neuigkeiten erfahren."
Paula:"Darum kümmer ich mich."
Ich:"Super. Dann sehen wir uns morgen." und gehe.
DR. PAULA MARTINSON
Ich:"Und du erklärst mir mal, was es mit der drohenden Scheidung auf sich hat."
Nancy:"So genau weiß ich das auch nicht, aber das heute Abend muss sehr wichtig sein."
Ich:"Wenn er freiwillig die Aufgabe an mir abgibt, dass ich mit Tabea sprechen darf, dann ja."
Um 19 Uhr gehe ich auf Station um Tabea zu besuchen. Ich klopfe an und gehe hinein. Sie liegt im Bett. Langsam dreht sie sich zu mir. Ich gehe zu ihr und stehe neben ihrem Bett.
Ich:"Hallo. Ich wollte dich nicht wecken."
Tabea:"Das tust du nicht."
Ich:"Herzlichen Glückwunsch zum Sohn."
Sie lächelt. "Danke."
Ich:"Wie geht es dir?"
Tabea:"Es geht. Ich bin müde."
Ich:"Das kann noch von der Narkose kommen."
Tabea nickt.
Ich:"Wie war es bei Leo? Ich habe gehört, du durftest zu ihm."
Tabea:"Schön. Es ist unbeschreiblich, dass er schon da ist."
Ich:"Mmh. Aber es ging nicht anders."
Tabea:"Ich weiß."
Ich:"Und ich habe auch noch eine gute Nachricht für dich. Oliver hat Frederik extubiert. Das Narkosemittel schleicht aus und wenn alles gut läuft wacht er morgen vormittag auf."
Sie atmet tief durch. Ich sehe ihren erleichternden Blick. "Endlich gute Neuigkeiten."
Ich nicke.
Tabea:"Wie kommt es eigentlich, dass du mir das mitteilen darfst und es nicht Oliver persönlich macht?"
Ich:"Das hätte er gerne gemacht, wobei er nach Hause musste."
Tabeas Blick wandelt in Besorgnis um.
Ich:"Irgendwas wichtiges da."
Tabea: "Das muss sehr wichtig sein."
Ich:"Schien so, denn von Scheidung droht war die Rede von Nancy dazu "
Tabea:"Oh je. Dann hat seine Frau bestimmt was mit ihm vor."
Ich nicke. "Die Frage ist, ob er das auch will."
Tabea:"Wenn bei ihm das Wort Scheidung dazu fällt, dann brennt die Hütte. Da ist es besser wenn er zuhause ist. Und im Endeffekt ist es egal von wem ich die guten Neuigkeiten zu Frederik erfahre."
Ich:"Das stimmt, wobei er es dir wirklich gerne selbst gesagt hätte."
Tabea:"Das glaub ich, aber ich möchte nicht Schuld an seiner Scheidung sein."
Ich:"Das bist du nicht und nachdem er heute Abend da ist sieht die Welt morgen schon besser aus."
Tabea:"Das hoffe ich." und gähne.
Ich:"Du brauchst Schlaf. Dein Tag war anstrengend."
Tabea nickt:"Und mit Happy End. Besser geht es nicht."
Ich lächel.
Tabea:"So soll es bleiben."
Ich:"Das wünsche ich dir."
Tabea sieht hoffnungsvoll aus.
Ich:"Ich wünsche dir eine gute Nacht."
Tabea:"Und dir einen angenehmen Dienst."
TABEA
Paula verlässt mein Zimmer. Ich schaue zur Decke. Frederik ist extubiert. Morgen wird er aufwachen. Ich glaube ganz fest daran. Und Leo wird kämpfen. Wir wollen doch als Familie irgendwann zuhause sein. Wann das sein wird weiß ich nicht. Werden wir es zu Emmas Geburtstag sein? 30.06. scheint weit weg, wobei knapp 2 Monate für ein Frühchen nicht viel ist. Es wäre schön, wenn wir ihren 9. Geburtstag zusammen als Familie feiern können: Frederik, Lisa, Emma, Leo und ich. Vielleicht wird der Traum wahr?
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Das verlorene Kind
FanfictionDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
