Kapitel 23: Zwischen Wut und Trauer

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„Mine?", kam es überaus überrascht von einer Stimme aus der linken Ecke des Ganges, Hermine fuhr herum, ihre glühenden Augen bohrten sich in die grünen von Harry, er konnte ihrem Blick nicht lange standhalten und musterte sie, von oben bis unten, das konnte nicht Hermine sein, aber sie war es.
Er fühlte ebenfalls die Elektrizität in der Luft, die von ihr auszugehen schien, Blitze sprangen von Finger zu Finger.
Er schluckte hart und starrte immer noch fassungslos zu ihr.

„Harry", hauchte sie in der kristallklaren Stimme, die sich noch weniger wie Hermine anhörte, als sie wie Hermine aussah. Harrys Augen weiteten sich erneut.
Hermine drehte sich um und ging in ihre Räume, ließ die Tür offen stehen, damit Harry ebenfalls eintreten konnte. Sie tigerte im Raum auf und ab und schloss die Tür als Harry endlich eintrat.
Sie sah nun wieder aus wie Hermine und Harry setzte sich leicht überfordert auf die Couch.
„Was....was war das?", brachte er stotternd hervor.

Hermine sah plötzlich zu ihm, als hätte sie ihn schon wieder vergessen, während sie den Raum ablief. Sie schüttelte leicht den Kopf, um einen klaren Gedanken zu fassen, „achso äh, ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll... es fing vor ein paar Wochen an. Als ich wieder nach Hogwarts kam, das erste Mal im Raum der Wünsche. Da ist eine Kraft an mir, die ab und zu die Kontrolle übernimmt", sie erzählte es trocken, als wäre es ganz normal, sie achtete gar nicht mehr auf Harry und tigerte weiter.

Sie konnte einfach nicht glauben, dass Severus gegangen war. Es war doch alles gut gewesen. Sie nahm ihre Umwelt nicht mehr wahr, was Harry ebenfalls bemerkte, da er sie schon zum dritten Mal angesprochen hatte, „Mine!... HERMINE GRANGER!! Verdammt nochmal! Kannst du dich vielleicht für eine Minute einfach nur hinsetzen?!", kam es wütend von ihm.

Hermine blieb stehen, sah entschuldigend zu Harry, sie setzte sich neben ihn auf die Couch und wartete.
Harry nahm ihre Hand, weniger zärtlich als es Severus eben noch getan hatte und blickte sie an, „Hermine,... ist... das gefährlich? Kannst du damit umgehen?", nachdem er den ersten Schock mehr oder weniger überwunden hatte, dachte er an das was Hermine mit dieser Kraft anstellen könnte.

„Ich übe sie zu kontrollieren, manchmal gelingt es mir... manchmal.. auch nicht. Das ist von der Situation abhängig. Aber es wird besser!", setzte sie nach, als sie Harrys Blick sah. Sie wusste, dass er recht hatte. Sie musste die Kontrolle darüber behalten und lernen damit umzugehen.
„Was war das überhaupt auf dem Flur mit Severus und dir? So hab ich ihn noch nie gesehen..", meinte der Dunkelhaarige und schaute sie fragend an.
„Ach, das... äh.. wir, wir hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit bezüglich des Projekts...", versuchte sie sich aus der Situation zu reden. Sie war noch nie eine besonders gute Lügnerin, das wussten alle.
„Und deswegen verwandelst du dich in..., verwandelst du dich und hast Tränen in den Augen?", meinte Harry skeptisch, er vermutete, dass sie ihm etwas verschwieg und wollte es wissen.
„Ich war sauer Harry! Professor Snape hat das gütige Talent, Leute mit seiner Art extrem zu verletzen und auf die Palme zu bringen.", meinte sie scharf und fauchte ihn fast an.
Harry hob die Augenbrauen und die Arme und murmelte nur, „okay.. kein Grund direkt wieder auszuflippen.."
Hermines Wut loderte sofort wieder auf, das Amber glühte und die Blitze sprühten aus ihren Händen, „du willst nicht dabei sein, wenn ich 'ausflippe'", sagte sie mit kristallklarer drohender Stimme und betonte das letzte Wort extrem.

Ihr Blick bohrte sich in Harrys und es tat ihm sofort leid, was er gesagt hatte, Hermine erschreckte ihn mit ihrer Erscheinung, er spürte die Wut und den Zorn, der von ihr ausging.
Er legte langsam eine Hand an seinen Zauberstab, sie nahm die Bewegung sofort wahr und die Wut legte sich etwas, „keine Sorge.. ich werde dich nicht angreifen Harry" und blickte auf seine Hand, „auch wenn du es manchmal verdient hättest.", setzte sie nach und lachte, das Amber wich dem Rehbraun und die Blitze verschwanden.

Harry schüttelte ungläubig den Kopf, „hier wird es nie langweilig.." und stimmte in ihr Lachen ein.
Hermine lehnte ihren Kopf an Harrys Schulter, er legte seinen Kopf auf ihren.
„Mine.. auch wenn es mich nichts angeht.. aber.. du solltest deine Wut auf Severus nicht immer offen ausleben, ich weiß du magst ihn nicht..", er versuchte es so vorsichtig wie möglich auszudrücken. Sie atmete einfach nur laut aus und schüttelte den Kopf. Sie sagte nichts und Harry auch nicht mehr.

Nachdem Harry gegangen war, ging sie unter die Dusche, sie versuchte die Gedanken an diesen schrecklichen Nachmittag, der so schön angefangen hatte, einfach nur zu verdrängen, zu vergessen. Sie ließ das heiße Wasser über sich laufen, sie zitterte, ihr war vorher gar nicht aufgefallen, dass ihr so kalt war.
Kalt und leer fühlte sie sich, allein.
Sie sank auf die Knie, drehte sich um und setzte sich in die Dusche, lehnte sich an die Wand.
Sie zitterte immer noch, aber nicht mehr vor Kälte, sondern vor Trauer. Sie hielt ihre Hände vor ihr Gesicht, spürte, wie sich heiße Tränen mit dem warmen Wasser vermischten und sich den Weg vorbei an ihren Händen suchten.

Immer mehr Tränen flossen ihr aus den Augen, sie schluchzte heftig auf. Sie ließ alles raus, was sich angestaut hatte, sie schrie die Wut und die Trauer aus sich heraus, hämmerte gegen die Wand und sackte danach erschöpft zusammen, der Tränenstrom versiegte nur langsam.
Sie stellte die Dusche aus, nahm sich ein Handtuch, trockente sich schnell ab und zog sich den Schlafanzug an. Sie ging zum Kamin, starrte in die Flammen, wieder füllten sich ihre Augen mit Tränen, sie schüttelte den Kopf, lief zum Bett und ließ sich reinfallen. Sie kuschelte sich in die warme Decke und schlief vor lauter Erschöpfung sofort ein.

Schlimmstenfalls wird alles GutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt