Kapitel 91: Die Angst von Vampiren

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Harry und George verabschiedeten sich von Hermine, Severus und Lazarus und wollten einige Sachen aus dem Fuchsbau beziehungsweise ihrer Wohnung holen.
Severus entschuldigte sich ebenfalls, er wollte schon einmal die Routen überlegen, damit es später mit McGonagall schneller gehen würde.
Zurück blieben Lazarus, Ginny und Hermine.

Die drei gingen nach oben zu Hermines Räumen, kurz bevor sie eintraten, erschien Roxy an der Tür.
„Roxy soll Miss Ginny Bescheid sagen, dass sie und Mister Potter die Räume in der Nähe von Miss Grangers beziehen können. Roxy kann Sie gerne dahin führen Miss Ginny.", sagte die kleine Elfe und verbeugte sich. Ginny lächelte und nickte.
„Ich komme später wieder, wenn Harry mit den Sachen wieder hier ist.", sagte Ginny gut gelaunt und folgte der Hauselfe über die Gänge.

Hermine und Lazarus gingen in ihre Räume und ließen sich auf die Couch fallen.
„Hier wird es wirklich nie langweilig", sagte Lazarus.
Hermine lachte, „nein... das ist Hogwarts. Hier ist nicht ein einziger Tag normal..."

Im Kamin raschelte das Feuer, der Raum wurde wieder von dem Knacken der Scheitel erfüllt, was Hermine jedes Mal müde werden ließ. Sie versuchte die Müdigkeit wegzuschieben und sah Lazarus an, er saß entspannt auf der Couch, die Augen geschlossen.
„Schläfst du nie?", fragte sie ihn, er hob eine Augenbraue, ließ die Augen aber geschlossen.
„Nein, ich kann nicht schlafen.", sagte er freundlich.
„Bist du nie müde? Bist du nicht an manchen Tagen total kaputt?", fragte sie verständnislos.
„Ich fühle mich oft innerlich ausgelaugt... wie eine Hülle, wie ein leeres Behältnis...", sagte er mit einem bitteren Lächeln auf seinen Lippen.
„Vermisst du es zu schlafen?"
„Ich vermisse es zu träumen... ich hab schon so lange nicht mehr geträumt, dass ich gar nicht mehr weiß, wie es sich anfühlt.", sagte er nachdenklich.
„Kannst du dich noch an deinen letzten Traum erinnern?", fragte sie neugierig und erinnerte sich an ihren letzten Traum mit Lazarus in der Hauptrolle, sie wurde innerlich nervös und rutschte etwas auf der Couch hin und her.
„Es war ein Fiebertraum... der Tag, den du in der Erinnerung gesehen hast. Ich habe von besseren Tagen geträumt, ich war ein kleiner Junge und lief durch die grünen Felder und Wiesen meines Dorfes. Es war ein schöner Traum...", sagte er und lächelte. Sein Lächeln war ansteckend und Hermine konnte sich nicht dagegen wehren und musste mitlächeln.

„Und was war dein letzter Traum?", meinte er grinsend.
„Hast du schon wieder gelauscht?", fragte sie böse.
„Nein. Versprochen!", sagte er. „Aber ich vermute, dass es ein Traum über Severus war, oder nicht?"
Sie schwieg und sah ins Feuer. Sie hätte ihn belügen können, aber im Zweifel könnte er ihre Gedanken ganz einfach überprüfen und ihre Lüge wäre aufgeflogen.
„Nicht...", stellte er fest.
„Nein.", sagte sie bitter. Er schwieg und drehte langsam den Kopf zu ihr und sah sie an.
„Ich hab von dir geträumt.", sagte sie.
„Und was hast du geträumt?", fragte er neugierig.

„Dass du mich beißt und mich in einen Vampir verwandelst... danach hast du mich geküsst und mich in der Ewigkeit willkommen geheißen.", sagte sie und sah ihn an.
Er schluckte, damit hatte er nicht gerechnet.
„Tat es weh?", fragte er mit einem merkwürdigen Unterton in der Stimme.
Sie zog die Brauen zusammen und nickte, sie erinnerte sich an den Schmerz, „es hat so weh getan, dass ich gehofft hatte zu sterben. Als würde ein Feuer jede Zelle in mir mehrfach verbrennen... sowas hab ich noch nie gefühlt. Ich wollte, dass es aufhört und hab die Kraft gerufen, aber du meintest, dass sie mir jetzt auch nicht mehr helfen würde.", sagte sie mit einem angestrengten Blick.

Er stand auf und stellte sich ans Fenster, sah nach draußen auf die Ländereien.
„Das ist merkwürdig.", sagte er nach einer Weile.
„Der Traum?", fragte sie und legte den Kopf schief, ja.. natürlich war er merkwürdig, dachte sie.
„Dass du die Schmerzen genau benennen kannst. Genau so fühlt es sich. Es brennt, es tut so weh, dass du sterben willst und dann wenn du glaubst, du kannst den Schmerz nicht mehr aushalten, ist es vorbei. Als würde dich Etwas oder Jemand auf eine Probe stellen, wie viele Schmerzen du ertragen kannst, bevor die Erlösung kommt."

Sie verstand das alles nicht. War der Traum vielleicht nur eine Vorstellung von den Schmerzen? Hatte sie sich einfach vorgestellt, wie es sich wohl anfühlen würde?
„Es war im Raum der Wünsche. Du sahst erst aus wie Severus, nachdem du mich gebissen hast, bist du du geworden."
„Hermine, ich hoffe du weißt, dass ich dich nie derartig täuschen würde. Ich würde nie Severus' Gestalt annehmen und ich würde dich schon gar nicht beißen.", sagte er ernst, als er sich umdrehte.
„Hast du Angst?", fragte er, als sie nichts sagte. Sie schüttelte den Kopf.
„Nein ich habe keine Angst vor dir.", sagte Hermine.
„Wovor hast du Angst?", fragte er leise.
Sie dachte nach, sie spürte tief in sich nur eine einzige Sache, die ihr Angst machte.
„Ich hab Angst allein zu sein... allein, für mich.", sagte sie leise und er verstand.
„Ich würde dir gerne etwas sagen, um dir die Angst zu nehmen, aber... Ängste sind nicht rational. Mit logischen Argumenten und Versprechungen kann man sie nicht mindern. Deswegen sind sie so gefährlich. Aus Angst und Furcht machen viele Menschen furchtbare Sachen. Sie lähmt oder stürzt die Betroffenen in Raserei und Wahn...", meinte er.
Sie starrte ins Feuer, „und deine?"
„Meine Angst...", er lachte bitter auf, „meine Angst ist... nicht sterben zu können.", sagte er traurig.

„Warum solltest du sterben wollen?", sie sah ihn verunsichert an.
„Ich kann nicht bis an das Ende aller Tage auf dieser Welt wandeln... ich will irgendwann meine Ruhe finden.", sagte er sauer.
„Ich wusste nicht, dass du so empfindest... ich wollte dir nicht zu Nahe treten.", sagte sie entschuldigend.
Er zog die Augenbrauen zusammen und schüttelte den Kopf, „es tut mir leid. Ich bin nicht auf dich sauer und es war nicht meine Absicht, dich so anzufahren. Ich bitte um Verzeihung.", er verbeugte sich.

Hermine stand auf und ging zu ihm. Sie sah ihn an, dann legte sie ihre Arme um seinen Hals und umarmte ihn einfach. Lazarus legte langsam seine Arme um sie.
Es fühlte sich an, als würde der Winter selbst sie in den Arm nehmen, so kalt war er. Sie roch seinen Duft, aber er vernebelte ihre Sinne nicht länger.
Sie drückte ihn fest an sich, sein Kopf lag nah an ihren Locken, er nahm den blumigen Duft wahr und musste lächeln. Hermine war so herzlich, es tat ihm fast weh. Jahrhunderte lang, hatte er so eine Wärme und Güte nicht mehr gespürt.
Sie löste sich und strahlte ihn an, „Ich bin froh, dass du hier bist Lazarus. Uns würde etwas fehlen, wenn es dich nicht gäbe."

Ein Klopfen an der Tür zog Hermines Aufmerksamkeit weg von Lazarus, der einfach nur am Fenster stand und ihr hinterher sah.
Hermine öffnete die Tür und begrüßte Ginny, Harry und George, sie bat sie herein und George ging geradewegs zu Lazarus und unterhielt sich mit ihm.
Sie konnte Gesprächsfetzen auffangen und schüttelte lachend den Kopf.
George und Lazarus verstanden sich auf Anhieb und würden vermutlich das ganze Schloss auf den Kopf stellen befürchtete Hermine.

Schlimmstenfalls wird alles GutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt