Kapitel 174: Einklang (LeseMittwoch)

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Nach gut einer Stunde, tauchte Lazarus wieder in der Tür auf. Hermine hob leicht den Kopf und sah ihn an.
„Magst du ein Bad nehmen?", fragte er freundlich.
„Ja gerne", sagte sie und strahlte ihn an.
Sie setzte sich auf, stellte die Füße auf die Erde und versuchte ihre Kraft in den Unterkörper zu pumpen.
Sie drückte sich vom Bett hoch und verteilte ihr Gewicht auf ihre Beine, Lazarus beobachtete sie ganz genau, um im Zweifelsfall sofort bei ihr zu sein. Sie lief langsam und vorsichtig durch das Schlafzimmer und lächelte ihn stolz an, als sie ohne Hilfe an ihm vorbei lief. Sie ging weiter zum Badezimmer, Lazarus ging vor und öffnete ihr die Tür.

Ein blumiger Duft strömte in ihre Nase, er hatte ihr das Bad bereits eingelassen und einen Blumenbadezusatz eingelassen. Es roch nach Rosen und Lavendel, sie hätte schwören können, das Wasser dampfte leicht lila auf. Sie lächelte ihn an, „Danke!"
„Du kommst allein klar?", fragte er und deutete auf die Wanne, dann auf ihre Kleidung. Sie legte den Kopf schief und schmunzelte.
„Ich kann mich noch gerade so ausziehen... und ich verspreche, ich werde nicht in meiner Badewanne ertrinken.", sagte sie und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Wenn ich dir helfen soll..."
„...Melde ich mich", sagte sie, dann ging sie durch die Tür und verschloss sie von innen.

Hermine setzte sich auf den Rand der Badewanne und zog sich langsam aus, es war recht anstrengend, aber sie wollte es ohne Magie schaffen, ihr Körper fühlte sich an, als hätte sie Muskelkater in jedem einzelnen Muskel.
Sie hatte es nach einige Zeit doch geschafft, sich von ihre Anziehsachen zu befreien und fühlte nun das Wasser in der Badewanne. Es war angenehm heiß und schien ihr eine Wärme wiedergeben zu wollen, die ihr fehlte.
Sie stieg in die Wanne und seufzte entspannt aus, als sie sich an die Wand lehnte, den Kopf auf den Beckenrand ablegte. Sie nahm den Duft des Badezusatzes in sich auf und lächelte zufrieden. Es war genau das, was sie gebraucht hatte.

Wieder drangen Erinnerungsstücke in ihren Geist, sie sah sich mit Severus in der Wanne liegen.
Er umarmte sie, als sie auf ihm lag. Die Erinnerungen raubten ihr nicht länger die Kraft, sie machten sie stark, sie gaben ihr die Zustimmung, ihren Plan zu verfolgen.
Sie lächelte bei den Erinnerungen und strich sich über die Oberarme. Wie sehr sie es genossen hatte, ihn an sich zu spüren. Seine Hände, seine Haut an ihrer Haut. Es war wie ein Himmel auf Erden. Sie wollte ihn mehr als alles andere wieder bei sich haben und ihn spüren, ihn riechen, mit ihm sein.
Sie atmete tief durch und ließ sich tiefer in die Wanne sinken, ließ ihren Kopf unter Wasser tauchen. Sie spürte, wie das Wasser in ihre Ohren drang und alles um sie herum still wurde.
Ein leichter Druck legte sich in ihre Gehörgänge, sie hörte in sich, auf ihren Körper.
Alles war im Einklang.
Es entspannte sie ungemein und sie wusste nicht, wie lange sie so unter Wasser lag, als sich plötzlich zwei kalte starke Hände an ihre Schultern legten und sie ruckartig aus dem Wasser zogen.
Erschrocken holte sie tief Luft und strich sich den Schaum aus den Augen.

„Was machst du?!", fragt Lazarus panisch und musterte ihr Gesicht, strich ihr die Haare aus dem Gesicht.
Sie hustete leicht und versuchte ihren Atem wieder zu beruhigen.
„Was soll das?", fragte sie ihn immer noch hustend.
„Du warst bestimmt fünf Minuten unter Wasser, ich hab deine Gedanken nicht mehr gehört", sagte er besorgt und ließ langsam von ihr ab.
„Ich hab auch an nichts gedacht", sagte sie und sah ihn an.
Er atmete laut aus, ließ sich auf den Boden des Badezimmers nieder und legte seine Arme über seine angewinkelten Knie.
Hermine lehnte sich etwas nach vorne, um über den Wannenrand zu lugen. Sie spürte eine Angst von ihm ausströmen, Panik, Erleichterung.
„Es geht mir gut", sagte sie und wollte ihm seine Angst nehmen. Er nickte, sah auf den Boden. Lazarus strich sich nochmal über das Gesicht und stand dann auf.
„Ich warte draußen.", sagte er kurz und verließ das Badezimmer.
Hermine sah ihm hinterher und lehnte sich zurück, schüttelte leicht den Kopf.

Sie stand auf, nahm sich ein Handtuch, kletterte vorsichtig aus der Wanne und trocknete sich ab. Sie zog sich ihren Pyjama an und kam aus dem Bad, Lazarus saß auf der Couch und las ein Buch, er sah auf, als sie das Wohnzimmer betrat und musterte sie.
„Geht es dir gut?", fragte er leise.
„Ja, alles in Ordnung", sagte sie und lächelte schüchtern.
„Entschuldige... ich wollte dich nicht erschrecken...", meinte er vorsichtig und senkte den Blick.
„Ich weiß...", sagte sie und kam auf ihn zu, setzte sich ebenfalls auf die Couch.
Er sah wieder auf das Buch und las weiter, Hermine machte es sich bequem, nahm eine Decke und zog sie über sich.
„Liest du mir wieder etwas vor?", fragte sie mit leicht schläfriger Stimme.
Lazarus schmunzelte sie an und nickte. Er las mit engelsgleicher Stimme und perfekter Betonung.
Sie verlor sich wieder in seiner Stimme und dämmerte langsam dahin.

Als Lazarus nach einer Weile bemerkte, dass Hermine eingeschlafen war, legte er das Buch zur Seite, nahm sie auf seine Arme und brachte sie ins Schlafzimmer, die Couch war einfach zu unbequem um gemütlich darauf zu schlafen.
Sie bewegte sich leicht an ihm, als er leichtfüßig durch die Wohnung schritt.
Sie nuschelte, „warum bist du so kalt...?", sie zitterte leicht, „Warum bist du so kalt, Severus?"
Lazarus seufzte auf, er legte sie ins Bett, drückte die Decke nah an ihren Körper und versuchte so, ihr die fehlende Wärme wiederzubringen.
Er schüttelte den Schmerz ab, den ihre Worte in ihm auslösten. Er wusste, dass sie immer nur Severus lieben würde, egal wie viele oder wenige Erinnerungen sie hatte.
Lazarus war ein Freund für sie, nichtsdestotrotz liebte er sie und auch das würde sich nie ändern. Er zauberte noch einen Wärmezauber über sie, lächelte leicht, als sie sich weiter in die Decke kuschelte und sich zufrieden auf die Seite drehte.

Er ging zurück ins Wohnzimmer und konzentrierte sich wieder auf das Buch. Er las die ganze Nacht über und wurde erst durch Hermine aus den Gedanken gerissen, die sich während des Lesens in seinem Kopf breit machten. Sie stand in der Tür zum Wohnzimmer und wischte sich den Schlaf aus den Augen, ihre Lippen trugen ein strahlendes Lächeln.
„Guten Morgen", sagte sie fröhlich und aufgeregt, „Hast du die ganze Nacht gelesen?", fragte sie, als sie das Buch in seiner Hand bemerkte.
„Oh.. ja offenbar", sagte er, nahm den Blick von ihr und sah wieder auf das Buch.
„Müsste ich nicht immer so viel schlafen, würde ich das wahrscheinlich auch so machen", sagte sie lachend.
„Wann reisen wir nach Hogwarts?", fragte sie aufgeregt, Lazarus wusste, dass das strahlende Lächeln nicht ihm galt, sondern der Vorstellung wieder zu Severus zu können.
Er lächelte sie an, „du solltest erst etwas frühstücken, dann können wir gehen."

Hermine lief schnell in die Küche, schmierte sich ein Brot und brühte den Kaffee auf. Sie aß es noch im Stehen und schlang hastig den Kaffee hinunter, als er fertig war.
„Du kannst es wohl kaum abwarten", stellte Lazarus lachend fest.
Sie errötete leicht, wischte sich den Mund mit dem Handrücken ab und sah ihn entschuldigend an.
„Ich hatte auch ziemlichen Hunger...", sagte sie zur Verteidigung, nahm das Messer und schmierte sich ein zweites Brot.
Lazarus blickte sie erstaunt an. Auch das zweite Brot schlang sie schnell herunter, danach wieder einen großen Schluck Kaffee. Sie lachte leicht, als sie seinen Blick sah und zuckte mit einem entschuldigenden Blick mit den Schultern.
„Ich bin sofort so weit, ich muss mich nur kurz frisch machen", sagte sie, nachdem sie die Kaffeetasse in die Spüle gestellte hatte und lief eilig ins Bad.

Nach einer kurzen Zeit kam sie wieder, sie war komplett angezogen, sie sah frisch und erholt aus, die Wangen leicht rosa, die Augen mit einem aufgeregten Glitzern versehen, die Haare hatte sie magisch geglättet.
Sie lächelte so herzlich, dass sie jedes Eis hätte schmelzen können.
Vermutlich sogar das, aus Dumbledores Augen. Sie sah fantastisch aus.

Schlimmstenfalls wird alles GutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt