Die feste Mauer formte sich zu einer kleinen von der Zeit gezeichneten dunkelbraunen Holztür, sie öffnete diese und trat in den Raum hinein.
Das Licht, welches durch große seitliche Fenster einfiel, war milchig weiß, wie von einem Mond, ansonsten war der Raum nicht sonderlich beleuchtet.
Es schien, dass die Fenster geöffnet waren, ein süßlicher-blumiger Duft drang in Hermines Nase und die seichten Vorhänge bewegten sich leicht im eindringen Wind. Sie ging einen Schritt weiter rein und die Tür schloss sich hinter ihr.
Vorsichtig ging Hermine weiter in den Raum, ihre Augen gewöhnten sich langsam an die umarmende Dunkelheit. Sie ging weiter in den Raum, sah sich um. Diese merkwürdigen Gegenstände, davon hatte sie noch nie welche gesehen. Der Raum der Wünsche war offenbar immer für eine Überraschung gut.
Sie legte sachte ihre Finger auf eine Art gläserne Phiole mit merkwürdigen Verzierungen, sie wischte leicht den Staub von dem Behältnis und erkannte eine silberne, leuchtende Flüssigkeit. Es sah aus wie eine Erinnerung.
Sie zog skeptisch ihre Augenbrauen zusammen und blickte weiter herum, ging zu den geöffneten Fenstern.
Es war augenscheinlich Mitternacht, der Mond stand hoch am schwarzen Firmament und tauchte alles in silber-weißes Licht, die Berge von Hogwarts sahen aus als wären sie von einem Seidentuch umhüllt.
Sie lehnte sich gegen den Fensterrahmen und schloss ihre Augen für einen kurzen Moment. Es war alles so ruhig und friedlich.
Hermine öffnete die Augen und starrte zum Mond, so einen Mond hatte sie noch nie gesehen. So hell und zum Greifen nah. Sie verlor sich in seinem Schein, es fühlte sich an, als würde das Licht sie in seinen Bann ziehen.
Sie bemerkte nicht die Gestalt, die aus der anderen Ecke des Raumes in ihre Richtung kam. Hermine bemerkte gar nichts, nicht mal, dass ihre Haut im Mondlicht anfing zu Funkeln wie ein Diamant.
Ihre Augen waren nicht mehr das Rehbraun, sondern ein leuchtendes, strahlendes Amber. Sie strahlte eine Kraft und Schönheit aus, ihre Haare bewegten sich wellenförmig, als würde sie im Wasser schweben, zwischen ihren Fingern tanzten kleine Blitze.
Sie nahm ihre Umwelt wahr, sie fühlte ihre Umwelt. Jedes noch so kleine Geräusch fand einen Weg in ihr Ohr, jede kleine Bewegung wurde von ihren Augen erfasst, jeder noch so weit entfernte Geruch drang in ihre Nase.
Sie konnte den Wind flüstern hören, die Freiheit schmecken. Sie sah zum Mond hinauf und sah die einzelnen Lichtstrahlen, die er auf die Erde zurückwarf. Sie konnte alles, einfach alles sehen, hören und fühlen.
Als sie so dastand, in einer unnatürlichen Form und nicht mehr wie Hermine aussah und auch nicht Hermine war, bemerkte sie nah hinter sich im Raum ein anderes Lebewesen, sie neigte den Kopf leicht zur rechten Seite und versuchte zu erkennen wer es war, ohne hinzuschauen.
Sie hörte den Herzschlag, stark und regelmäßig, sie roch Kräuter und Gewächse, Pergament-Rollen, Tinte, Federn, Tränke... sie hörte den Stoff auf dem Boden rascheln.
Langsam drehte sie sich um, wandte das Gesicht vom Mond ab. Ihre Augen glühten immer noch bernstein-farben auf. Ihre Haut war hell, aber glitzerte nicht mehr im Schatten.
Sie sah ihr Gegenüber an. Sie konnte von da wo sie stand jede Falte, jede Pore, jede Haarsträhne erkennen.
Sie sah in die dunklen Augen von Professor Snape, aber sie erkannte ihn nicht, sie wusste nicht wer er war. Es schien eine Vertrautheit zwischen ihnen zu herrschen, aber sie wusste nicht warum.
Was war das nur für ein seltsamer Raum und was passierte mit ihr? Sie fühlte, dass er irritiert war, dass die Gedanken rasend schnell in seinem Hirn hin und her wanderten. Sie las es in seinen Augen.
Diese dunklen Augen, die das genaue Gegenteil von dem hellen Mond waren, in den sie gerade geblickt hatte. Sie ging ihm einen Schritt entgegen, um besser in seine Augen schauen zu können, die ihren glühten immer noch.
Sie starrte in das Dunkle, verlor sich in ihnen und tauchte wieder daraus auf.
„Wer sind wir", fragte sie in einer kristallklaren aber sehr weichen Stimme, sie war samtig aber voller Kraft und Energie. Nichts erinnerte mehr an Hermine Granger; das war nicht mehr Hermine Granger.
Er gab ihr keine Antwort, er wusste nicht was hier geschah. Er stand einfach da und schaute sie an. Sie ging noch einen Schritt auf ihn zu, „Wer sind wir?", sie musterte mit ihren Augen sein Gesicht.
„Sie sind Hermine Granger. Ich bin Severus Snape.", sie lauschte seiner dunklen sonoren Stimme, welche tief in ihren Körper drang. Sie wiederholte die Worte, „Hermine Granger, Severus Snape". Er ging nun seinerseits einen Schritt auf sie zu.
„Kommen Sie zurück Miss Granger", sagte er sanft. Hermine sah ihn an, „zurückkommen."
Sie schloss die Augen, sie fühlte seine Wärme auch wenn er noch einige Schritte entfernt war, sie erkannte den Geruch, die Stimme.
Sie erkannte sich. Was war gerade passiert? Sie öffnete ihre Augen, die nun wieder das sanfte Rehbraun annahmen und blickte geradewegs in das Gesicht von Severus Snape der in der Zeit noch einen Schritt näher gekommen war. Er blickte sie prüfend an und hob eine Augenbraue, „geht es Ihnen gut?" erkundigte er sich.
Hermine wurde durch die sonore Stimme aus ihren Gedanken gerissen, „Professor Snape, ich, es tut mir leid"
„-was haben Sie gesehen?", unterbrach Snape sie. Hermine wusste nicht wo ihr der Kopf stand.
„Ich also, ich habe alles gesehen, alles was Sie wohl auch hier sehen... aber es war anders. Ich kann es nicht beschreiben, ich hatte das Gefühl, die Sache selbst zu sein. Ich habe mich nicht wie ich gefühlt, ich war... mehr.", ja das war eine passende Beschreibung.
Sie hatte noch nie so viel gefühlt wie in diesem Moment und sie hatte sich noch nie so stark gefühlt. Anders als erwartet schwächte sie der Zustand nicht, er hatte keinerlei Auswirkungen auf sie, außer, dass sie jetzt wieder sie selbst war. Hermine.
Sie zog wieder ihre Augenbrauen zusammen und überlegte, sie wusste nicht ob ihr das Angst machte oder nicht.
„Was machen Sie hier Professor?" wollte Hermine wissen und sich damit von der merkwürdigen Situation ablenken.
„Ich arbeite hier und Sie helfen mir. Bei dem Projekt wie McGonagall es so freundlich beschrieben hatte.", schnaubte Snape und drehte sich um, mit einer Handbewegung deutete er Hermine ihm zu folgen. Hermine hatte sich schon gedacht, dass er ihr hochgelobter Projektpartner sein würde.
Hätte McGonagall es ihr schon vorher erzählt, hätte sie wohl abgelehnt, das wusste die alte Hexe auch. Hermine ohrfeigte sich innerlich für ihre Naivität, aber folgte ihrem ehemaligen Zaubertränke Professor.
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Schlimmstenfalls wird alles Gut
Fanfic7 Jahre nach Ende des Krieges- Hermine, Ron und Harry arbeiten im Ministerium. Ron und Harry sind gefragte Auroren, Hermine hat ein Studium in Zaubertränke und Arithmantik abgeschlossen. Ihr Leben verläuft ruhig bis zu dem Tag, an dem sie vom Minis...
