Kapitel 55: Vision

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„Miss Granger ich rede mit Ihnen", er sah sie noch genauso an und wartete.
„Entschuldigen Sie Professor Snape", hauchte sie ihm entgegen und sah ihn unter ihren langen Wimpern hervor an, sie versank in seinen schwarzen Augen und wurde unsanft wieder zurückgeholt, als Severus hart mit der flachen Hand auf die Tischplatte schlug und sie erschrak, „konzentrieren Sie sich!", presste er hervor, „sonst sprengen Sie uns alle noch in die Luft", sagte er jetzt lauter und Hermine hörte ein Rascheln und ein Flüstern, sie löste den Blick von Severus und sah sich um.

Ihre Augen weiteten sich, sie saß in seinem Unterricht und neben ihr saßen Ron, Harry, Neville und in der hinteren Ecke tuschelten Malfoy und seine Freunde.
Sie sah an sich herunter und erschrak noch mehr, denn sie hatte ihre Schuluniform an. Sie saß doch gerade noch in ihrer Küche mit Severus und er hatte sich zu ihr runtergebeugt. Sie war keine Schülerin mehr.

„Mine alles ok?", flüsterte Ron und lehnte sich zu Hermine, die ihn ansah, wie einen Außerirdischen.
„Mr. Weasley! Säuseln Sie außerhalb meines Unterrichts Miss-Neun-Mal-Klug voll. Wenn ich noch ein Wort von Ihnen beiden höre, werden Sie die ganze Nacht diese Räume schrubben... mit Ihren Zahnbürsten. Habe ich mich klar genug ausgedrückt?"
Ron war kreidebleich geworden und nur noch zu einem Nicken imstande. Hermine konnte sich überhaupt nicht mehr bewegen, was passierte hier grade?
„MISS GRANGER", polterte es wieder von Severus, „hat es Ihnen etwa die Sprache verschlagen oder stehen Sie unter einem Fluch, der Ihnen verbietet zu sprechen? Wenn Lehrkörper das doch nur auf ihren Schülern anwenden könnten, dann wäre der Unterricht um einiges angenehmer mit Ihnen...", kam es nun wieder spöttisch von ihm, sein Sarkasmus stach ihr ins Herz und ihre Augen füllten sich mit Tränen und liefen ihr über ihr Gesicht.

Er sog angewidert die Luft ein, „sind wir heute wieder so sentimental? Glauben Sie Ihre Krokodilstränen interessieren mich? Wenn auch nur eine Träne auf die Zutaten tropft und diese ruiniert, dann kriegen Sie solange Strafarbeiten aufgebrummt, dass Sie sich wünschen werden, niemals diesen Raum betreten zu haben.", spie er ihr entgegen und drehte sich auf dem Absatz um, um davon zu rauschen.
„Aufhören...", flüsterte Hermine, er blieb stehen und drehte sich ruckartig rum, „wie war das?", fragte er süffisant.
„Sie sollen aufhören", schluchzte sie schwach.
„Warum?", er lächelte böse.
„Weil es gemein ist... bitte.", sagte sie, die Tränen rannen ihr immer weiter über die Wangen. Sie sah ihn an, er blickte ihr entgegen.
„Ich werde das jetzt einmal, ganz langsam, für alle Anwesenden sagen. Falls Sie es immer noch nicht verstanden haben, Miss Granger, Sie interessieren mich nicht. Ihr Seelenheil..., interessiert mich nicht. Es ist mir ganz egal, ob Sie meine Worte verletzen und soll ich Ihnen noch etwas verraten... selbst Potter und Longbottom stehen vor Ihnen auf meiner Sympathieliste. Sie sind für mich ein Nichts. Kam das jetzt bei Ihnen an?"
Hermine weinte immer heftiger und irgendwann überkam sie die blinde Wut und sie ohrfeigte Severus, der immer noch vor ihr stand mit einer Wucht, die sie selbst überraschte.

„Autsch! Wofür war das denn??", Severus hielt sich die Wange, die ziemlich rot, heiß und geschwollen aussah.
Hermine sah ihn an, dann sah sie sich um und erkannte, dass sie wieder in ihrer Küche war, ohne Harry, Ron, Neville und die Slytherins, sie trug ihr T-Shirt und keine Schuluniform, Severus trug sein Hemd und nicht seine Robe. Er sah sie geschockt an, er war aufgestanden, als Hermine nicht auf seine Ansprache reagiert hatte und wollte gucken, ob sie in Ordnung war.
Sie fing an zu weinen und Severus fühlte sich mehr und mehr hilflos. Er wusste nicht, wie er sie erreichen sollte und vor allem wusste er nicht, was sie sah. Er wollte nicht wieder in ihren Kopf eindringen, er hatte Angst, dass er ihr schaden würde.

Hermine zitterte und verfiel in einen Weinkrampf, Severus schob die Wut und die Verwirrung beiseite und versuchte Hermine zu beruhigen, er legte seine Hände auf ihre Schultern, aber sie zuckte so heftig zusammen und schluchzte noch mehr auf, dass er keinen zweiten Versuch startete. Er versuchte mit seiner Stimme zu ihr zu dringen.
„Hermine, Hermine ich bin es, Severus. Bitte beruhige dich. Es ist alles gut, du bist in Sicherheit.", versuchte er es, auch das half nichts.
Er erinnerte sich an eine Melodie die Hagrid vor vielen Jahren auf einer Flöte gespielt hatte, er glaubte sich zu erinnern, dass ein Drachen-Ei etwas damit zu tun hatte. Innerlich schüttelte er den Kopf.
Er summte dunkel das Lied nach und langsam fing Hermine an sich zu beruhigen.
Das Schluchzen wurde leise und das Zittern weniger. Hermine kam langsam wieder zu sich und strich sich die Tränenspuren aus dem Gesicht und lächelte matt, „das Lied war für Norbert. Hagrid war so begeistert, dass er ein Drachen-Ei bekommen hat und hat es rund um die Uhr gespielt...", meinte sie und lachte leicht.
Dann aber legte sich wieder etwas Trauriges über ihren Blick, Severus versuchte ihren Blick zu fangen und als es ihm gelang sagte sie, „das war unser erstes Jahr in Hogwarts. Da war alles noch so neu und wir wussten nicht was uns erwartet."
Severus konnte sie verstehen, er nickte leicht und versuchte sie mit seinem Lächeln aufzubauen, „was ist passiert Hermine? Warum hast du mich geschlagen?", fragte er sanft.

Schlimmstenfalls wird alles GutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt