Kapitel 150: Dunkelheit

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Remus und Tonks waren die ersten die langsam wieder ihren Verstand fanden. Remus ging zu Severus und Hermine, half den beiden aufzustehen, er sah sie an, tauchte in die aufgewühlten Meere ihrer Augen ein und befreite sie, weiß Merlin wie, von den Fesseln der Trauer, die sie am Grund festgehalten hatten.

Tonks half den Zwillingen aufzustehen, sie gingen zu Molly und Ron und gaben sich gegenseitig Trost und Kraft um weiterzumachen. McGonagall ging zu Dumbledore, legte ihre Hand auf seinen Arm, über ihnen hörten sie Fawkes der einen entsetzlichen Trauerschrei ausstieß, was Dumbledore aus seiner Starre erlöste.

Seine Augen glühten Eisblau auf, die Eiskristalle um seine Iris stürmten und tobten, wie der Wind, der um die Mauern peitschte.
Er ging energisch zu der Brücke, Hermine folgte ihm, Severus kam langsam hinterher.
„Albus was hast du vor?", fragte Severus nervös.
Er schwieg und gab keine Antwort. Mit einem Ruck blieb er stehen, die Energie, die ihn durchströmte war so stark, dass sie fast sichtbar war.
Die Luft um ihn herum flackerte leicht und verschlierte. Er fixierte den Obscurus, den Nebel, die wabernden Wolken, die sich immer wieder auf den Schutzschild stürzten, aber nicht durchkamen.

Hermine sah zu Severus zurück, dessen Blick genau das aussagte, was Hermine dachte. Unglaube und Angst schob sich in die Gesichter und Gedanken, der schwarze Nebel des Obscurus wurde durch Dumbledores Blick langsam eingefroren.
Immer langsamer walzte er sich über die Landschaft, sie konnten die Schwärze sich festigen sehen, Eiskristalle legte sich um den Nebel, welcher nachher aussah, wie in der Luft schwebendes, schwarzes, gefrorenes Wasser.

Sie hörten dumpfe Geräusche, es erinnerte Hermine an ein großes Schiff, welches sich durch eine unnachgiebige Eisschicht schob, dann hörten sie alles umhüllende Schreie, die von den Mauern des Schlosses widerhallten.
„DUMBLEDORE", hörten sie eine unnatürlich tiefe Stimme schreien. Sie erschraken bei der plötzlichen Lautstärke, die sich in ihre Ohren brannte.

Dumbledore antwortete nicht, er hob die Hand und nach einer kurzen Weile konnten sie das Eis zerspringen hören, weitere Schreie drangen an ihre Ohren. Der schwarze eingefrorene Nebel rieselte von verschiedenen Seiten in kleinen Kristallen zu Boden und blieb liegen.

„Albus...", sagte Severus, als er sich ihm langsam näherte, „du tötest ihn."
Immer mehr Schreie und immer mehr Kristalle rieselten zu Boden, hinterließen aufgerissene Löcher in dem Nebel.
Dumbledore ließ ihn los und der Obscurus zog sich zusammen, bis vor ihnen ein junger Zauberer stand, hier und da fehlte ein Stück Haut an seinem Körper, es sah aus, als wären die Stellen eingefroren gewesen, kleine Eiskristalle hatten sich auf die Wundränder gelegt und versiegelten damit den Blutstrom, vermutlich waren es die Stücke, die aus der Wolke vereist wurden und auf den Boden rieselten.

„Dumbledore", spie der Junge mit den aschblonden Haaren ihm entgegen, seine Augen waren von roten und schwarzen Schatten umrandet, er sah ungesund aus. Hermine spürte eine gewaltige Macht in ihm und vor allem Schmerz.
„Achatius... halte ein mit diesem Wahnsinn!", sagte Dumbledore laut, seine Stimme war ein Dröhnen, wie eine Lawine in den Bergen.

„Wahnsinn", lachte der Jugendliche hämisch. „So wird alles genannt, was nicht eurer rosaroten Vorstellung entspricht.", meinte er abfällig, „Wahnsinn ist es, wenn ein kleiner Junge von seinem Vater getrennt wird und dieser nicht mehr zaubern darf, weil ‚böses Blut' durch seine Adern fließt."
„Dir wurde viel Leid angetan, das spüre ich, aber das was du hier machst, wird dir nicht helfen. Es wird dir die verlorene Zeit nicht zurückbringen, nicht deine Schuld nehmen...", sagte Dumbledore.
„Ich will nicht, dass irgendetwas von mir genommen wird.", sagte er laut lachend, „Ich will, dass ihr genauso leidet wie ich.", seine Worte waren kalt und voller Hass.
„Ich warne dich ein letztes Mal, Achatius. Lass uns dir helfen.", sagte Dumbledore mit einer Mischung aus Mitleid und Strenge.

„Mir kann niemand helfen", sagte Achatius leise, aber Dumbledore und Hermine hörten ihn.
Dann löste sich der Junge wieder in die dunklen Wolken auf und stürmte auf den Schild los, er vergrößerte sich in einem ungeahnten Ausmaß, sodass er das ganze Schloss bedeckte.
Kein Lichtstrahl drang mehr durch die Wolken. Hogwarts lag unter einer schwarzen Wolkenschicht, die jedes Licht nahm und damit jede Hoffnung.

„Ich weiß, wo wir hin müssen", sagte Dumbledore, er war in die Gedanken des Jungen eingedrungen und erspürte den Punkt in seinem Leben, an dem er den falschen Weg gewählt hatte.
„Abraxas", flüsterte Hermine und das geflügelte Pferd erschien in der nächsten Sekunde neben ihr und Dumbledore, er strahlte so sehr, dass Severus geblendet wurde und am Boden Halt suchte.
Ein Licht in der Dunkelheit.

Severus hielt sich die Hand vor Augen, Hermine und Dumbledore stiegen auf den Rücken des Pferdes, als Severus erkannte, dass Hermine ohne ihn reisen wollte stand er hastig auf.
„Es tut mir leid Severus, aber ich werde ohne dich gehen.", sagte Hermine mit kristallklarer Stimme, die immer noch gefüllt von Trauer und Unglaube war.
„Nein", hauchte er, wollte zu ihr laufen, als eine starke Windböe ihn zurückschob. Er musste mit ganzer Kraft dagegen anlaufen, um nicht zurückgeworfen zu werden.
„Nein!", brüllte er laut gegen den Wind, der seine Stimme verschluckte.

Abraxas Licht wurde heller und blendender, seine Strahlen erreichten einzelne Personen im Innenhof, die die ganze Situation fassungslos beobachtet hatte.
Remus wurde als erster von dem Lichtstrahl erfasst, Tonks sah ihn perplex an. Er löste sich langsam auf.
„REMUS", schrie Tonks auf, dann wurde sie auch vom Licht erfasst und ihre Stimme verlor sich in einem Echo.
Die Lehrer und Auroren starrten an die Stellen, wo noch eben Remus und Tonks gestanden hatten, dann schrie George auf, als Fred ebenfalls von dem Licht eingesogen wurde.
„Fred nein!", schrie George und Ron musste ihn zurückhalten, damit er sich nicht in den Lichtstrahl stürzte. Ein Lächeln legte sich auf Freds Gesicht, dann war er verschwunden. Auch Lazarus Leiche wurde von dem Licht erfasst.

Die Runde wurde von einem Schock in den nächsten geworfen und hatte keine Zeit durchzuatmen.

„Severus, geh", sagte Hermine, ihre Stimme war ebenfalls nur ein Echo in seinen Ohren. Severus dachte nicht daran jetzt aufzugeben, mit letzter Kraft schob er sich nah an die Lichtquelle, konnte einen starken Flügel ausmachen und krallte sich an ihm fest.

Dann war das Licht verschwunden und Hermine und Dumbledore mit ihm.
Hogwarts wurde von der Dunkelheit verschluckt.

Schlimmstenfalls wird alles GutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt