Kapitel 114: Vermischte Realitäten

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Sie hatte wirre Träume, sie spürte weiter einen reißenden Schmerz in ihrem Hals und fasste an ihn, als sie sich ihre Finger besah, konnte sie Blut an ihnen sehen.
Sie sah sich um, es war eindeutig ein Wald, in dem sie stand, sie sah sich weiter um, diesen Wald kannte sie nicht, es war nicht der Verbotene Wald und nicht der Forest of Dean, in dem sie oft mit ihren Eltern war.
Plötzlich hörte sie lautes Geschrei, es klang wie von einem Tier.
Sie lief schnell zu der Stelle und sah einen großen Wildschweineber auf dem Boden liegen, über ihn gebeugt saß eine Kreatur, das Gesicht nah an dem Tier. Sie hörte Schmatz-Geräusche und etwas wie Saugen.
Sie sah sich die Kreatur genauer an und erkannte, dass es Lazarus war, der gerade seinen Durst an dem Eber stillte, die Zähne in der Halsschlagader des Tiers.

„Lazarus", flüsterte sie erschrocken und mit einem plötzlichen Ruck, drehte sich der Angesprochene um. Die Augen von Raserei umschattet, der lila Ring um die Iris glühte, das Gesicht blutverschmiert, der Mund leicht geöffnet wodurch die spitzen Fangzähne zum Vorschein kamen. Von ihnen tropfte das Blut.
„Hermine?", meinte er leise und offensichtlich verwirrt, „was machst du hier?", er musterte sie, als er ihren Hals sah, weiteten sich seine Augen.
Er ließ vom Eber ab, strich sich mit dem Unterarm über den Mund und damit das Blut ab, ging auf Hermine zu und begutachtete die Wunde. Er sah ihr ungläubig ins Gesicht, strich sanft über die Kratzspuren und schluckte.
Die Kälte seiner Finger war unglaublich beruhigend für die geschundene Haut und Hermine schloss die Augen, es war wie Balsam.

„Hat Remus das getan?", fragte er und sein Blick trug tiefe Trauer.
„Nicht absichtlich. Sein Wolfsbanntrank wirkt nicht mehr richtig... er war in der Heulenden Hütte und ich bin zu ihm gegangen.", sagte sie mit einem entschuldigenden Lächeln.
„Warum bringst du dich immer wieder in Gefahr?", fragte er, wie auch schon Remus zuvor.
„Es liegt wohl in meiner Natur...", sagte sie und dachte daran, wie merkwürdig dieser Traum war. Er fühlte sich so real an.
Er sah sie einfach nur anklagend an, schüttelte traurig den Kopf.
„Bitte komm zurück Lazarus.", sie nahm seine Hand und drückte sie, „Du fehlst hier."
Lazarus wandte sich ab, er sah auf den Eber, dann wieder zu Hermine, sie lächelte ihn an.

Sie spürte plötzlich einen Schlag in ihrem Gesicht und schreckte hoch, war wieder im Hier und Jetzt und sah verdattert in die Gesichter von Dumbledore und Remus. Sie hielt sich ihre Wange und verengte die Augen.
„Musste das sein?", fragte sie böse.
„Du warst irgendwie nicht bei uns", meinte Remus und sah sie entschuldigend an, Dumbledore nickte.
„Geht es dir besser Remus?", fragte sie und sah ihn an, er wirkte gefasster, ruhiger, strahlte nicht mehr diese Hitze aus.
Remus seufzte genervt und stand auf, entfernte sich von ihr und stellte sich ans Fenster.
Hermine sah ihm verwirrt hinterher, versucht ebenfalls aufzustehen, Dumbledore half ihr dabei.

„Viel wichtiger ist die Frage, wie es dir geht, Hermine?", fragte Albus und setzte sie auf einen reparierten Stuhl.
Sie winkte ab, „halb so wild."
Remus schnaubte auf, er drehte sich um und sah sie an.
„Was ist denn?", fragte Hermine ihn, sie verstand einfach nicht, warum er sauer war.
„Du hast dich mutwillig in Gefahr gebracht, ich hab dich gekratzt und das erste, was du wissen willst, ist, ob es mir gut geht. Mir... der dich verletzt hat.", seine Stimme war laut und zornig.
„Ich mache mir Sorgen um dich", sagte sie mit einem traurigen Blick.
„Remus, dass sie hier war, war auch mein Fehler. Ich habe ihr gesagt, wo du dich aufhältst...", sagte Dumbledore und sah zu ihm.
„Warum?!", wollte er aufgebracht wissen.
„Ich dachte, sie könnte dein Gemüt ein wenig besänftigen... ich wusste ja nicht, dass du deine Kraft nicht einsetzt, Hermine...", sagte er und drehte sich wieder zu ihr.
„Es ist doch nichts passiert mein Hals-", sie strich sich darüber und spürte fast nichts. Die Haut war verheilt, sie sah kein Blut, es war nicht heiß, „-tut gar nicht mehr weh."
„Fawkes hat seine Tränen auf deine Wunde getropft", meinte Dumbledore und ging zu dem großen Vogel, strich ihm liebevoll über das Gefieder.
„Vielleicht muss Severus in den Wolfsbanntrank auch die Tränen einfügen", dachte Hermine laut nach, „aber dann wird die Wirkung der Blutegel vermutlich aufgehoben", sie überlegte und lief aufgeregt hin und her.

Albus und Remus sahen sie gleichermaßen überrascht an, sie folgten ihrem Weg, der von einer Wand des Raumes zur anderen führte. Nach einigen Minuten unterbrach Dumbledore Hermines Gedankengänge, „wir sollten zurück zum Schloss. Severus Unterricht ist bald zu Ende."
„Er wird mich umbringen...", sagte Remus trocken und hielt sich die Hände vor sein Gesicht.
„Er wird nichts machen, es war wieder einmal meine eigene Entscheidung...", sagte sie und wollte ihn mit diesen Worten aufmuntern, was nicht recht klappte.
„Er wird die Kratzspuren sowieso sehen, es sind zwar nur noch leichte Striemen aber... er ist... sehr aufmerksam", meinte Dumbledore und überlegte.
„Es nützt ja alles nichts.", meinte Hermine und ging zu Albus, Remus tat es ihr gleich.
Dumbledore legte seine Hände an ihre Schultern und kurz danach waren sie verschwunden, der Phönix erhob sich und flog durch das Fenster, er drehte einige Runden über den Verbotenen Wald, bevor er wieder in Richtung Schloss flog.

Dumbledore brachte sie in sein Büro, bot ihnen jeweils einen Stuhl vor dem Schreibtisch an.
„Ihr könnt hier warten, ich werde Severus eben holen.", sagte Dumbledore und ehe einer der beiden etwas dagegen sagen konnte, war er bereits verschwunden.
Hermine sah traurig zu Remus, er spürte ihren Blick und sah sie an.
„Ich wollte nicht so sauer sein und dich so anschnauzen, entschuldige.", sagte Remus leise.
„Schon gut", meinte Hermine leise und sah wieder weg.
„Hör zu, wir wissen beide, dass Albus jetzt nur gegangen ist, damit wir uns aussprechen, also machen wir das jetzt auch, sonst kommt er erst in 2 Stunden wieder...", er verdrehte die Augen, „du weißt, dass ich beim Thema Werwolf sehr empfindlich bin, wenn sich dann noch jemand extra in Gefahr begibt, dann... Ich bin ja froh, dass Tonks mit Teddy zu ihrer Mutter gereist ist... ich könnte es mir nie verzeihen, wenn ich dich ernsthaft verletzt hätte. Das jetzt ist schon schlimm genug...", er legte ihr eine Hand auf die Schulter, sah auf ihren Hals.
Hermine sah zu Boden, sie wusste, dass es sehr unüberlegt war, sie hatte ihn fast dazu gebracht, sie zu verletzen, er hätte sich immer weiter Vorwürfe gemacht, weil sie so leichtfertig gewesen war.

„Es tut mir leid, Remus.", sagte sie leise.
Er zog sie zu sich in die Arme und drückte sie.
„Bitte mach das nicht mehr, in Ordnung?", wollte er wissen.
Sie nickte an seiner Brust. Dann strich er ihr noch einmal über die Locken und löste sich von ihr, beugte sich leicht runter und lächelte sie an.
Zeitgleich kamen Albus und Severus in dem Büro an.
Remus sah zu Hermine und ließ die Augenbrauen kurz in die Höhe schnellen. Hermine erwiderte den Blick und zog eine Augenbraue nach oben.

Schlimmstenfalls wird alles GutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt