Kapitel 41: Aussprache die 2.

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Die Tür zum Krankenflügel ging auf und Poppy trat ein, „da bist du ja Poppy", meinte Severus, Hermine setzte sich leicht auf und sah zu der Medihexe, die unentwegt zwischen Hermine und Severus hin und her sah, sie konnte ihren Augen nicht trauen, hatte sich Hermine Granger gerade an Severus Snapes Schulter gelehnt? Sie schüttelte den Kopf und ging zu Severus ans Bett.
„Wie ich sehe, geht es dir schon sehr viel besser", sagte sie mit einem leichtem Unterton.
Severus zog die Augen leicht zu Schlitzen zusammen, es gefiel ihm gar nicht, wenn jemand etwas unterschwellig mitschwingen ließ, „ja... in der Tat."
Poppy wandte sich seinem Bein zu, sie nahm die leichte Decke herunter, die über ihn gelegt war, seine Hose war bis zur Hüfte an der Außenseite aufgeschnitten, Poppy nahm den magischen Verband ab und Hermine hielt sich die Hand vor den Mund, Severus musterte sie, versuchte dann auch einen Blick auf sein Bein zu erhaschen.

Es sah furchtbar aus, der Fluch hatte ganze Arbeit geleistet, es war vollkommen vernarbt, vom Knie über den ganzen Oberschenkel bis zur Hüfte, zog sich eine lange, tiefe Narbe.
Sie war rot, das Fleisch um die Narbe ebenfalls, mit leichten blauen Linien an beiden Seiten der Narbe.
Madame Pomfrey versorgt sein Bein mit Salbe, er zuckte bei jeder Berührung auf. Es brannte wie Feuer. Hermine sah verzweifelt zu ihm, auf sein schmerzverzerrtes Gesicht. Sie nahm seine Hand und drückte sie fest.

Severus sah zu Hermine, er versuchte den Schmerz in seinem Bein auszublenden und verlor sich in ihren Augen. Nicht lange danach, war Madame Pomfrey fertig, sie gab Hermine den Tiegel mit der Salbe.
„Der Verband muss morgens und abends gewechselt werden, ich zeige dir wie."
Poppy zeigte Hermine, wie sie sein Bein verbinden musste und Hermine hörte aufmerksam zu, merkte sich alles genau, Poppy ging automatisch davon aus, dass Hermine sich um Severus kümmern würde, tat sie es doch schon davor.

Die beiden Frauen halfen Severus auf und als er vom Bett aufstand, sackte er sofort ein, das Bein konnte ihn nicht tragen und er knurrte auf vor Schmerzen, presste die Kiefer aufeinander und setzte sich wieder auf das Bett.
„Das habe ich vermutet", sagte Poppy gedankenverloren, „der Fluch hat fast deine gesamte Muskulatur zerstört in dem Bein.", sie ging wieder zu ihrem Regal und holte einige Tränke zusätzlich heraus.
„Die musst du auch noch nehmen, sie werden die Muskeln langsam wiederherstellen", Severus verzog das Gesicht. Hermine nahm die Tränke von Poppy entgegen und verstaute sie in ihrer Hosentasche, nickte Poppy zu. Poppy zauberte einen Stützverband um sein Bein, damit er wenigstens humpelnd vorankam.
Es gefiel Severus gar nicht, dass er weniger agil war, als sonst. Mit der Hilfe der Frauen stand er erneut auf und versuchte sein Bein zu belasten, es tat immer noch weh, aber es war wenigstens stabil genug, um sich kurz drauf zu stellen.
Langsam verließen Severus und Hermine den Krankenflügel, Poppy sah ihnen hinterher und schüttelte nur den Kopf.

Severus ging langsam durch die Gänge, es strengte ihn ungemein an, wollte aber nicht, dass Hermine es sah. Er biss die Zähne zusammen und die Wut über diesen Jungen stieg ins Unermessliche.
Hermine ging dicht hinter ihm, sie hatte Angst, sein Bein würde ihn nicht tragen und wäre sofort zur Stelle, um ihn zu stützen. Nach einer Weile kamen sie an ihren Räumen an und Hermine ging vor, sie öffnete die Tür und ließ Severus herein.
„Sie sollten sich schonen, Sir", sagte sie besorgt. Severus gab nur ein Knurren von sich. Sie schloss die Tür und er humpelte zur Couch. Es fiel ihm schwer sich hinsetzen, da sein verwundetes Bein sich durch den Stützverband nicht beugen ließ. Er ließ sich unsanft in die Couch fallen und unterdrückte den Schmerz. Hermine sah ihm zu, sie wusste nicht, was sie machen sollte.
„Möchten Sie etwas essen, Sir?", fragte sie.
„Nein.", gab er unfreundlich zurück. Seine Miene war unergründlich.

Sie setzte sich neben Severus auf die Couch und blickte wie er, stur nach vorn. Sie zauberte zwei Gläser und hielt ihm eins davon hin.
„Was soll ich mit einem leeren Glas?", fragte er argwöhnisch.
Hermine stellte es ihm auf den Bauch, nahm ihres und warf es mit voller Wucht in den Kamin. Severus sah erschrocken zu Hermine.
„Werfen. Was sonst?", sie zuckte die Schultern, sie reparierte ihr Glas und ließ es zu sich schweben. Er schüttelte nur den Kopf. Sie warf es erneut in den Kamin, es zersprang in tausend Teilchen.
„Miss Granger!", polterte er plötzlich los. Hermine sah ihn emotionslos an.
„Würden Sie so freundlich sein, diesen Nonsens zu unterlassen?!", brüllte er weiter. Sie nahm das Glas von seinem Bauch und wollte es gerade in den Kamin werfen, als er ihre Hand festhielt.
„Bitte!", sagte er leise.
Hermine atmete laut aus und stellte das Glas auf den Tisch. Sie drehte sich zu ihm und sah ihn erwartungsvoll an.
„Sehen Sie mich nicht so an.", forderte er scharf.
„Was soll ich Ihrer Meinung nach tun? Sie wollen nichts essen oder trinken. Sie wollen Ihre Wut nicht rauslassen, Sie wollen nicht, dass ich meine Wut rauslassen, Sie wollen nicht, dass ich Sie ansehe... was soll ich denn machen? Soll ich gehen?!", sagte sie aufgebracht.

Er schürzte die Lippen und massierte seine Nasenwurzel, als er plötzlich einen harten Schlag auf seiner Schulter spürte. Er sah zu Hermine und sah, wie sie wieder auf ihn einschlug, auf die Schulter, auf seine Brust, ihre Augen füllten sich mit Tränen, er versuchte ihre Arme zu fassen zu kriegen, damit sie ihn nicht mehr schlug und packte sie fest an den Handgelenken, sie versuchte sich zu befreien aber seine Hände waren wie Schraubstöcke.

Sie ließ den Tränen freien Lauf und sackte halb auf ihm zusammen. Er zog sie zusätzlich zu sich und in eine feste Umarmung, es fühlte sich für ihn an, als wäre nicht nur das Glas in tausend Teilchen zersprungen, sondern auch Hermine. Er versuchte die Teile wieder zusammenzudrücken, wie er es schon einmal tat, im Raum der Wünsche.
Der gleichmäßige Druck um Hermines Körper beruhigte sie nach einer Zeit, sie versuchte sich die Tränen wegzuwischen und merkte, dass Severus Robe ziemlich nass geweint war. Er ließ sie etwas los, damit sie sich aufrichten konnte und folgte ihrem Blick, „das trocknet wieder.", meinte er sanft und strich ihr über den Kopf. Hermine setzte sich auf, wischte noch einmal mit ihrem Ärmel über ihr Gesicht und sah verweint zu ihm.

„Warum haben Sie mich nicht mitgenommen?", wollte sie mit tränenerstickter Stimme wissen.
„Ich...hatte Angst um Sie...", gab er langsam zu.
„Ich hatte auch Angst um Sie, was glauben Sie wie das ist, wenn Sie sich um zwei Verletzte kümmern müssen und 10 Leute Flüche auf Sie schleudern? Wenn Sie sehen, wie jemand den Sie....der Ihnen viel bedeutet von einem Fluch fast gegen einen Baum geschmettert wird? Ich konnte Sie gerade noch so davor schützen...", ihr liefen wieder Tränen über die Wangen, sie wollte sie nicht verbergen. Er sollte sie sehen.

Er wollte ihr die Tränen wegstreichen, aber sie wich ihm aus. Stand auf und ging ans Fenster, er sah ihr nur hinterher und verfluchte den Rotzlöffel, der ihn mit so einem mächtigen Fluch angegriffen hatte, vor Allem verfluchte er sich, dass er nicht richtig aufgepasst hatte.
„Ich dachte, ich würde Sie verlieren... und Harry ebenfalls.", sprach sie leise gegen das Fenster und an ihrer Stimme hörte er, dass sie mit den Tränen kämpfte. Er schluckte hart, er wusste nicht, wie es für sie ausgesehen haben musste.
Wahrscheinlich hätte er genauso reagiert, wie sie. Er fühlte sich hilflos, er konnte nicht schnell genug aufstehen, um bei ihr zu sein, er konnte sie nicht schützen, er konnte sich nicht einmal selbst schützen. Er war weich über die Jahre geworden, zu alt, um zu reagieren und jetzt hatte er die Quittung.

Hermine ging ins Bad, verschloss die Tür, sie musste den Kopf frei kriegen, das gelang ihr meist mit einer heißen Dusche. Sie befreite sich von ihren Klamotten, stieg in die Dusche und ließ das heiße Wasser auf ihren Körper rieseln.
Sie schäumte ihre Haare mit dem Blumenshampoo ein und wusch sich ausgiebig, sie wollte den Schmutz wegspülen. Die ganzen Emotionen wegspülen, die sich angestaut hatten.

Als sie fertig war, stieg sie aus der Dusche und wickelte sich in ein Handtuch, ihre Haare wickelte sie ebenfalls in ein Handtuch und sah in den Spiegel. Sah sich ihre Augen an, das Rehbraun, das zurücksah. Sie spürte die Wut in sich aufkommen und das Amber loderte auf, sie ballte die Hände zu Fäusten und schlug kräftig mit der rechten Hand in den Spiegel, welcher auf der Stelle zerbarst, ein paar Splitter fraßen sich in das Fleisch ihrer Hand.

Sie keuchte leicht auf, sie war erstaunt über den Schmerz, war fasziniert von den Splittern, die aus den Wunden ragten, wie das Blut über ihre Finger lief.
Severus saß immer noch auf der Couch, als er plötzlich ein lautes Klirren hörte, danach sowas wie ein Keuchen, dann war alles still. Er lauschte angestrengt, ob er irgendwelche Geräusche hören würde. Er stand mühsam auf und humpelte zum Bad, er klopfte „Miss Granger... alles in Ordnung?"

Schlimmstenfalls wird alles GutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt