Kapitel 154: Erinnerungen? Welche Erinnerungen?

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Sie kam gar nicht dazu ihren Gedanken nachzugehen, denn Poppy war wie aus dem Nichts aus einer Ecke gestürmt und legte Diagnosezauber über sie, um ihren Zustand zu ermitteln.
„Und? Werde ich überleben?", fragte Hermine nach einer Weile.
Poppy sah sie mit einem Blick an, der Snapes in nichts nachstand.
„Sie sind wohl über Nacht zum Scherzkeks geworden was?", fragte die Medihexe matt.
Hermine sah sie mit einem verlegenen Lächeln an, sie setzte sich etwas auf und ließ den Blick durch den Krankenflügel gleiten.

Dann schwang die Tür wieder auf und Harry und Ginny liefen eilig auf Hermine zu.
„Mine!", rief Harry, als Poppy mit schnellen Schritten in ihre Privaträume ging.
„Harry, Ginny", sagte Hermine und strahlte die beiden an. Ginny ging zu ihr und nahm sie in den Arm.
„Was machst du denn?", wollte die Rothaarige wissen.
„Ich weiß es nicht, ich bin nach Hogwarts gegangen und sollte hier ein Projekt bearbeiten, Professor McGonagall hat das Ministerium darum gebeten, das hab ich dir doch erzählt, Harry... und dann bin ich hier aufgewacht.", sie fasste sich an den Kopf.
Sie versuchte sich an irgendetwas zu erinnern, hatte sie einen Schlag auf den Kopf bekommen? Etwas fühlte sich merkwürdig an.

„Professor McGonagall? Nein, das Projekt wurde von Professor Dumbledore ins Leben gerufen", meinte Harry und sah Hermine verwirrt an.
„Klar, er hat dem Ministerium Anweisungen aus seinem Porträt heraus gegeben", sagte Hermine lachend, „Ich bin mir sicher, dass es McGonagall war."
„Wieso aus seinem Porträt? Er besucht Kingsley oft im Ministerium...", sagte Harry und sein Blick war noch verwirrter.
„Ich glaube, wir müssen Hermines Gedächtnis ein wenig auffrischen...", sagte eine ruhige bekannte Stimme an der Tür des Krankenflügels.

„Remus", flüsterte Hermine und konnte ihren Augen kaum trauen, auch wenn Tonks ihr sagte, dass Remus ebenfalls gerettet wurde, sie wusste einfach nicht, wie das möglich war.

„Harry, Ginny, würdet ihr Hermine und mich kurz alleine lassen?", fragte Remus freundlich, als er sich dem Bett näherte.
Die beiden warfen sich einen unschlüssigen Blick zu, dann sahen sie auf Hermine, die ihnen zunickte und standen dann auf, um den Raum zu verlassen.
„Hermine, schön, dass du wieder bei uns bist", sagte Remus, setzte sich auf die Bettkante und sah sie an.
„Ich verstehe nichts mehr... du und Tonks lebt... was hat Harry mit Professor Dumbledore gemeint?", Hermine sah ihn ratlos an.
„Du kannst dich wirklich an nichts erinnern?", fragte Remus sie besorgt.
„Woran soll ich mich denn erinnern?", fragte sie mit ein wenig Verzweiflung in der Stimme.
Remus schwieg und sah sie an. Hatte sie wirklich alles vergessen?

Die Tür ging erneut auf und ein aufgeregter Severus lief mit schnellen Schritten in den Raum.
„Tonks hat Bescheid gesagt... bei Salazar, Hermine...", sagte er, schnellte um das Bett und setzte sich auf den Stuhl, auf dem Tonks gerade saß, nahm ihre Hand und drückte sie.
Hermine sah verdattert auf Severus, dann zu Remus.
„Professor Snape...", sagte sie langsam, lächelte leicht unschlüssig und entzog ihm langsam die Hand.
Severus musterte Hermine, es war ihr unangenehm, dass er sie so ansah.

„Was ist hier los?", fragte er mit schneidender Stimme an Remus gewandt.
„Sie erinnert sich an nichts.", sagte er und sah traurig zu Severus.
Hätte Hermine es nicht besser gewusst, würde sie sagen, dass in Snapes Augen tiefe Betroffenheit, Sorge und Trauer lag.
„An... nichts?", fragte er noch einmal, sah dann zu Hermine.
„Kann mir vielleicht irgendjemand erklären, woran ich mich erinnern soll? Warum sehen Sie mich so an, Sir?", fragte sie Snape. Remus konnte an Severus Gesicht aus machen, wie sehr es ihn traf.
„Du kannst dich nicht daran erinnern, dass Fred, Tonks und ich gerettet wurden bei der Schlacht? Dass Dumbledore lebt? An Lazarus? An... Severus?", fragte Remus vorsichtig.
„Professor Dumbledore lebt?", fragte Hermine mit einem geschockten Ausdruck, „Wer ist Lazarus? Natürlich kann ich mich an Professor Snape erinnern, ich habe ihn nach der Schlacht am See gefunden...", sie sah scheu zu Snape, dessen Gesicht eine emotionslose Maske war.
„Bei Merlin", hauchte Remus, stand vom Bett auf und sah an die Decke.

„Was ist denn? Sir, was haben Sie denn?", fragte Hermine Snape, als seine Hände sich zu Fäusten ballten.
„Miss Granger", sagte er kalt, seine Stimme hallte durch den Raum, er stand auf, lief noch schneller als er gekommen war, aus dem Raum. Remus sah mitleidig auf die Tür, dann wieder zu Hermine.
„Remus?", sie war noch verwirrter als beim Aufwachen vor einigen Tagen.
Er schüttelte kraftlos den Kopf und verließ dann ebenfalls den Krankenflügel.

Hermine fühlte sich vor den, gefühlt, leeren Kopf gestoßen und seufzte verzweifelt auf.
Sie warf die Bettdecke nach hinten, setzte sich auf, ließ die Füße aus dem Bett gleiten. Ihr Kopf schwirrte und leichte Blitze zuckten wild vor ihren Augen.
Sie stand auf, lief wackelig durch den Krankenflügel, es war ihr egal, was Madame Pomfrey dazu sagte, sie brauchte frische Luft, angezogen war sie ja.

Sie wollte nicht wie ein kranker Pflegefall behandelt werden, der wohl viele wichtige Sachen vergessen hatte.
Es erinnerte sie an ihre Oma, ihre Mutter hatte sich um sie gekümmert als sie älter wurde, bis zu dem Punkt, an dem sie das halbe Haus ausversehen in Brand steckte, die Toiletten mit Handtüchern verstopfte und mit Tassen um sich warf.
Hermine war damals noch klein und erinnerte sich an die Besuche in einem Pflegeheim, einmal in der Woche hatten sie die Oma besucht. Am Anfang wusste sie noch, wer Hermine war, sie freute sich immer sehr auf ihre kleine Enkelin, die schon damals sehr begabt war. Hermine freute sich auch jedes Mal ihre Oma zu sehen, nach einigen Jahren, wusste ihre Oma sie immer weniger zu zuordnen.
Sie freute sich trotzdem über ihr freundliches, hübsches Gesicht, aber sie fragte immer wieder bei ihren Besuchen, wie doch gleich ihr Name war. Hermine verstand damals nicht, warum ihre Oma sie vergessen hatte. Sie dachte, sie hätte etwas falsch gemacht.

Als ihre Oma nach weiteren Jahren schlussendlich im Pflegeheim gestorben war und ihre Eltern die Beerdigung organisiert hatten, hörte sie ihre Tante sagen, dass die Krankheit aus der so liebenden Person nur noch ein Schatten ihrer Selbst hervorgebracht hatte.
Vergessen... wie grausam das Vergessen doch ist, dachte sie, dann dachte sie an ihre Eltern, die sie ebenfalls alle Erinnerungen an Hermine hatte vergessen lassen.
Jetzt war sie selbst davon betroffen.

Remus und Professor Snape waren so traurig und enttäuscht... was konnte an den wenigen Tagen, in denen sie hier war, alles passiert sein?
Sie fühlte sich wieder so befangen, als wäre da wieder dieser Druck um sie, der sie einschloss und umhüllte, sie fühlte sich, als würde sie um ein großes Schwarzes Loch kreisen und kurz davor stehen, hineingesogen zu werden. Sie hatte das Gefühl, ein Teil von ihr wäre schon verloren und es machte sie traurig, wütend und kraftlos.

Hermine lief verloren durch die Gänge, ihre Füße trugen sie weiter, weiter weg vom Krankenflügel, von den komischen Begegnungen mit den Totgeglaubten. Sie spürte plötzlich eine frische Brise und sah auf, sie stand auf dem Astronomie-Turm und war eigenartigerweise erleichtert.
Sie atmete tief durch, ging langsam zu der Brüstung und sah auf die Ländereien.

Die Wiesen und Bäume strahlten im Grün, mit vollen Blüten an den große Blätterkronen. Die Vogelschwärme zogen durch die Ländereien, Gruppen von Schülern liefen unbefangen über die Wiesen und lachten.
Hermine lächelte, sie sah in den Himmel, eine hochstehende Sonne, die ihre warmen Strahlen auf die Erde legte. Sie hörte den Schrei eines Vogels und suchte nach der Quelle dieses Tierlauts. Sie erkannte einen großen Vogel, er schimmerte golden im Licht der Sonne, die Schwanzfedern in schwarz gehalten.

Ist das ein Phönix?, fragte sie sich innerlich und zog die Augen zusammen.
„Fawkes hat sich verändert... wie sehr vieles in deinem Leben... oder?", fragte eine gütige Stimme.

Schlimmstenfalls wird alles GutWo Geschichten leben. Entdecke jetzt