„Neville, sei mir nicht böse, aber können wir vielleicht die Plätze tauschen? Ich würde gerne etwas mit Professor Snape besprechen.", sagte sie und sah ihn freundlich an.
Neville verstand nicht so recht, wie man sich freiwillig neben Professor Snape setzen wollte, aber er erfüllte ihren Wunsch und tauschte mit ihr die Plätze.
Als Hermine nun neben ihm saß, sah sie ihn an und konnte ihre Augen nicht mehr von ihm nehmen. Ihm ging es ähnlich.
Sie sahen sich während des Frühstücks immer wieder schweigend an, tauchten in die Augen des Anderen und genossen die stillen Momente zwischen ihnen.
Dumbledore saß auf seinem Platz und blinzte immer mal wieder zu den beiden herüber, er freute sich, dass es sich so zwischen ihnen entwickelte.
McGonagall konnte ihrerseits ihren Augen nicht trauen und vergaß ganz das Essen. Ihr fiel das Rührei von der Gabel, die sie zum Mund führen wollte, aber innehielt, als sie sah wie Hermine Granger, ihre Hermine Granger, die tapfere Gryffindor den Platz wechselte und sich neben Professor Snape setzte und sie sich ununterbrochen anstarrten.
Dann sah sie zu Dumbledore und erschrak über sein Grinsen noch mehr.
„Albus... was geht da vor sich?", fragte sie leise und besorgt und legte eine Hand auf seinen Arm.
„Das müssen die beiden unter sich ausmachen meine Liebe.", sagte er vergnügt und blitzte über seine Brille zu seiner langjährigen Kollegin und Freundin.
„Ist das eine gute Idee?", fragte Minerva und sah nochmal zu Hermine, sie lächelte glücklich zu Severus.
„Das ist die beste Idee, die das Leben jemals hatte.", sagte Albus und strich sich über den Bart.
McGonagall aß ein Stück Rührei, ohne, dass es von der Gabel fiel, erlitt aber einen Hustenanfall, als sie sah, wie Hermine ganz leicht über seine Hand strich.
Sie rang nach Luft und Albus schlug ihr einige Male auf den Rücken. Sie stürzte ein Glas Wasser herunter und trocknete sich die Tränen, die in ihrer Luftnot in ihre Augen getreten waren.
„Severus", meinte Albus und achtete gar nicht auf Minerva. Der Angesprochene drehte sich zum Schulleiter.
„Albus?"
„Ich glaube du musst heute deine freien Studien zu Ende führen", sagte Albus und ein spitzbübischer Glanz legte sich über seine Augen.
„Die freien Studien....", wiederholte Severus. Hermine verstand gar nichts, seit wann gibt es hier freie Studien?, fragte sie sich innerlich.
„Die an der frischen Luft... dein Unterricht fällt heute aus. Minerva wird die Schüler so lange beschäftigen.", sagte Dumbledore und lächelte sie an. McGonagall sah zwischen ihm und Severus hin und her.
„Ich kenne mich überhaupt nicht aus in Zaubertränken...", sagte McGonagall aufgebracht.
„Dann mach einfach noch ein paar Stunden Verwandlung.", sagte Dumbledore.
„Dann haben die Schüler vier Stunden Verwandlung am Stück...", sagte sie und sah ihn skeptisch an.
„Na in der Zeit sollten sie doch etwas lernen", meinte Dumbledore vergnügt und zwinkerte Severus zu, was ihn leicht verstörte.
Minerva stand aufgebracht auf, Dumbledore folgte ihr und versuchte sie zu beruhigen, sie hörten sie noch diskutieren, als sie bereits aus der Halle verschwunden waren.
„Also... wie es aussieht... habe ich heute einen freien Tag.", sagte Severus und sah zu Hermine, sie lächelte erfreut und ihre Augen blitzten auf.
„Haben Sie Lust auf einen Spaziergang?", fragte Severus freundlich.
„Ja, sehr gerne.", meinte sie.
Die beiden standen auf, verließen ebenfalls die Halle.
Severus nahm den Geheimweg zum verborgenen Pfad zum See, wie schon ein Jahr zuvor.
„Ich kenne diesen Weg überhaupt nicht", sagte Hermine, als sie langsam versteckt zum See liefen.
„Deswegen ist er ja auch geheim.", meinte Severus schmunzelnd.
Sie kamen an die Stelle am See unter dem Ahornbaum, Hermine sah sich fasziniert um.
„Es ist wunderschön hier", sagte sie und drehte sich zu ihm.
„Ja.. das ist es.", meinte er und musterte sie. Dann zauberte er eine Decke für sie und setzte sich langsam darauf. Hermine folgte ihm und setzte sich daneben.
Nach einer Weile, in der sie einfach nur still und friedlich nebeneinander saßen und den See beobachteten drehte Hermine sich leicht zu ihm und sah ihn an.
Er drehte sich ebenfalls zu ihr und lächelte freundlich.
„Kann ich Sie etwas fragen?", wollte Hermine ruhig wissen.
„Alles.", sagte er.
„Wann... wann haben wir uns das erste Mal geküsst? Das kann gestern nicht das erste Mal gewesen sein", sagte sie und schmunzelte.
„Das war im Raum der Wünsche... und es ging von Ihnen aus.", er sah ihr offen ins Gesicht.
„Wirklich?", fragte sie mit erhobenen Augenbrauen.
„Warum erstaunt Sie das so sehr?", fragte er leicht lachend.
„Ich weiß es nicht... ich glaube... ich meine ich hatte immer großen Respekt vor Ihnen... ich dachte nicht, dass ich mich traue, Sie einfach zu küssen.", sagte sie, ihr Blick blieb an seinen Augen hängen.
„Der gryffindor'sche Mut", sagte er und lachte kehlig.
Hermine sah ihn einfach nur an, das war nicht der Professor Snape, den sie kannte.
Severus' Lachen ebbte leicht ab, als er sah, wie sie ihn ansah.
„Sie sind so anders", sagte sie, „Sie haben sich so verändert..."
„Das habe ich Ihnen zu verdanken", meinte er und legte den Kopf schief. „Wir haben Ihnen alle hier sehr viel zu verdanken."
„Ich war offenbar sehr fleißig in den paar Tagen...", sagte sie und lachte.
„Miss Granger... ich weiß nicht, ob ich Ihnen das sagen sollte, aber... Sie waren nicht nur ein paar Tage hier.", meinte er und beobachtete ihre Reaktion. Sie war neugierig.
„Wie lange war ich hier?", fragte sie leise.
„Sie kamen Anfang April... der Vorfall... weshalb Sie Ihre Erinnerungen verloren haben... war Ende März des folgenden Jahres.", sagte er vorsichtig und dunkel.
Sie zog die Augenbrauen zusammen. Sie war fast ein Jahr in Hogwarts gewesen?
„Welches Jahr haben wir denn?", fragte sie verwirrt.
„2005", meinte er, ihre Gedanken rasten.
„Ich bin im April 2005 nach Hogwarts gekommen... vor wenigen Tagen. Das heißt... wenn ich ein Jahr hier verbracht habe, dann müsste es doch 2006 sein", murmelte sie.
„Wir... haben einen Zeitsprung gemacht. Das ist eine furchtbar lange und verstrickte Geschichte. Es tut mir leid, dass ich Sie verwirrt habe.", sagte er und sah schuldig auf den Boden.
Sie legte ihm eine Hand auf den Arm, „ich bin verwirrt... aber das ist nicht Ihre Schuld. Ich bin froh, wenn mir die Leute ein paar Informationen geben."
Er strich ihr vorsichtig über ihre Hand, sie drehte sie seiner Hand entgegen und verschloss ihre Hand mit seiner.
„Darf ich Sie umarmen?", fragte sie traurig, sie konnte sich gegen die aufkommende Traurigkeit einfach nicht wehren, sie war froh, dass sie nicht alleine war, hatte aber auch Angst, dass er sie von sich stoßen würde.
„Natürlich", sagte er leise, mit kratziger Stimme.
Sie rutschte zu ihm, legte ihre Arme um seinen Oberkörper, er legte ihr den Arm um die Schultern und zog sie zu sich. Sie legte den Kopf an seine Brust, in die Nähe seiner Halsbeuge. Er legte seine Wange an ihren Kopf, strich ihr sanft und beruhigend über den Rücken und die Locken.
„Es wird alles gut werden.", sagte er leise und dunkel, sie spürte die Vibration seines Baritons an ihrem Körper, seine Stimme und sein Duft beruhigten sie umso mehr.
Sie strich ihm langsam über die Brust, sein Körper fühlte sich gut an, sie hatte wieder Schmetterlinge im Bauch.
„Danke, dass Sie da sind.", sagte sie leise und krallte sich in seinen Umhang.
„Ich habe es Ihnen versprochen", sagte er, legte seine Lippen auf ihren Kopf. „Solange Sie mich bei Ihnen haben wollen, werde ich bleiben."
„Sie würden gehen, wenn ich es wollen würde?", fragte sie durcheinander und ängstlich.
„Auch wenn es mir sehr schwer fallen würde... aber ja.", sagte er dunkel. Sie sah auf, sah ihm in ins Gesicht, in die Augen. Er meinte es ernst, er sah traurig aus aber er meinte es ernst.
DU LIEST GERADE
Schlimmstenfalls wird alles Gut
Fanfiction7 Jahre nach Ende des Krieges- Hermine, Ron und Harry arbeiten im Ministerium. Ron und Harry sind gefragte Auroren, Hermine hat ein Studium in Zaubertränke und Arithmantik abgeschlossen. Ihr Leben verläuft ruhig bis zu dem Tag, an dem sie vom Minis...
