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Er hatte es mir versprochen. Wir hatten eine Abmachung. Selbst wenn er es unter Druck oder aus Angst vor seinem Vater tat, konnte ich es nicht hinnehmen. Innerhalb einer Sekunde empfand ich niemals enden wollende Schmerzen. Mein sicherer Ort, Vegas, war reines Wunschdenken. Unsere gemeinsame Zeit war zu perfekt. Er war zu perfekt. Ich hätte mir gleich denken können, dass so jemand nicht existieren konnte.

Dieser Verrat war unerträglich. Tränen der tiefsten Enttäuschung und des unerträglichen Schmerzes traten mir in die Augen und ich wurde wütend. Verletzt sah ich ihn an und wollte aufstehen. Ich brauchte Abstand, sonst würde ich meinen Magen nicht beruhigen können. Doch Vegas hielt mich fest. Seine Hände umschlossen meine Handgelenke und ließen mich nicht los. -Fass mich nicht an!- schrie ich, blind von meinen Tränen. -Lass mich los! Sofort!-

Vegas sagte zwar etwas aber das Rauschen in meinem Kopf verhinderte, dass seine Wörter von meinen Ohren aufgefangen wurden. Ich versuchte mich loszureißen, aber er hielt mich fest. Seine Hände lagen schwer wie Steine um meine Gelenke. -Vegas! Ich schwöre bei Gott lass mich los!-

Mit einer schnellen Bewegung drehte er mich um und zog mich an seine Brust. Ich saß auf seinen Schoß, meine Arme um meinen Körper gelegt, immer noch mit Vegas Händen um meine Gelenke. Er hielt mich an sich gepresst und sagte immer wieder etwas unverständliches in mein Ohr. Ich weinte und schluchzte, so sehr, dass ich keine Luft mehr bekam. Ich fühte mich hintergangen, obwohl er mir halt geben sollte, sorgte er dafür, dass ich in ein tiefes leeres Loch abrutschte. Meine Atmung funktionierte nicht mehr richtig aber durch den aufkommenden Schwindel und der Übelkeit wurde das Rauschen in meinem Kopf leiser.

Plötzlich hörte ich endlich was er sagte. Seine Stimme drang in mein Ohr, wie über einen Lautsprecher.
-Ich habe das nicht getan. Tay, beruhig dich, ich hab das nicht getan. Bitte atme, ich hab das nicht gemacht...- immer und immer wieder wiederholte er diese Sätze.
Zwischen zwei lauten Schluchzern fragte ich -Was?- In der Hoffnung, er würde es immer wieder sagen, bis jede Zelle in meinem Körper ihm glaubte.
-Sch, beruhig dich. Ich tue dir sowas nicht an. Niemals.- sagte er und drückte mich noch enger an sich. Meine Tränen hörten auf, aber ich schluchzte immer weiter. -Tay, bitte beruhige dich. Du hyperventilierst. Ich habe mit niemandem geschlafen. Hörst du mich?-
Ich wollte ihm glauben. Auch wenn ich es noch öfters hören musste, gab ich den Kampf auf und entspannte meine Arme. Sobald er das realisierte ließ er meine Handgelenke los und umarmte meinen Brustkorb. -Babe, ich habe Angst, kannst du bitte ruhiger atmen?-

Ich versuchte es aber es funktionierte nicht.
Meine Lungen arbeiteten weiter wie nach einem Sprint. -Es tut mir leid, ich lasse dich los, sobald du normal atmest.- Sagte er. Danach drehte er meinen Kopf, hielt meine Nase zu und presste mit Kraft seinen Mund auf meinen. Dann atmete er in meinen Mund rein und saugte den Sauerstoff aus meinen Lungen. Am Anfang hatte ich das Gefühl zu ersticken, ich habe panisch um mich geschlagen und versucht seinen Klammergriff um mein Gesicht zu lösen. Doch nach und nach konzentrierte ich mich auf seine Atmung und alles in mir beruhigte sich. Als er meinen Mund wieder frei gab, ließ er mein Gesicht los und gab mich komplett frei. Ich stand sofort auf und schleppte mich ins Bad. Vegas rief noch nach mir, aber ich brauchte einen Moment. Mein Kopf schwirrte, ich war müde und erschöpft und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Vegas Vater zwang ihn Sex mit Kunden zu haben? Und er nahm es einfach so hin? Wie lange lief das und was hat er mit dem Kunden gemacht, von dem er mir erzählt hatte? Er wusste, wie wichtig mir Treue war.

Ich setzte mich auf den Rand der Badewanne und nahm den Kopf in meine Arme. Er sagt immer wieder, dass er nichts getan hatte. Konnte ich ihm glauben? Oder war das eine Notlösung, weil er Angst hatte, mich zu verlieren. Fühlte er überhaupt etwas für mich?

Ich weiß nicht wie viel Zeit verstrichen war, als mich das Klopfen an der Tür aus meinen bemitleidenen Gedanken riss. Vegas öffnete die Tür, kam langsam rein und hockte sich vor mich. -Schlag mich. Schrei mich an. Sperr mich weg. Aber bitte friss nicht alles in dich rein.- Vegas sah mich verunsichert an.

Seit dem du da bistWo Geschichten leben. Entdecke jetzt