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Vegas POV

Dunkelheit begleitete mich mein gesamtes Leben. Sehr viele Jahre, war ich Vaters einziges Kind und er hatte seit ich denken konnte, immer die höchsten Ansprüche an mich. Während andere Kinder draußen Fußball gespielt hatten, zwang er mich stundenlang in seinem Arbeitszimmer zu sitzen und ihm zuzusehen. Er erklärte nichts, er erwartete nur, volle Konzentration und duldete keine Fehler. Einmal, als ich vor Langeweile eingeschlafen war, schlug er mich das erste Mal zusammen. Ich wurde durch fürchterliche Schmerzen geweckt und für jede Träne die lief, schlug er erneut zu. Ich dachte damals er würde mich tot schlagen, aber irgendwann hatte ich es geschafft aufzuhören und dann ließ er von mir ab. Meine Mutter hatte mich danach versucht zu trösten, aber ich hatte sie gehasst, weil sie mir nicht zur Hilfe kam. Seit diesem Tag, hatte ich mir geschworen alles zu tun, bis ich eines Tages stärker war als er und mich wehren konnte. Mit zehn Jahren, wollte ich weglaufen, aber Vater erwischte mich und brachte mich nach China, zu einem Mann, der mich zu vielen Dingen zwang. Ich wurde unter Strom gesetzt, tagelang in einem Glashaus der Sonne ausgesetzt und für jeden falschen Schritt geschlagen. Dieser Mann war das zweite Monster, welches ich auf dieser Erde kennengelernt hatte.

Bei Onkel Korn sah ich meine Cousins mit ihren Freunden, die lachend durchs Haus liefen und Spaß hatten. Ich wollte so unbedingt mitspielen, aber Vater erwartete von mir gehorsam und dazu gehörte still schweigend auf einem Stuhl zu sitzen. Ich verstand die Welt nicht mehr und meine Eifersucht, gegenüber meinem gleichaltrigen Cousin entwickelte sich zu Hass und Verachtung.

Mit dreizehn fing Vater an, abscheuliche Dinge von mir zu erwarten, wie einem anderen Menschen Schmerzen zufügen und ihnen das Leben zu nehmen. Zuerst hatte ich tierische Angst davor, aber in mir brodelte so viel Wut, Dunkelheit und Schmerz, dass es mir leicht fiel.

Mit fünfzehn war es erträglicher zu Hause. Ich wusste wann ich mich wie zu verhalten hatte und konnte Vaters Gunst erlangen. Nur war die Wut immer noch tief in mir und sie wollte raus, also provozierte ich Kinn in der Schule, bis er austickte und wir und regelmäßig prügelten. Als Vater das mitbekam zwang er mich gegen ihn zu kämpfen. Er schlug immer weiter auf mich ein, bis ich mein Bewusstsein verlor und in meinem eigenen Blut wieder aufwachte. Niemand kam um mir zu helfen, nicht einmal meine Mutter und als ich sie zur Rede stellen wollte, erfuhr ich, dass sie wieder schwanger war. Vater drohte mir, dass ich jetzt zu jederzeit ersetzt werden könnte und er sich einen besseren Sohn erschaffen hatte. Ich hasste das Baby im Bauch meiner Mutter. Ich plante, wie ich es zu dem Mann nach China schaffen konnte damit er nicht hier war. Allerdings starb meine Mutter fünf Stunden, nach der Geburt und ich sah Vater, wie er hasserfüllt in das Kinderbett sah. -Dein kleiner Bruder hat schon viel mehr Stärke bewiesen, als du.- sagte er und ließ mich mit ihm allein. Ich hatte schon getötet und wenn ich ihn auslöschen würde, dann war ich wieder Vaters einziger Sohn.

Ich erinnerte mich noch genau daran, wie sehr ich meinen Bruder schon im Mutterleib gehasst hatte, doch als ich am Kinderbett stand und zum ersten Mal hinein gesehen hatte, fühlte sich die Dunkelheit nicht mehr so einsam an. Ich spürte eine Verbindung zu ihm und ich wollte ihn plötzlich um jeden Preis beschützen. So lange ich ihn ansah, wurde mir von innen warm und ich fühlte mich nicht mehr allein auf der Welt.

Macau war mein Lichtblick, meine Chance ein normales Leben zu Leben. Auch wenn er es für mich lebte. Ich tat alles, damit Vater ihn in Ruhe ließ und er Freiheiten hatte, sich auszuleben. Dann entdeckte ich an einem Tag den besten Freund meines Cousins, der mich völlig unerwartet in seinen Bann zog. Ich suchte regelrecht nach ausreden, um bei Kinn aufzutauchen, nur um ihn sehen zu können. Ich suchte in unseren Akten nach jeder kleinsten Information und hatte versucht ihm zufällig beim shoppen über den Weg zu laufen.

Dieser ganze besondere Mann, der offensichtlich sehr oft traurig war verfolgte mich bis in meine Träume und meine Gedanken und schaffte es die Dunkelheit aus mir zu vertreiben.

Seit dem du da bistWo Geschichten leben. Entdecke jetzt