Tay POV
Seit über zwei Monaten war mein ganzer Kopf voll mit Hochzeitsvorbereitungen. Selbst wenn ich bei den Farben, dem Essen oder der Deko schnell meine Traumvorstellung im Kopf hatte, war die Umsetzung und Übermittlung zu den Verantwortlichen am Hochzeitsort aufwändiger als ich gedacht hatte. Um so schöner waren die Momente wenn Vegas mich aus der Planung heraus holte und mich daran erinnerte, dass ich noch ein Leben hatte.
So wie heute, wo er mir unbedingt etwas zeigen wollte. Er wirkte so unglaublich aufgeregt. Bestimmt hatte es etwas mit den Telefonaten zu tun, die ich nicht mitbekommen sollte und auch all die Treffen zwischen ihm und meinem Vater.
Die gesamte Autofahrt rätselt ich, wo es hingehen könnte und was er geplant haben könnte, doch als der einzige Ort, der mir in den Sinn kam Vegas altes zu Hause war, wusste ich absolut nicht weiter. Ich tippte auf eine romantische Nacht in seinem alten Zimmer oder eine weitere Überraschungsparty.
Doch als wir auf dem Grundstück ankamen und ich plötzlich eins der Mädchen aus einem der Waisenhäuser erkannte, setzte alles in mir aus. Ich wusste, dass sie nur noch wenige Monate hatte und dann zusehen musste wie sie allein klar kam, aber wieso um alles in der Welt war sie an diesem kalten, einsamen Ort? Ich verstand die Welt nicht mehr. Ruh war so eine reine Seele, dass ich, als ich sie hier erkannt hatte nur noch rot gesehen hatte.
Ich sprang wie in Trance aus dem Wagen und lief zu ihr, um sie mit meinem Leben zu beschützen. Auch wenn ich nicht wusste vor wem überhaupt.
Ruh strahlte, als sie mich sah und erwiderte glücklich meine Umarmung, aber ich konnte weder ruhig bleiben, noch Rücksicht auf irgendjemanden nehmen.
-Warum ist sie hier?! Was hast du getan Vegas!- brüllte ich ihn an. Ich war mir sogar sicher, dass er mich noch nie derart brüllen gehört hatte. Meine Wut war nicht zu bändigen. Es gab keine einzige Erklärung, die ihre Anwesenheit gerechtfertigt hätte.
Ich stand auf, nahm ihre Hand und führte sie umgehend zum Wagen. Sollte mich der große Vegas Theerapanyakul doch versuchen aufzuhalten!
-Komm, ich bringe dich zurück, hier willst du nicht sein...- fing ich an, doch Vegas packte mein anderes Handgelenk und hielt mich fest.
-Du sagtest du vertraust mir.- erinnerte Vegas mich an mein Versprechen, was ich noch vor wenigen Minuten gegeben hatte.
Er sah mir traurig in die Augen, aber ich erkannte Aufrichtigkeit. Ich kannte ihn. Es war Vegas und er wusste, wie wichtig mir die Kinder waren. Er würde niemals etwas tun, womit ich nicht einverstanden wäre. Also versuchte ich meine Emotionen herunterzufahren und durchzuatmen. Ich sah zu Ruh. Sie wirkte weder verschüchtert, noch als wäre sie nicht freiwillig hier, also nickte ich.
Vegas führte mich ins Haus, wo mir sofort auffiel dass es sowohl renoviert, als auch geputzt wurde. Nun sah es hier viel wärmer und freundlicher aus. Ganz so als wäre der Geist der Vergangenheit verschwunden.
-Hallo, Sir.- meldete sich plötzlich der Mann, dem ich zuvor keinerlei Beachtung geschenkt hatte. Doch sobald ich ihn ansah erkannte ich ihn wieder. Er war einer der Bodyguards, die uns damals nach der Vernissage begleitet hatte. Danach war er wie vom Erdboden verschwunden und ich hatte nie wieder einen Gedanken an ihn verloren. -Jim.- begrüßte ich ihn. Warum war er auf einmal hier?
Fragend sah ich zu Vegas, der mich weiter führte. In einem Raum, mit vielen Tischen setzte er mich auf einen Stuhl, vor dem Ordner und Blätter lagen.
-Das hier ist mein Hochzeitsgeschenk an dich.- sagte er mit warmer Stimme und setzte sich geduldig zu mir. Mein Hochzeitsgeschenk? Was meinte er? Das Haus? Die Unterlagen?
Ich sah mich fragend um, konnte mir aber keinen Reim darauf machen, also nahm ich mir die Zettel. Auf einem waren Architektzeichnungen, auf einem anderen waren Budget Pläne und auf einem der Ordner stand Partnerschaft.
Ruh kam zu uns, mit Gläsern und Wasser und setzte sich neben mich.
Ich sah auf und zu Vegas.
-Ich verstehe nichts.- gab ich offen zu.
Er nahm meine Hand und küsste einmal meine Knöchel.
-Ich wollte dir etwas schenken, was einen Teil deiner Trauer von dir nimmt.- fing er an und verwirrte mich damit noch mehr. Ich war überhaupt nicht traurig.
-Dieses Haus hatte keinen Nutzen mehr. Aber es ist eine gute Anlage und mit der Hilfe von deinen Vater habe ich ein Konzept entwickelt. Es müsste natürlich noch ausgebessert werden, aber die Grundidee steht und alles, was man braucht ist bereit.- Vegas wirkte unendlich aufgeregt und ich wollte ihm unbedingt sagen, wie wunderbar alles war, was er tat, aber ich verstand rein gar nichts.
-Jim kennst du ja. Er und seine Frau haben zugestimmt hier zu leben und dieses Projekt zu leiten. Es ist alles legal. Das bedeutet jeder bekommt eine echt faire Chance.-
Immer mehr Fragen sprangen durch meinen Kopf. Ich verstand rein gar nichts, außer, dass Vegas etwas erschaffen hatte. Etwas, was es vorher in dieser Form noch nie gegeben hatte. Denn sonst hätte er es einfach beim Namen nennen können. Ich war sprachlos und fasziniert, von dem Mann, der so viel konnte und der bald mein Ehemann sein würde.
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Seit dem du da bist
Roman d'amourEine Geschichte über Tay und Vegas. Seid offen, ich war es auch
