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Der Morgen kam viel zu schnell. Ich spürte wie Vegas seine Nase in meine Haare drückte, mich noch einmal eng an sich zog und dann vorsichtig aufstand. Sobald er im Bad verschwand, schlief ich wieder ein und als ich wach wurde, war er schon lange weg. Ich stand auf, ging duschen und dann in die Küche um Kaffe zu kochen. Auf dem Tisch stand ein Teller mit Essen, ein Zettel und eine Tüte. Überrascht nahm ich den Zettel. "Hab einen schönen Tag und vergiss nicht zu essen. Ich habe das Teil gesehen und mir vorgestellt, wie du darin aussehen würdest. Vielleicht hilft dir das bei deiner Kleiderwahl heute. Ich möchte dich vor der Party zum Essen ausführen.
In Liebe Vegas"

Vegas hinterließ mir oft Zettel, mit kleinen süßen Botschaften. Ich fand sie manchmal an den merkwürdigsten Orten. Doch jede einzelne ließ mein Herz höher schlagen. Mit diesen kleinen liebevollen Gesten, zeigte er mir seine aufrichtige Zuneigung. Ich packte den Zettel zu all den anderen, die in einer Kiste im Wohnzimmerschrank waren. Darin befand sich auch der Bär, den er mir nach unserer ersten Nacht als Versprechen hinterlassen hatte.

Nachdem ich in den vielen Botschaften gestöbert hatte, ging ich in die Küche zurück und nahm die Tüte. Sie war aus einer kleinen Boutique, in der ich selber schon oft fündig wurde. Gespannt öffnete ich sie und ein wunderschöner silberner Stoff kam zum Vorschein. Gefesselt von der Farbe nahm ich es heraus und hielt es hoch. Es war eine Bluse, die vorne am Kragen einen Rüschenansatz und eine Schleife hatte und an den Armen ein sehr feines Stickmuster aufwies. Der Stoff war federleicht und fühlte sich unglaublich weich an. Das was mich aber umhaute, war die Rückseite. Die Bluse hatte hinten nach dem Kragen einen tiefen Ausschnitt. Der gesamte Rücken war frei und erst kurz vor dem Saum verlief sie wieder zusammen. Ich sah es mir minutenlang an und verliebte mich immer mehr in das Kleidungsstück. Nicht nur weil es eins der schönsten Sachen war, die ich bisher gesehen hatte, sondern auch weil Vegas es für mich ausgesucht hatte. Ich bekam nie Kleidung geschenkt, da alle befürchteten, meinen Geschmack nicht zu treffen. Sogar meine Ma wagte es nicht mir was mitzubringen, dabei hätte ich mich nie beschwert. Um so glücklicher war ich über Vegas Geschenk. Ich nahm mein Handy und wählte seine Nummer. Er ging sofort dran. -Hast du schon gegessen?-
Zerknirscht sah ich auf den unberührten Teller. -Nein, aber ich fange an so bald wir auflegen.- Warf ich ein.
-Hoffentlich. Wie hast du geschlafen?-
-Gut, du hast mich ja die ganze Nacht gehalten. Dankeschön.- Sagte ich und sah mir verträumt die Bluse an.
-Das war purer Eigennutz, ich weiß garnicht wie ich eine Nacht ohne dich verbringen sollte.-
-Ich meinte danke für die Bluse. Sie ist wunderschön. Ich liebe sie.-
Ich konnte hören, wie er lächelte. -Ich freue mich schon dich in ihr zu sehen.-
-Heute Abend. Und danke für die Einladung zum Essen.-
-Gerne. Dann bis heute Abend. Ich komme dich abholen.-
-Bis später. Ich liebe dich Vegas.- sagte ich, ohne den Blick von dem Stoff loszureißen.
-Ich liebe dich mehr. Und jetzt iss bitte.- Mit den Worten legte er auf. Ich nahm mir noch einen Moment und dann setzte ich mich an den Teller und fing an das Porridge zu essen. Es war ganz viel Obst drin und es schmeckte wirklich gut.

Den Tag verbrachte ich im Atelier. Ein bekannter Designer wollte ein paar Bilder als Hintergrund für seine Kollektion. Es war neu, mit vorgegeben Farben und Empfindungen zu arbeiten, aber es machte unheimlich Spaß und ich war gespannt, wie meine Bilder seine Kleider unterstrichen. Wenn ich mich recht erinnerte war er heute Abend auch eingeladen. Als ich auf die Uhr sah, fiel mir auf, wie lange ich vertieft in die Bilder war. Vegas war in etwa einer Stunde da und ich war voller Farbe.

Ich ging erneut duschen und frisierte meine Haare. In dem Moment, als ich die Bluse sah, wusste ich, womit ich sie kombinieren würde. Ich zog mir eine matt- schwarze Stoffhose mit Schlag an. Sie saß eng an meiner Hüfte, unterstrich meinen Arsch und ließ meine Beine länger erscheinen. Die Bluse saß wie angegossen und der Stoff war wie eine weiche Wolke auf meiner Haut. Ich bewunderte mich im Spiegel und konnte nicht glauben, wie gut mir die Farbe stand. Der Rückenausschnitt war perfekt, es war elegant und reizvoll zugleich. Glücklicherweise entdeckte ich kein einzigen Bissabsruck, als ob Vegas die letzten Tage darauf geachtet hätte. Ich legte einen passenden Armreif an, welches auf dem Ärmel auflag und nachdem ich etwas Parfüm aufgetragen hatte, sah ich auf die Uhr. Vergaß würde jede Minute da sein. Also nahm ich meinen schwarzen Mantel, zog ihn an und als ich meine Schuhe anhatte, sah ich sein Auto vorfahren. Ohne auch nur eine Sekunde länger zu warten ging ich raus, schloss die Tür ab und ging zum Auto. Vegas stieg aus und wartete bei der Tür auf mich. Er trug einen schwarzen teuren maßgeschneiderten Anzug. Sein Erscheinungsbild haute mich immer wieder aufs neue um.

Seit dem du da bistWo Geschichten leben. Entdecke jetzt