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Erschrocken sah ich Eric weiterhin an und ließ sogar fast meine Tasse fallen. Hatte er gerade gekündigt? Ging das so einfach ohne Vorwarnung? Ich wollte und brauchte keinen neuen Bodyguard! Ich vertraute Eric, ohne Zweifel. Auch wenn es anfangs schwierig war, würde ich nun mein Leben in seine Hände legen. Ich konnte mir niemanden sonst an meiner Seite vorstellen und konnte mir auch nicht mehr vorstellen ohne ihn zu sein. Eric wurde zu einem meiner engsten Vertrauten. Wir redeten viel und respektierten einander. Wieso empfand er so? Ich nahm die Mappe und warf sie ohne auch nur einen Blick hineinzuwerfen in den Müll.
-Ich vertraue dir. Ich weiß nicht wieso du den Anschein hattest, aber ich will niemandem sonst und ich werfe dir das was passiert ist nicht vor. Bitte! Mein Leben ist schon ein Scherbenhaufen, lass mich nicht einfach so zurück. Ich werde mir mehr Mühe geben und mich informieren, was ich besser machen kann.- Mein Herz schmerzte. Ich war nicht bereit seine Nähe aufzugeben. Er war das letzte Jahr jede freie Minute an meiner Seite.
-Tay, du wirst mich nicht als Freund verlieren. Wenn du möchtest, dann können wir weiterhin gemeinsam trainieren und Kaffee trinken, aber du solltest jemanden an deiner Seite haben, zu dem du ohne zu zögern gehen wirst, wenn es ein Problem gibt.- Seine Worte ergaben keinen Sinn. Er war doch diese Person für mich.
-Es tut mir leid. Alles was dich in dem Glauben gelassen hat, dass ich dir nicht vertraue, es stimmt nicht. Bitte gib mir noch eine Chance. Ich...-
-Wieso bist du gestern dann nicht zu mir gekommen? Du hättest mir sagen sollen, was los ist.-
-Ich weiß nicht. Ich hatte sowas vorher noch nie. Ich dachte wirklich Win ist da und ich wollte so viel Abstand zwischen uns schaffen wie nur irgendwie möglich. Win... also dieser Mann, der aussah wie Win, stand bei dir in der Nähe und selbst wenn Vegas bei euch gewesen wäre, hätte ich nicht anders entschieden. Es tut mir leid. Ich war nicht zurechnungsfähig. Aber ich will niemand anderen. Nächstes Mal kannst du mir sogar bis in eine Umkleidekabiene folgen.-

Der letzte Satz brachte Eric zum Lachen, was mich wahnsinnig erleichterte.
-Wenn das wirklich der Grund war, dann bitte ich dich zu bleiben. Ich will und werde mir niemand anderen suchen.-
Eric sah mich gerührt an und nickte zufrieden. -Ok, ich bleibe. Scheiße, jetzt fühle ich mich besser. Ich habe deswegen die ganze Nacht nicht geschlafen.- erzählte er mir. Wir tranken den Tee und erinnerten uns an all die lustigen und verrückten Momente, die wir gemeinsam erlebt hatten. Bis mir der Typ bei den Containern wieder einfiel.

Er nickte ernst und schob mir die andere Mappe zu. Darin befand sich ein kompletter Fallbericht mit Fotos. Der Tote hatte eine Frau und eine Tochter, die allerdings bei ihren Großeltern zu leben schien. Die Frau war Spielsüchtig und hatte schon 3 Kredite auf das Haus laufen. Aber die Großeltern wirkten aufrichtig und das Mädchen schien es dort trotz wenig Geld gut zu gehen.
-Er hat seinen Eltern jeden Monat Geld gegeben, für die Miete, Essen und für die Schule des Mädchens. Ich glaube, die Spielsucht seiner Frau hatte ihn in den Abgrund gezogen.- erzählte Eric und zeigte auf die Kontoauszüge.
-Hast du eine Idee, wie wir den Großeltern das Geld zukommen lassen können?- fragte ich und sah mir wieder das Foto an. Das Mädchen war süß. Sie wirkte schüchtern aber man sah deutlich, wie hübsch sie war. -Wir können es vorbei bringen. Ich bin sicher, die Großeltern werden nicht all zu viele Fragen stellen. Und wenn die es Bar bekommen, werden auch keine Geldeintreiber nach dem Geld suchen.-

Ich entschied mit Vegas darüber zu sprechen und den restlichen Tag in meinem Atelier zu verbringen. Ich war seit der Entführung nicht mehr dort und außerdem konnte Eric so seinen Schlaf nachholen.

Abends sah ich dabei zu, wie Vegas und Macau sich weiter wütend ignorierten, aber auch wie schuldig sich beide fühlten und wie ihre Sturheit einer Versöhnung im Weg stand. -Darf ich in mein Zimmer?- fragte Macau und sah mich traurig an. Ich stupste Vegas Bein unterm Tisch an, in der Hoffnung, dass er endlich über seinen Schatten sprang.
-Wenn du nichts mehr essen möchtest, dann kannst du gehen.- sagte er. Dieser Sturkopf! Ich wollte, dass er mit ihm spricht, aber offenbar war er noch nicht bereit dazu.

Seit dem du da bistWo Geschichten leben. Entdecke jetzt