•Marks Sicht•Auf Polnisch erklärte Natalie schließlich meiner Familie, dass sie mitkommen sollten und gestikulierte auch Lenas Mama dazu. „Wohin gehen wir?", fragte Lena verwirrt und wollte aufstehen. Ich hielt sie sanft am Arm fest und sah sie so ruhig ich konnte an. „Wir beide gehen nirgends hin", gab ich zurück. Verwirrt sah sie mich an, ehe sie kurz ihrer Mama hinterher sah. „Was ist denn jetzt?", wollte sie wieder wissen, als keiner mehr zu sehen war. Schmunzelnd stand ich auf, wischte mir die schwitzigen Hände an der Hose ab und half ihr hoch. Ich war unglaublich nervös und sie merkte das. „Kommst du mit zum Klavier?", bat ich, sie unruhig. Sie ahnte logischerweise, was ich vorhatte und ließ sich neben mir auf dem Hocker nieder. „Was hast du vor?", fragte sie dennoch vorsichtig. Mein Herz raste, ich schwitzte total und hatte kurz den Anfang des Songs vergessen. „Ähm... ich hab da was geschrieben", sagte ich zittrig. Warum konnte ich nicht ein Mal ruhig bleiben? Ungeduldig sah sie mich an. „Und ich hab grad alles vergessen", gab ich zu und wäre am liebsten im Boden versunken. Aber Lena lächelte nur zuversichtlich und umarmte mich kurz. Sofort wurde ich wieder ruhiger. Heute. Morgen. Übermorgen. So schwer war das doch nicht. „Hab's wieder", murmelte ich. Schmunzelnd ließ sie mich los aber ihr Blick lag weiter auf mir, während ich zittrig die Finger an die Tasten legte. Ein letztes Mal atmete ich tief durch ehe ich die ersten Akkorde spielte.
Guck, wie weit wir's schon geschafft haben!
Doch ich glaub' es'ist nur der Anfang.
Keine Träne ist hier umsonst!
Ich wein' vor Glück wegen dem was kommt!Während ich die Worte aussprach wurde ich mir immer sicherer bei deren Inhalt. Obwohl ich ihre Überraschung und Unruhe spürte wurde ich sicherer.
Wenn du auch denkst, dass du's nicht mehr schaffst,
Trag' ich uns zwei, nehm' dich huckepack.
Wir müssen mit uns reden, wir Dickschädel!
Und wenn ich falle wirst du mich heben!Ich legte alles in diese Worte, was ich fühlte wenn ich sie ansah und einen kurzen Blick zu ihr wagte ich. Sie spielte mit den Händen an ihrer Kette rum und hatte Tränen in den Augen. Schnell sah ich wieder auf meine Hände.
Hab' mir verboten zu glauben, das es dich gibt.
Doch jetzt kneif' ich mein' Arm in dem du grad liegst.Das war sogar tatsächlich so passiert in der einen Nacht, die wir zusammen in meinem Tourbus geschlafen hatten.
An deiner Seite will ich bleiben!
Geh durch Feuer und alle Zweifel!
Mit all den Träume und all den Sorgen!
Heute, morgen und übermorgen!
An deiner Seite will ich sein!
Uns alle Fehler verzeih'n!
Mit all den Träumen und all den Sorgen!
Heute, morgen und Übermorgen!Viel ehrlicher würde ich das hier niemals rausbekommen. Ich war mir so sicher mit ihr, ich wollte eine Zukunft mit ihr und ich sah sie auch schon ein bisschen vor mir. Auch wenn es nur Träume waren, Hoffnungen. Plötzlich hörte ich Schritte und wäre fast rausgekommen aber ich schaffte es irgendwie und machte weiter.
Ich dachte immer alles muss enden.
Doch für uns gibt's keine Grenzen.
Ich seh' 2050 vor meinen Augen.
Bin jeden Tag drauf, komm' nicht aus dem Staunen.Ich spürte Blicke auf mir. Nicht nur Lenas. Hinter uns kamen plötzlich alle wieder rein.
Natalie hatte sie nicht aufgehalten. Hilflos sah ich zu Lena, die weinte, mich aber so glücklich und hoffnungsvoll ansah, dass ich es zu Ende bringen wollte. Für sie.Wenn ich die ganze Welt verfluch' holst du mich raus, mit Raketenschub.
Und wenn wir alles vor die Wand fahren, wird jeder seh'n wie's brennt, weil wir's war'n!Das leise Tuscheln meiner Mutter konnte ich nur schwer ausblenden. Aber wenn ich Lena neben mir hatte, spürte ich, wie wichtig sie mir war. „Mach einfach weiter", murmelte sie so leise, dass nur ich sie hören konnte.
Hab' mir verboten zu glauben, das es dich gibt.
Doch jetzt kneif' ich mein' Arm in dem du grad liegst.Ich war wieder drin, völlig im Song und ließ mich fallen. Meine Familie blendete ich aus so gut es ging.
An deiner Seite will ich bleiben!
Geh durch Feuer und alle Zweifel!
Mit all den Träume und all den Sorgen!
Heute, morgen und übermorgen!
An deiner Seite will ich sein!
Uns alle Fehler verzeih'n!
Mit all den Träumen und all den Sorgen!
Heute, morgen und Übermorgen!Gleich war es geschafft. Noch ein paar Akkorde. Ich hatte ihr meine Worte klarmachen können. Meinen Song. Letztes Jahr „Satellite", heute „Übermorgen", was sollte nächstes Jahr kommen? Momentan wusste ich es nicht aber es war auch egal. Denn jetzt war ich hier, mit Lena und sang ihr diesen Song.
Heute, morgen und übermorgen!
Heute, morgen und übermorgen!Es war geschafft. Mit rasendem Puls nahm ich meine Hände vom Klavier und spürte sofort ihre Arme um mich. Ihr Körper bebte vom Weinen und sofort hielt ich sie auch fest. Ein vorsichtiges Klatschen drang an mein Ohr und bei einem kleinen Blick hinter uns sah ich, dass wirklich alle wieder drinnen waren. Ein kleines bisschen sauer sah ich Natalie an, die eigentlich dafür sorgen wollte, dass wir allein sind aber da war wohl was schief gelaufen. Irgendwie konnte ich ihr aber nicht wirklich böse sein, wenn ich Lena hier so im Arm hatte. „Ich liebe dich, ich liebe dich so sehr", flüsterte sie und weinte immer noch. Ich versuchte sie ein bisschen zu beruhigen auch wenn es Freudentränen waren. Irgendwann mussten wir uns lösen und standen dann etwas verlegen unter den Blicken aller auf. Sofort schmiegte sie sich wieder an meine Seite, sodass ich einen Arm um sie legte. „Tut mir leid", brach Natalie die Stille. „Schon gut...", gab ich nur zurück. Jetzt war es auch egal. Lena sah mich fragend an. „Eigentlich wollte ich mit dir allein sein", gab ich zu. „Wieso? Das war so schön, das fanden wir auch alle", meinte Mama verständnislos. Typisch Mama. Ich sagte schon gar nichts mehr dazu. Der Rest meiner Familie stimmte ihr aber sofort zu. „Es war wirklich schön", lächelte auch Lenas Mama, die aber wohl verstand, dass wir lieber allein gewesen wären. Dankbar lächelte ich ihr kurz zu. „Gehen wir rüber?", flüsterte Lena mir zu. Wortlos stimmte ich ihr zu. „Seid uns nicht böse aber wir gehen schon mal ins Bett", erklärte ich also. Alle nickten diesmal verständnisvoll und so machten wir uns auf den Weg ins andere Haus.
Wieso wollten er wohl lieber allein mit ihr sein?🤔😂
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Der Weg des Lebens
FanfictionAlles beginnt mit einer Wanderung zu sich selbst gespickt mit Erinnerungen und neuen Gedanken. Was daraus entsteht ist bei Erreichen des Ziels jedoch noch immer fraglich. Eine Geschichte aus Sicht von Mark Forster. Auszug aus Teil 15: Sofort saß ich...