188. Nichts ist umsonst-auch der Tod kostet am Ende das Leben

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  Kapitel 188

Minerva streckte ihre Hand vorsichtig nach der am Boden zerstörten jungen Frau aus. Kaum, dass sie die Schulter berührte, schlug Hermine sie weg. Die junge Gryffindor bemühte sich, nicht zu zittern, sie wollte weg und konnte es doch nicht. Das Blut löste Brechreiz bei ihr aus und sie verlor den letzten Hauch gesunder Gesichtsfarbe. McGonagall zog sie gewaltsam weg. Anfangs wehrte Hermine sich etwas, doch schnell schwand die Gegenwehr vollends.

„Kommen Sie, wir gehen zurück ins Schloss.“, meinte die Schulleiterin leise, Hermine nickte apathisch, hielt Severus‘ Zauberstab und die Phiole fest umklammert. Die ältere Hexe war besorgt und brachte Hermine bis zum Schlafsaal, verabschiedete sich dann knapp und ließ die junge Frau allein. Bereits morgen sollten sie abreisen. Hermine ging jedoch nicht ins Bett, sondern setzte sich im Gemeinschaftsraum direkt vor den Kamin, legte den Zauberstab und die Phiole vor sich. Lange Zeit betrachtete sie beides nur, dann zog sie ihren Zauberstab und legte einen Zauber über das schwarze, lange Holz, welches vor ihr lag – sie wollte wissen, was sein letzter Zauber war.

„Ein Patronus-Zauber? Ich habe nirgends eine Hirschkuh gesehen… der Löwe. Der Löwe, der uns geschützt hat, war seiner… deshalb war er mir so vertraut.“, wisperte Hermine. Dann fiel ihr Blick auf die Phiole – wenn er sich nicht selbst hatte verschwinden lassen können, dann wäre vielleicht die Phiole des Rätsels Lösung. Hermine nahm sie vorsichtig in die Hand – kein Tropfen war mehr darin. Langsam drehte sie den kleinen Glasbehälter, betrachtete ihn von allen Seiten und doch fiel ihr nichts Besonderes auf, ihr kam auch kein Trank in den Sinn, der eine Person verschwinden lassen würde. Selbst mit Severus‘ Wissen kam sie zu keiner Lösung. Traurig sah sie ins Feuer und erinnerte sich an die Abende mit ihm – er hatte ihr so viel gegeben. Seine Worte schallten durch ihren Kopf.

… die Spitzen der Flammen lenken uns ab, zerstreuen unsere Gedanken… Ich will nicht, dass dir irgendjemand wehtut – auch ich nicht… Ich liebe dich… kleine Gryffindor…

Zum ersten Mal fiel ihr das „kleine Gryffindor“ wirklich auf. All die Jahre hatte er sie so genannt, wenn sie allein waren und nie war es ihr so deutlich aufgefallen – sie hatte es einfach hingenommen, dass er ihr diesen Rufnamen gab. Hermine fragte sich, ob er es je bemerkt hatte oder ob es seinerseits Absicht war, sie so zu nennen. Sie kam zu keiner Lösung. Schleichend überkam sie nun doch die Müdigkeit und sie spürte überhaupt, wie ausgelaugt sie war. Sie sammelte den Zauberstab auf und erhob sich, die Phiole hielt sie nach wie vor in ihrer Hand, ging dann in ihren Schlafsaal, wo sie übermüdet in unruhigen Schlaf dämmerte. Es war eine quälende Nacht für Hermine und sie konnte sich kaum wirklich erholen, als sie jedoch aufwachte, war sie körperlich nahezu fit. Sie seufzte traurig, nun hatte sie mehr von Severus als sie wollte und doch fehlte ihr noch so viel – er. Es dauerte nicht lange, dann war Hermine fertig angekleidet, packte zügig und leise ihren Koffer, ging dann in die Große Halle hinab. Sie hatte kaum einen Blick in den Spiegel gewagt, denn sie hatte große Angst vor dem gebrochenen Blick und dem zerfetzten Herzen, welches dadurch zu sehen wäre. Nun war ihr Blick leer von ihren Gefühlen, ganz so wie es bei Severus bis zuletzt war. Die Große Halle war so gut wie leer, doch sah es darin aus wie immer. Die langen Tische und Bänke standen dort, auf dem Podium stand der Lehrertisch und dahinter die Stundengläser. Die Lehrkräfte waren wohl früh aufgestanden um aufzuräumen. Hermine hatte bereits auf den Fluren mehrere Elfen und auch Filch gesehen. Sie putzten. McGonagall saß am Lehrertisch – bisher allein. Die Schulleiterin sah zu Hermine, doch diese nickte ihr nur knapp zu, setzte sich dann und nahm einen Schluck Kaffee. Die beiden wirkten verloren in der Großen Halle. Minerva haderte mit sich, doch dann erhob sie sich und kam zu der jungen Gryffindor, setzte sich, nachdem sie um Erlaubnis gebeten hatte, neben sie.

„Guten Morgen, Miss Granger. Wie fühlen Sie sich?“, sagte Minerva und Hermine hob ihren Blick, beinahe hätte sie ihren Respekt der Älteren gegenüber vergessen.

7 Jahre bis zum Glück oder Sturheit und Liebe das dauert...Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt