69. Wenn Gedanken sich nicht verdrängen lassen

2K 109 25
                                    

Kapitel 69

Sie ging an ihm und dann auch an Ron vorbei und lief die Treppen hinauf zum Gryffindor-Turm. Dort ging sie in ihren Schlafsaal und warf sich auf ihr Bett, jetzt überrollten sie so manche Gedanken...

__________________________________________________________________________________

... Wie lange muss ich jetzt lügen? ... Das darf doch alles nicht wahr sein, ich muss träumen... wahrscheinlich liege ich im Koma oder dergleichen... das kann doch nicht sein... Das wirkt alles so irreal... Ich und lügen – bis vor kurzem habe ich dafür eine halbe Ewigkeit gebraucht und heute? Heute kommt mir eine Lüge fast schneller über die Lippen als die Wahrheit... Hoffentlich gibt Malfoy jetzt wenigstens Ruhe. Professor Snape darf keine schlimme Strafe bekommen... er hat überhaupt keine Strafe verdient... es ist schon schlimm genug, dass er sich wieder Vorwürfe macht. Er hat es zwar nicht gesagt und würde es mir gegenüber wohl auch nie zugeben, aber seine Augen haben ihn verraten...

Momentmal? Seit wann sehe ich in seinen Augen so viel? Ob ich mir das alles nur einbilde, weil ich nicht glauben will, dass er ein schlechter Mensch ist? Es muss so sein... in seinen Augen liegt sonst nur Kälte und Leere – nichts weiter, gar nichts... Erst rechte keine Sorge, keine Schuld... Aber... seine Augen waren voller Sorge, nie habe ich das gesehen... in seinem Labor... Er kam zu mir und sein Blick hat meinen gesucht, er war so sorgenvoll und ... da war auch Angst. Es waren nicht nur seine dunklen Augen, kein kalter, gleichgültiger Blick... er hat meine Hand gefasst...

Hermines Erinnerungen an den Abend kamen schleppend wieder und sie konnte sich nun langsam daran erinnern, wie alles passiert war. Sie erinnerte sich an den vermeintlichen Snape, der ihr die Phiole gab, an ihre Arbeit in Snapes Labor, dass große Ähnlichkeit mit seinem Büro aufwies und eben auch daran, wie sie den Trank nahm und er es zu verhindern versuchte.

Hermine du bist wirklich dämlich! ... Sein Blick hätte dich wachrütteln müssen! Du hättest verstehen müssen, dass er ihn dir nicht gegeben hat... außerdem hat er dir bisher immer einfache Phiolen gegeben und nicht solch verschnörkelte... Wie konnte ich nur Draco vergessen?... Ich habe doch nicht wirklich geglaubt, er hätte es so einfach vergessen oder seinen Plan, sein Versprechen so einfach in den Wind geschossen? ... Ich bin wirklich naiv gewesen...

Dann schloss sie die Augen und atmete tief durch. Es kam ihr auf einmal so idiotisch vor, dass sie geglaubt hatte, Snape würde ihr etwas schenken und doch erinnerte sie sich daran, dass er ihr auch den Schmerztrank zum See gebracht hatte. Sie öffnete ihre Augen wieder und drehte ihren Kopf zu ihrem Nachttisch, dort lag Ginnys Geschenk, die einfache Haarnadel aus Holz.

... sie gehörte seiner Mutter... demnach muss sie tot sein...Aber er ist doch gar nicht so alt? ... Warum wollte er sie nicht zurücknehmen?

Sie griff nach der Nadel und legte sie in ihre Hand, strich sanft darüber und sah sich das Muster an, welches im Holz ein wunderschönes ‚S' formte, dann noch die winzigen Steine, die wirklich eine Rose formten.

... sie ist so wunderschön... ist Ginny das S gar nicht aufgefallen? Ich muss sie unbedingt fragen, wo sie die Nadel gekauft hat und was der Verkäufer dazu gesagt hat... ich kann nicht verstehen, warum Professor Snape sie weggegeben hat...Er sagte, seine Mutter hätte Rosen geliebt und sie hat ihre Haare sicher oft mit dieser Nadel hochgesteckt... das ist eine Erinnerung an sie – die er nicht will?...

Seine Kindheit scheint nicht gerade rosig gewesen zu sein... Deshalb wohl auch das Buch von Professor Dumbledore! Er als sein Pate müsste von Snapes Kindheit und Jugend wissen... Selbst in den dunkelsten Zeiten... Es muss schlimm gewesen sein. Er hat auch gesagt, er habe von seinen Eltern geträumt, in der Nacht, als ich ihn geweckt habe... aus einem Alptraum gerissen habe...

7 Jahre bis zum Glück oder Sturheit und Liebe das dauert...Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt