Kapitel 9

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Die nächsten Tage, liefen gut und ohne grosse Zwischenfälle. Sie kamen gut voran. Mussten sie auch. Denn die Tour stand kurz bevor. Noch eine Woche, dann ging es los. Riku hatte sich gut in die Songs eingefügt und auch in der Band seinen Platz gefunden. Doch je näher die Tour kam, desto nervöser wurde er. Es ging jetzt auch darum, seinen Platz auf der Bühne zu finden und auch in den Augen der Fans, zur Band dazu zugehören. Dementsprechend, passierten ihm, ausgerechnet ein paar Tage, bevor es los ging und Mikko mal wieder rein schaute, die dümmsten Fehler. Alles was sass, klappte jetzt nicht mehr. Kaum orderte Samu eine Pause an, war Riku auch schon nach draussen verschwunden. Mikko wollte ebenfalls gerade zur Tür raus, um ihm zufolgen, als ihn Samu noch kurz zurück hielt.
„Sei nicht zu hart zu Riku. Die Nervosität macht ihm zuschaffen. Es klappte alles. Bis auf heute.“
Mikko nickte nur.
„Na Riku, alles in Ordnung bei dir?“ Mikko stellte sich neben ihn und zündete sich eine Zigarette an. Dieser zog einmal heftig an seiner und stiess dann geräuschvoll den Rauch aus seinem Mund. „Das deute ich mal als nein.“
„Was ist, wenn sie mich nicht als neues Mitglied der Band akzeptieren? Was ist, wenn ich die Tour vermassel, weil ich lauter Fehler mache?“ Riku sah Mikko fragend an.
„Ist das der Grund, für deine Leistung heute?“
„Das und noch tausend Fragen und Gedanken mehr.“ Riku hatte schlaflose Nächte deswegen.
„Und die wären?“ Mikko sah es seinem Gitarristen an, dass ihn tausend Dinge beschäftigten. „Komm schon, vielleicht kann ich dir ja dabei helfen.“
Riku seufzte. „Was ist, wenn ich euch alle enttäusche? Ich meine, ihr setzt alle so viel auf mich. Was, wenn ihr merkt, dass es doch nicht das Gelbe vom Ei ist?“
„Das sind deine Ängste, die dich so sehr blockieren, dass du alles verhaust, was zuvor noch gut lief?“
Riku nickte geknickt. Er wusste ja eigentlich selber, dass es bescheuert war. Aber er konnte nichts dagegen tun.
„Du wärst gar nicht hier, wenn wir nicht überzeugt wären. Oder sagen wir mal so, wäre Samu nicht, von Anfang an, überzeugt gewesen. Kaum, hattest du das Studio betreten. Er hat einen Song mit dir geschrieben. Da kannst du dir echt was darauf einbilden.“
„Genau das, ist es ja. Ich möchte gerade ihn, nicht enttäuschen.“, es wäre gerade das Schlimmste für Riku, seinen neuen besten Freund, deswegen zu verlieren.
„Riku, ganz ehrlich. Ich glaube, gerade du, kannst Samu nicht enttäuschen. Ich habe keine Ahnung, was das, zwischen euch ist, aber Samu hält grosse Stücke auf dir. Wurde er jemals laut oder ungeduldig, weil mal wieder etwas nicht lief, in den Tagen, in denen ihr geprobt habt?“ Riku schüttelte den Kopf. „Siehst du. Samu kann manchmal sehr ungeduldig und pingelig sein, wenn es um sein Baby, die Musik, geht. Doch in deiner Gegenwart, scheint er die Ruhe selbst zu sein. Das ist echt erstaunlich. Und uns allen, gefällt der 'neue' Samu. Also schieb deine Zweifel, Ängste, Fragen und was auch immer, beiseite. Dann wird es auch klappen. Geh in die Sauna und entspann dich. Wenn es dir dann besser geht, nimm Samu mit. Du weisst ja, in der Sauna, entstehen die besten Gespräche.“, zwinkerte Mikko ihm zu und drückte seine Zigarette aus. „Nimm dir noch ein paar Minuten.“
„Danke!“, darauf Riku, bevor Mikko im Inneren des Studios verschwand. Riku atmete tief durch. Mikko hatte Recht. Wahrscheinlich mit allem, was er gesagt hatte. Wenn er sich noch mehr solche unnötigen Gedanken machte, würde er es ohnehin vermasseln. Sauna klang gut. Da war er schon zu lange nicht mehr. Zumindest nicht in Gesellschaft. Riku nahm sich vor, Samu heute noch zu fragen. Vielleicht könnten sie noch das ein oder andere besprechen und Samu ihm seine Bedenken und Ängste nehmen, in dem er ihm die Fragen stellte, die ihn beschäftigten. Eigentlich freute sich Riku nämlich auf die Tour und war total gespannt. Wenn nur diese verdammte Nervosität und die Angst zu versagen, nicht wären. Die hatte er erst, seit dieser Sache mit seiner Ex Freundin. Riku hatte sich immer wieder gefragt, was er falsch gemacht haben könnte, dass sie einen anderen brauchte. Was er zu wenig getan hatte. Und nun begleiteten ihn diese Ängste, auch in anderen Bereichen, zu versagen und nicht genug zu geben.
Das es nun auch auf die Musik über ging, machte Riku jedoch beinahe wahnsinnig. Aus dem einzigen Grund, weil die Musik das war, worin er sich immer sicher war. Nie zweifelte er an der Musik. Bis vor einem Jahr. Das musste aufhören, ab heute. Entschlossen, löschte Riku seine Zigarette und ging ebenfalls wieder ins Studio, um sich jetzt voll und ganz, auf seine neue Lebensaufgabe zu konzentrieren.

Der Rest der Proben, bevor es los ging, verlief ohne grosse Zwischenfälle. Das mit der Sauna, musste leider auf Eis gelegt werden. Zuviel war noch los und musste erledigt werden, bevor es ab nach Deutschland ging.
Riku bekam seinen Kopf, mehr oder weniger wieder frei und hatte auch seine Nervosität recht gut im Griff. Zumindest während den Proben. Die Nacht vor dem Tourstart, war die Hölle. An Schlaf, war kaum zu denken. Und wenn doch, dann plagten Riku Albträume. Dementsprechend, sah rr auch aus, als sie sich auf dem Flughafen trafen.„Geht es dir gut, Riku?“ Samu sah seinen Freund besorgt an.
„Ja, ja, geht schon. Nur etwas schlecht geschlafen.“ Riku legte ein Lächeln auf seine Lippen, welches ihm aber Samu nicht abkaufte. Er würde Riku im Auge behalten. Dumm nur, dass sie Einzelzimmer hatten. Gerade jetzt am Anfang, wäre es für Riku sicher besser gewesen, wenn er nicht ganz allein war. Auch wenn er scheinbar gerade die Abgeschiedenheit suchte. Kaum sassen sie Flugzeug, steckte er sich seine Kopfhörer in die Ohren und schloss die Augen. Samu würde ihn jetzt einfach mal in Ruhe lassen.
Riku war froh, hatte er noch eine Nacht, vor dem Konzert. Obschon er eigentlich schon wusste, dass die bestimmt nicht viel besser ausfallen würde, als die Letzte. Riku sollte natürlich Recht behalten. Nach einer kurzen Besichtigung des Clubs und einem ebenso kurzen Nachtessen, zogen sich alle in ihre Zimmer zurück. Eine gewisse Anspannung, war bei allen zu spüren.
Schweissgebadet, wachte Riku am nächsten Morgen auf. Er hatte das Gefühl, keine noch so kleinste Sekunde geschlafen zu haben. Was natürlich nicht so war. Dementsprechend gerädert, schlurfte Riku ins Bad und stellte sich unter die Dusche. Wer hatte seinen Körper heute Nacht mit Blei gefüllt? Denn genauso, füllte es sich gerade an. Nach einer ausgiebigen Dusche, kroch Riku noch einmal unter die Decke. Er verpasste sogar das Frühstück, was Samu, dessen Sorgen sich noch nicht gelegt hatten, stutzig werden liess. Er liess sich dann jedoch von den anderen überzeugen, dass er ihm noch etwas Schlaf gönnen soll. Samu würde ja dann sehen, wie Riku drauf war, wenn sie sich im Club trafen.
Samus ungutes Gefühl, blieb jedoch und wurde auch nicht besser, je mehr der Tag voran schritt und je näher der Soundcheck kam. Auch Riku spürte, wie seine Nervosität stärker wurde. Gequält, kam er gerade so aus dem Bett raus. Er wollte doch noch einmal unbedingt den einen Song durchgehen. Also packte er seine Gitarre aus. Die pure Verzweiflung packte Riku, als er keinen Griff zustande brachte, geschweige denn einen Ton aus seiner Gitarre kitzeln konnte. Es war der blanke Horror.
„Scheisse!“ schmiss Riku die Gitarre auf das Bett und fuhr sich mit zittrigen Fingern durch die Haare. Wie sollte er so spielen? Ein Gitarrist, der seine Gitarre nicht halten konnte, war ja die Lachnummer schlechthin. Und wieder kam Riku der Traum in den Sinn, welchen er, seit ein paar Tagen, immer wieder hatte. Würgend stürzte Riku ins Bad.

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