Kapitel 144

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„Hast du keine Meinung zu dem Ganzen?“ Wollte Samu jetzt doch noch von Riku wissen, als sie wieder Zuhause waren. „Du kennst meine Meinung dazu.“ Wandte er sich erstaunt zu ihm um. „Das ist alles? Mehr hast du nicht zu sagen?“ – „Was soll ich denn mehr dazu sagen?“ Riku hatte keine Lust, noch weiter darüber zu sprechen. Das Thema ‘The Voice’, nahm schon jetzt einen viel zu grossen Stellenwert ein. „Keine Ahnung. Rede es mir aus oder was weiss ich.“ – „Das werde ich ganz bestimmt nicht tun. Genauso wenig, wie ich dich damals vor ein Ultimatum gestellt habe.“ Riku nahm einen grossen Schluck Wasser. „Und jetzt habe ich keinen Bock mehr, darüber zu sprechen. Falls es aber jetzt, den Rest von unserem Urlaub, kein anderes Thema mehr gibt, dann kannst du alleine Urlaub machen.“ Riku liess Samu stehen. „Danke auch, dass du mich mit diesem ganzen Scheiss alleine lässt.“ Reagierte Samu wütend. „Alleine? Ist das dein verdammter Ernst?“ Riku blieb abrupt stehen und drehte sich zu Samu um. „Wer ist die ganze Zeit da und hört dir zu? Ja wohl ich oder? Die Entscheidung kann ich dir aber nicht abnehmen. Und darin beeinflussen will ich dich nicht. Alles was ich kann, ist dich in deiner Entscheidung zu unterstützen. Egal wie sie ausfällt. Was willst du also noch?“ – „Vielleicht einmal die Wahrheit, wie du dazu stehst und darüber denkst. So für den Anfang.“ – „Wozu?“ – „Weil es mir wichtig ist. Herrgott noch mal. Ist das so schwierig?“ Mit einem lauten Knall, stellte Samu die Wasserflasche auf den Tisch. „Dann lass es halt. Aber beschwer dich hinterher nicht, ich hätte nicht auf deine Bedürfnisse geachtet.“ Ging Samu an Riku vorbei. „Du willst es wirklich wissen?“ – „Ja verdammt noch mal! Sonst würde ich nicht fragen.“ Samu verlor gleich die Geduld. Es war doch eine einfache Frage. „Ich verfluche diesen Augenblick, als Mikko mit diesem beschissenen Angebot daher kam. Weil es schon jetzt, einen viel zu grossen Stellenwert hier ein nimmt. Wie soll das erst werden, wenn es dann tatsächlich Alltag ist? Ausserdem habe ich die selben scheiss Ängste wie du. Aber irgendwer, muss ja noch einen einigermassen klaren Kopf behalten. Und jetzt lass mich mit dem ganzen Scheiss zufrieden.“ Liess Riku seinen Freund stehen und verzog sich in seinem Musikzimmer. Mit einem lauten Knall und dem Klicken des Schlüssels, kehrte Ruhe im Hause Haber und Rajamaa ein. Eine ungemütliche Ruhe. Samu raufte sich durch die Haare. Eigentlich hätte er es besser wissen müssen. Natürlich machte sich Riku die selben Gedanken und plagten ihn die selben, wenn nicht noch die grösseren Ängste. Samu sollte ihn doch gut genug kennen. Diese ganze Entscheidung, hatte ihn jedoch schon so sehr in seinen Fängen, dass er nicht so weit überlegt hatte. Sein Schatz nahm sich, für ihn, zurück. „Samu, du bist so ein Arsch!“ Gab er dem Stuhl, der nicht ganz am Tisch stand, einen Tritt, dass er geräuschvoll zu Boden fiel. Jetzt mit Riku reden zu wollen, hatte jedoch keinen Sinn. Er haute in die Saiten seiner Gitarre und hatte die Welt um sich, draussen vor der Tür gelassen. Es blieb Samu nichts anderes übrig, als zu warten. So schwer ihm das jedoch gerade fiel. Das hatte er sich selbst zu zu schreiben. Es war früher Abend und eigentlich hatte Samu Hunger. Also ging er zurück in die Küche und schmiss ein paar Nudeln und dazu ein paar Würstchen in die Pfanne. So konnte Riku dann auch noch was essen, falls er heute mal noch aus dem Keller kam. Mit einem Glas Wein und einem vollen Teller, setzte sich Samu aufs Sofa und zappte sich durch das Abendprogramm, bis er bei etwas halbwegs interessantem, hängen blieb. Seine Gedanken waren jedoch im Keller, bei seinem Löckchen. Samu hatte keine Ahnung, wie lange er schon da sass und teilnahmslos in die Glotze guckte, als Riku im Wohnzimmer erschien. Samu sah auf und der Anblick, liess sein Herz kurz zusammen zucken. Riku sah ziemlich verschwitzt aus und seine Augen sagten Samu, dass er geweint hatte. „Ich hab Nudeln und...“ – „Ich hab keinen Hunger.“ Kam tonlos von Riku. „Aber du musst doch...“ - „Ich muss gar nichts.“ Unterbrach Riku Samu erneut. Schnaubend verschwand er in der Küche und hängte die Wasserflasche an, die dort auf dem Tisch stand. In einem Zug, leerte er sie fast komplett. Wortlos ging er nach oben. Er hörte nur noch, bevor er die Tür zum Schlafzimmer schloss, wie Samu einen verärgerten Laut von sich gab und danach wohl die Fernbedienung Flugstunden durch das Wohnzimmer nahm. Seufzend lehnte sich Riku gegen die Tür. Er wollte jetzt einfach nur noch schlafen und diesen scheiss Tag vergessen. Zumindest Teile davon. Kurz im Bad verschwunden, kuschelte Riku sich unter die Decke. Auf Samus Seite. Umschloss dessen Kissen fest mit seinen Armen und atmete Samus Duft, fest in sich ein. Wenn dieser wüsste, wie ihn die Angst vor dem, was im Sommer auf sie zu kommen könnte, beinahe in Panik ausbrechen liess, würde er ihm diese Fragen nicht stellen. Und eigentlich sollte Samu ihn so gut kennen, um es zumindest zu ahnen, dass es ihn nicht so gelassen lässt, wie er tut. Tränen verliessen Rikus Augen und versickerten in Samus Kissen. Der Duft hüllte Riku ein und trug ihn in einen unruhigen Schlaf.
Samu räumte noch die Küche auf, bevor er ebenfalls nach oben ging. Vorsichtig öffnete er die Tür. Gleichmässiges Atmen war zu hören. Leise schlich er ins Bad. Als er fertig war, blieb Samu in der Tür stehen und betrachtete seinen Schatz, im schummrigen Schein, der aus dem Badezimmer drang. Ein Lächeln legte sich auf sein Gesicht. Wie süss Riku doch aus sah. So fest unter die Decke gekuschelt und mit seinem Kissen im Arm. Da musste er sich wohl mit wenig Platz begnügen. Geschah ihm recht. So arschig, wie er sich verhalten hatte. Bevor er das Licht im Bad löschte, knipste er die kleine Lampe auf dem Nachttisch an. Tief atmete Samu durch. Dem Drang, durch Rikus Locken zu streichen, konnte er nicht widerstehen. „Ich liebe dich!“ Hauchte er ihm einen Kuss in den Nacken und versuchte es sich, so gut wie möglich, bequem zu machen. Riku lag beinahe quer im Bett. Doch schaffte Samu es doch noch, sich ein bisschen Platz zu verschaffen und schlief auch gleich darauf ein.

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