„Wir könnten mal wieder Skifahren gehen.“ Unterbrach Samu die Stille, die seit der Heimfahrt, herrschte. „Nach Silvester?“ – „Ja. Irgendwann danach. Was denkst du?“ Riku nickte gedankenverloren. „Wir können es ja noch besprechen.“ Samu war zu müde, um jetzt mit Riku zu diskutieren. Ausserdem brachte es oftmals nicht, mit ihm über etwas zu sprechen, wenn Riku sich gerade, über irgendwas den Kopf zerbrach. Und das tat er. Rikus Abwesenheit, die ganze Zeit, seit Samu im Auto noch einmal das Thema Urlaub und weg fahren, abgesprochen hatte, sagte mehr als tausend Worte. Dazu dieser ganz spezielle Gesichtsausdruck. Samu gab Riku einen Kuss und kuschelte sich unter die Decke. Dieser atmete tief durch und gab Samu einen Kuss auf die Haare, bevor er seine Arme um ihn schlang. Wollte er weg mit Samu? Irgendwohin, wo sie wieder aufpassen mussten? Riku wusste es nicht. Eigentlich nicht. Und wenn, dann würde er es nur für Samu tun. Im Moment wollte er Samu einfach nicht teilen. Nicht in der Öffentlichkeit und mit Menschen, die nichts von ihnen wussten. Riku wusste nicht, warum gerade jetzt, seit der letzten Tour dieses Bedürfnis so stark war. Wenn es nach ihm ginge, würde Riku sich am liebsten irgendwo hin, mit Samu verziehen. Sunrise Avenue, Band sein lassen und glücklich und zufrieden leben, bis ans Ende ihrer Tage. Gedankenverloren strich Riku durch Samus Haare, der schon friedlich an seiner Brust schlummert. Glücklich. Samu würde niemals vollends glücklich werden, ohne die Musik. Ohne das Leben mit der Band. Das wusste Riku nur zu gut. Samu war für diesen Traum geboren. Er kämpfte zu viele Jahre für seinen Traum. Und er wäre der allerletzte Mensch auf dieser Welt, der ihm da im Weg steht. Niemals würde Riku Samu vor die Wahl stellen. Niemals mehr, verbesserte Riku seine Gedanken. Tat er dies doch schon mal. Denn, so sehr Samu ihn auch liebte, die Wahl würde auf die Musik fallen. Immer. Und wenn auch nicht sofort, würde irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem Samu es bereuen und dann ihm die Schuld geben würde. Das wollte Riku nicht. Dann doch lieber, dass es so weiter geht wie bis jetzt. Mit der Aussicht, dass irgendwann alles öffentlich wird. Wann, stand in den Sternen. Doch im Moment, konnte Riku damit auch noch gut leben. Vorausgesetzt, sie hatten genügend gemeinsame Zeit, wie die letzten Tage. Und auch während der Tour, ihre wenn auch kurzen Zeitfenster, um die Normalität zu leben. Riku hatte sich schon einmal überlegt, ob es einfacher wäre, würden sie nicht immer so nah aufeinander sitzen. Wenn er einen normalen Job hätte und Samu als Musiker unterwegs war. Doch im Moment, wäre es für Riku unvorstellbar, so lange Zeit, getrennt von Samu zu sein. Wenn er immer allein hier sein müsste, würde Riku wahnsinnig werden, durch die ganze Grüblerei. Sein kleiner, fieser Freund, die Eifersucht, würde das Übrige dazu beitragen. Also nein. Das war ganz und gar keine Option. Nicht einmal eine, um darüber nach zu denken. Zumindest nicht im Moment. Und es sah ja auch nicht aus, als müsse er überhaupt darüber nachdenken. Warum, konnte er es nicht einfach bleiben lassen? Verärgert über seine Gehirnwindungen, die manchmal einfach nicht still stehen wollten, seufzte Riku. Drückte Samu noch einen Kuss in die Haare und kuschelte sich fester an ihn. „Ich liebe dich!“ Flüsterte Riku und versuchte, sein Gedanken Karussell zu ignorieren und endlich auch zu schlafen.
Als Samu erwachte, war die Seite neben ihm leer. Dabei hätte er gerne noch etwas gekuschelt. Doch Riku schien es schon früh aus dem Bett getrieben zu haben. Samu spürte bereits gestern Abend, als sie nach Hause fuhren und auch danach, dass er ungewöhnlich Still und in sich gekehrt war. Verschlafen tappste Samu nach unten. Es war still. Fast schon zu still, dafür dass schon jemand auf sein sollte. Die Küche, wo Samu seinen Schatz vermutete, war leer. Er strich sich durch die wilden Haare. Dabei blieb sein Blick draussen auf der Terrasse haften.
Mit einem Kuss auf Rikus Locken, setzte sich Samu neben ihn. Riku sah kurz zu ihm rüber, bevor er seinen Blick wieder ins Nichts schweifen liess. Eine Weile, blieben sie schweigend sitzen. Bis Samu etwas näher an Riku rutschte. „Was bedrückt dich, Rik?“ Riku atmete tief durch. „Ich möchte nicht mit dir weg fahren. Zumindest nicht in die Schweiz oder nach Österreich zum Skifahren.“ – „Und das kannst du mir nicht einfach so sagen?“ Samu musste Riku jetzt einfach nahe sein. Weshalb er noch näher rutschte. „Es ist nur, weil...Ich kann...ich will dich, im Moment einfach nicht teilen. Nicht mit einer grossen Menschenmenge, die wir nicht kennen und unter denen wir nicht uns sein können.“ – „Dann...“ – „Und es macht mir eine scheiss Angst, dass ich gerade so klammere.“ Liess er Samu nicht einmal zu Wort kommen. „Angst, dass es noch stärker wird. Angst, dass dir das auf einmal zu viel wird. Aber ich kann einfach nichts dagegen tun. Denn je mehr ich versuche, mich dagegen zu stellen, desto mehr klammere ich.“ Riku verfiel in einen richtigen Redefluss. Das kam sehr selten vor. „Rik! Hey, sieh mich mal an. Bitte!“ Riku drehte sich zu Samu. „Du weisst schon, dass du manchmal ein echter Idiot bist?“ Liebevoll sah Samu seinen Schatz an. „Du musst doch einfach mit mir sprechen. Dann bleiben wir einfach Zuhause oder fahren von hier aus, irgendwohin in den Norden.“ Samu zog Riku in seine Arme. „Und zu deiner Angst.“ Seine Lippen, küssten sich über Rikus Hals. „Du klammerst doch nicht. Ich geniesse jeden Augenblick, den ich mit dir verbringen kann. Und wenn ich dich nicht teilen muss, bin ich auch froh.“ Samu grinste leicht. „Und jetzt schieb mal deine trüben Gedanken weg. Bitte!“ – „Tut mir leid!“ Liess sich Riku in Samus Arme fallen. „Alles gut, Schatz. Wollen wir frühstücken, wenn wir jetzt ohnehin schon wach sind?“ – „Lass uns noch etwas hier sitzen.“ Sie waren, für ihre Verhältnisse so früh, dass sie jetzt sogar die Sonne aufgehen sahen. „Ist sonst noch etwas, Rik?“ Samus Antennen, waren heute wieder unglaublich empfindlich eingestellt. „Nein“, sagte Riku. „Du würdest es mir sagen, wenn doch?“ Riku sah Samu an. „Ja, das würde ich.“ – „Und warum habe ich gerade das Gefühl, dass du mir nicht die Wahrheit sagst?“ Riku löste sich von Samu und setzte sich so hin, dass er ihn richtig an sehen konnte. „Weiss ich nicht. Doch es ist nichts mehr. Ausser dem, was ich dir eben gesagt habe. Und jetzt lass uns das Thema wechseln.“ Samu nickte zwar. Seine Falten auf der Stirn, blieben jedoch. „Würdest du mich bitte nicht so ansehen?“ Vergrub Riku sein Gesicht an Samus Schulter. Er mochte diesen kritisch, durchdringenden Blick nicht. Samu atmete tief durch. Er musste Riku jetzt einfach vertrauen. „Versprochen. Wenn du mir versprichst, mit mir zu sprechen, wenn das Karussell in deinem Kopf, wieder munter seine Kreise dreht.“ Riku entwich ein Lachen. Das Gesicht immer noch versteckt. Nickte er jedoch. „Gut.“ Strich Samu durch Rikus Locken. „Ich will doch nur, dass es dir gut geht, Schatz.“ – „Es geht mir doch gut. Aber manchmal führt mein Kopf nun mal ein Eigenleben. Das weisst du doch. Doch...“ Riku setzte sich etwas anders hin. „Ich bin gerade so glücklich wie noch nie. Was vielleicht auch der Grund ist, weshalb ich dich im Moment, ganz egoistisch, nur für mich haben will.“ Riku sah zu Samu hoch. Dieser grinste. „Was soll ich darauf nur sagen? Ausser, dass du der süsseste Kerl bist, den ich kenne.“ Samu strich über Rikus Lippen. Dieser seufzte. Jedes Mal, wurde er zu weicher Butter, in Samus Armen. „Erfüllst du mir einen Traum? Wenn es auch nicht DER Traum ist.“ – „Alles was du willst, Schatz.“ Riku drückte Samu leicht von sich weg. „Hast du schon mal die Nordlichter gesehen?“ Samu schüttelte den Kopf. Ein Finne, der dies noch nie gesehen hatte. „Ich auch nicht.“ Zwei Finnen. „Aber ich möchte sie gerne mal sehen. Bevor wir im Stress versinken werden. Mit dir.“ – „Dann werden wir das machen. Versuchen es zumindest.“ Riku fing an zu strahlen. Und dies, war das Grösste überhaupt, für Samu. Die Tage, die ihnen noch bis Silvester blieben, genossen Samu und Riku, in trauter Zweisamkeit. Machten ein paar Ausflüge oder besuchten noch einmal Samus Schwester. Daneben planten sie ihren Urlaub im Januar. Alles in allem gemütlich. Ohne Stress das alte Jahr ausklingen lassen.
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Leave the past behinde
FanfictionEin einziger Moment, kann dein ganzes Leben verändern... Mit dem Moment, als Riku Rajamaa, Musiker aus Leidenschaft und begnadeter Gitarrist, das Studio betritt, verändert sich nicht nur die Situation der finnischen Band Sunrise Avenue. Auch sein e...
