„Schön bist du da!“ Schlang Mia ihre Arme um Rikus Hals und drückte sich an ihn. Sie hatte sich beinahe ein Loch in den Bauch gefreut, als Riku sich gemeldet hatte. Auch wenn sie wusste, dass es für sie, ihr Herz und vielleicht auch für Riku, nicht gut war. Mia und ihr Herz, hingen noch viel zu sehr an ihm. Riku dagegen, war in einer schwierigen Situation, mit gebrochenem oder zumindest angekratztem Herzen und einem labilen Gemütszustand. Es war listig und töricht, das eigene Herz aus zutricksen, nur um einem Freund zu helfen. Zwei labile Seelen zusammen zu führen. Mia würde Rikus momentane Situation niemals ausnützen. „Es ist schön, hattest du Zeit.“ Lächelte Riku. Gequält und ohne, dass es seine Augen erreichte. Mia musterte Riku und strich ihm über die Wange. Riku schloss seufzend die Augen. Er freute sich über etwas Normalität. Einfach mal nicht der Strahlemann der Bühne sein. Den gab es ohnehin schon länger nicht mehr. Es war nur noch eine Maske. „Du kannst hier bleiben, so lange du willst. Und kommen, wann immer es dir danach ist.“ Rikus Stärke fing an zu bröckeln. „Ich möchte aber nicht...“ Mia schüttelte den Kopf, um Riku zum Schweigen zu bringen. „Tust du nicht.“ Mit den Fingern, strich Mia die Tränen von Rikus Wangen. Es war eine Wohltat, wieder das Gefühl vermittelt zu bekommen, erwünscht zu sein. Weshalb Riku seine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle hatte. Fest vergrub er sein Gesicht an Mias Hals, während sie ihm beruhigend über den Rücken und durch die Haare strich.
„Tut mir leid.“ Löste sich Riku von Mia und wischte sich übers nasse Gesicht. „Dafür musst du dich nicht entschudigen.“ Mia schob Riku zum Sofa und holte ihnen etwas zu Trinken. „Schön hast du es hier.“ Sah sich Riku um. Es war nicht sehr gross, aber unglaublich gemütlich. „Danke!“ Stellte Mia die Gläser auf den Tisch. „Wie läuft die Tour?“ Rikus Seufzen sagte schon fast alles. „Durchzogen.“ Nahm Riku einen Schluck. „Es ist nicht das selbe Feeling, wie bei den Touren davor. Das spüren wir alle, nur lassen wir es uns, so gut es geht, nicht anmerken. Gehen Konfliktsituationen aus dem Weg. Weil sonst wieder alles eskalieren würde. Sind mehr und mehr als Einzelgänger unterwegs.“ Mias Blick war fragend. „Die Tour stand kurz davor, nicht statt zu finden. Wir hatten alle eine ziemlich heftige Auseinandersetzung an dem Tag, als wir in Helsinki unseren Tour Auftakt hatten.“ Das klang nach grossen Differenzen innerhalb der Band. „Also gestern hat man nichts davon gemerkt. Aber ich habe die Berichte der anderen Konzerte natürlich gelesen. Eindeutig durchzogen.“ Riku nickte. „Und irgendwas spaltet die Fan Gemeinschaft.“ Das wurde ja immer besser, dachte Riku. Nicht nur zwischen ihnen taten sich Gräben auf. Auch zwischen den Fans. Dabei waren es doch die Fans, die zusammenhalten sollten, wenn es mit der Band schlecht lief. Er sah ihre Zukunft unter einem schlechten Stern stehen. „Und Samu?“ Tastete sich Mia vorsichtig vor. „Der ist in Barcelona für seine neue Show. Heute morgen abgeflogen.“ Rikus Stimme hatte sich verändert. Mia konnte nicht sagen, ob es Verbitterung oder einfach nur Enttäuschung war, die mit schwang. „Und wann geht es wieder los?“ – „Nächste Woche. Wenn ich also...“ Wollte Riku wieder damit anfangen. Doch Mia sah ihn mit diesem ganz speziellen Blick an, der keine weiteren Worte erlaubten. „Ich habe das Gefühl, dass du langsam taub wirst.“ Stiess Mia ihn sanft in die Seite. „Kommt mit dem Alter.“ Schmunzelte Riku. „Schliesslich werde ich auch schon Vierzig dieses Jahr.“ Mia verzog gespielt geschockt das Gesicht. „Das beste Alter also.“ Grinste sie darauf. Riku entspannte sich langsam aber sicher. Er war hin und her gerissen, ob er Mia besuchen sollte oder nicht. Entschied sich dann jedoch dafür, da er die Hoffnung hatte, dass er bei ihr, auf etwas andere Gedanken kam. Mal richtig abschalten konnte, von dem ganzen Tour Stress. Denn dieses Mal war es nicht nur der körperliche Stress. Sondern auch der physische. Und der war weitaus ermüdender, als die Konzerte, die an der Energie zerrten. Riku hatte Recht.
Mia und die neue Umgebung, schafften es, dass er abschalten konnte. Schon nach zwei Tagen, fühlte sich Riku so erholt, wie schon lange nicht mehr. Nicht nur körperlich. Auch sein Herz und seine Seele, fühlten sich nicht mehr so ausgelaugt an. Es war so erfrischend mit Mia zusammen Zeit zu verbringen. Riku konnte alles um sich und was gerade einfach nur mehr als schief – schon eher senkrecht – lief, vergessen. Es war Balsam für Riku. Er fühlte sich endlich mal wieder gesehen und nicht für selbstverständlich gemommen. Eigentlich tat Mia nichts Besonderes. Sie war einfach da. Doch genau das war es, was entscheidend war. Nicht das was. Sondern das wie. Mia integrierte Riku in ihr alltägliches Leben. Wenn sie Einkaufen gehen musste, dann wurde Riku eben gefragt, ob er mit kommen wollte. Es entwickelte sich eine Art Alltag, wenn Riku bei Mia war. Und dies kam während der Tour, ziemlich oft vor, wenn Samu wieder einmal anderweitig beschäftigt war. Interview Termine wahr nahm. Eine Gala mit Vivi besuchte. Oder was auch immer auf dem vollen Terminplan eines Samu Habers sonst noch so stand. Zeit für Freunde und Riku, stand da schon lange nicht mehr drinnen. Zumindest nicht an erster Stelle oder als oberste Priorität. Mehr so neben bei. Während dem Tour Alltag. Es setzte Riku zu. Die ganze Tour. Weshalb er sich, so oft er konnte, in seine kleine Oase bei Mia flüchtete. Das war, ihr gegenüber nicht fair. Auch gegenüber sich nicht. Riku war sich dessen bewusst. Er brauchte es jedoch, um diese Wochen zu überstehen. Das konnte jeder sehen. Riku kam jedes Mal total aufgestellt und scheinbar entspannt, von Mia zurück. Jeder wusste, dass er zu ihr ging. Verstehen, konnte es jedoch keiner seiner Freunde. Es trieb immer einen grösseren Keil zwischen ihn und Samu. Der wusste es ebenso gut wie alle anderen, dass Riku mehr Zeit mit Mia verbrachte, als mit ihm. Mehr Zeit, als Samu mit Vivi – seiner vorzeige Freundin zum Schein – verbrachte. Es war Riku egal, was sie alle dachten. Sogar was Samu davon hielt. Er musste auch endlich mal wieder anfangen ein Leben zu leben. Sein Leben. Sich um sich kümmern und nicht immer darauf achten, es allen recht zu machen. Jetzt war mal wieder er an der Reihe, um zufrieden und halbwegs glücklich zu sein. Dies zu werden, war Riku fest entschlossen. Weshalb ein Gedanke, immer wie konkreter wurde, je länger die Tour dauerte und je mehr Riku darüber nach dachte. Er wieder den Willen verspürte, in seinem Leben an zukommen. Ausziehen. Ja, er wollte nach der Tour, aus ihrem gemeinsamen Haus ausziehen. Samu und er, lebten ohnehin nur noch neben einander her. Ein gemeinsames miteinander, gab es schon lange nicht mehr. Riku hatte es satt, sah ihn Samu als selbstverständlich. Was dieser eine stressige Morgen, als die Tour begann, einmal mehr zeigte. Riku wird es schon richten. Nein, wird er es eben nicht mehr. Riku konnte nicht die ganze Zeit von Trennung reden, aber immer noch wie ein Schatten hinter Samu her wandeln, um zur Stelle zu sein, wenn dieser ihn brauchte. In diesem Zustand, würde sich nie etwas ändern. Weder Samu, noch ihre verfahrne Situation. Seine eigenen Worte, würden immer nur Worte bleiben. Unbeeindruckt von Samu entgegen genommen. In dem Wissen, dass Riku es nie durchziehen würde. Genau so leere Worte, wie die von Samu, mit denen er ihn schon seit Jahren vertröstet, endlich zu ihnen, ihrer Liebe und ihrer Beziehung zu stehen. Ernst gemeinte Worte, die irgendwann zu Floskeln wurden. Daher gesagt, wie wenn man jemandem auf die Frage ‘wie geht es dir’, mit ‘gut’ antwortet, obschon hinter dieser Antwort, nicht ein Hauch an Wahrheit steckte. Ob sich durch diesen gewaltigen Schritt und gleichzeitigen Bruch irgendwas verändern wird. Es Samu ernsthaft zum Nachdenken bringt. Riku hatte keine Ahnung. Er musste es einfach versuchen. Denn tief in Rikus Herzen, wollte er den blonden Lulatsch, mit den Meerblauen Augen und diesem absolut bezaubernden Lächeln, nicht verlieren.
Wenn er jedoch nach gab und genau so weiter machte wie bisher, wusste Riku, dass er nicht einmal mehr nur einfach selbstverständlich war, sondern ihn Samu irgendwann nicht mehr sah. Wie Deko, die zu lange in der Wohnung herum stand, dass man nicht einmal mehr wusste, dass sie da war.
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Leave the past behinde
FanfictionEin einziger Moment, kann dein ganzes Leben verändern... Mit dem Moment, als Riku Rajamaa, Musiker aus Leidenschaft und begnadeter Gitarrist, das Studio betritt, verändert sich nicht nur die Situation der finnischen Band Sunrise Avenue. Auch sein e...
