Voller Vorfreude hibbelig, ging es danach nach Deutschland. Einer, der dieses Mal nur sehr ungern seine Heimat verliess, war Mikko. Musste er doch somit seine schwangere Frau alleine Zuhause lassen. Alle aus ihrem Umfeld, waren zwar da, um Liisa zu helfen, doch war es nicht das Selbe. Mikko hatte sich vorgenommen, so oft wie möglich und wenn es ihn nicht brauchte, zurück nach Helsinki zu fliegen. Dies, war zwar etwas umständlich doch für ihn und sein Gewissen notwendig. Liisa, die ihm versichert hatte, dass sie das alles alleine auch schaffe und ihr kleiner Bauchbewohner bestimmt nicht jetzt kam, wenn er nicht Zuhause war, hatte gestern, einmal mehr, einen hormonellen Zusammenbruch und weinte den ganzen Abend lang. Das allein bestärkte Mikko in seinem Vorhaben.
„Alles gut bei dir Zuhause, Mikko?“ Setzte sich Samu mit zwei Kaffees zu seinem Manager. Er sah Mikko an, dass er grüblerischer aussah, als ohnehin schon. „So gerne ich mit euch unterwegs bin. Dieses Mal, müsste es echt nicht sein. Liisa hat gestern den ganzen Abend geweint, obschon sie mir versichert hat, dass sie ohne mich zurecht kommt.“ Besorgt, strich sich Mikko übers Gesicht. „Aber das Würmchen hat nicht vor, während der Tour zu kommen?“ – „Sollte nicht. Nein.“ Samu krauste die Stirn. „Was machst du dann eigentlich hier? Du solltest bei deiner Frau sein. Und nicht mit deinem persönlichen Kindergarten unterwegs.“ Mikko lachte auf. „So schnell, einen guten Ersatz, für meinen Kindergarten zu bekommen, ist nicht so einfach.“ Grinste er Samu an. „Aber ich habe schon einen Plan. Auch wenn meine liebe Frau ihn mir ausreden wollte.“ – „Und wie sieht dein Plan aus?“ Wollte Samu wissen. „Ich fliege einfach so oft wie es geht und ihr mich entbehren könnt, zurück. Ich bespreche das noch mit Mike. Der hat euch Chaoten ja auch ziemlich gut im Griff. Ich möchte euch, vor allem dir und Riku, keinen Fremden vor die Nase setzen. Ich weiss doch, wie sehr ihr euch auf die Tour und ein bisschen mehr Zweisamkeit gefreut habt.“ Samu traute seinen Ohren kaum. „Du bist einfach der beste Manager!“ Fiel er Mikko um den Hals. „In erster Linie, bin ich euer Freund. Und deshalb mach ich das auch. Wäre ich nur Manager, wäre es mir nämlich egal. Ein bisschen, könnt ihr euch auch noch bei Liisa bedanken.“ Kratzte sich Mikko am Hinterkopf. „Sie hat mir gedroht, mir die Hölle heiss zu machen, würde ich nicht persönlich mit auf Tour mitgehen und auf ihre zwei liebsten Verliebten Acht geben. Stattdessen irgendeinen Heini mit schicken.“ Mikko zuckte mit den Schultern, während Samu schallend anfing zu lachen. Das klang ganz und gar nach Liisa. Wie er diese Frau liebte. Und nur die. Neben seiner Mama natürlich. Aber die zählte nicht so richtig. „Wenn euer Krümmel ein Mädchen wird, hast du nichts mehr zu lachen, Mikko.“ Klopfte Samu ihm, grinsend, auf die Schulter. „Das befürchte ich auch.“ Verdrehte Mikko die Augen. Gleichzeitig stahl sich dieses einzigartige Strahlen in seine Augen. „Dennoch freue ich mich wie wahnsinnig und kann es kaum erwarten. Vor allem jetzt, da man schon was sehen kann.“ – „Wäre ja auch nicht gut, wäre es nicht so.“ Lehnte sich Samu gemütlich nach hinten und beobachtete seinen Schatz, der etwas entfernt von ihm, mit den anderen Jungs sass. Immer wieder trafen sich ihre Blicke. Auf Rikus Lippen, legte sich ein Lächeln, während er sich leicht auf die Lippen biss. War er denn verrückt? Dieser laszive Blick und dann noch das. Samu atmete tief durch und war froh, wurde eben ihr Flug zum Boarding aufgerufen. Riku grinste wissentlich, dass seine Blicke, aus dieser Entfernung, der Tod für Samu und seine Beherrschung waren. Wie gut, sassen sie gleich nebeneinander. Riku wollte dieses Mal versuchen, die ganze Zeit bei Samu in der Koje zu schlafen. Er wollte einfach ganz viel ungeteilte Samu Nähe. Zu sehr, hatte er sie vermisst. Deshalb war Riku so unglaublich froh, kam doch Mikko mit auf Tour. Er hatte schon Bedenken oder wohl viel mehr Angst, dass er einen Ersatz mit schickt. Jetzt, da Liisa schwanger war. Das wäre dann Rikus Untergang gewesen. Doch Mikko blieb. Zwar übergab er, zwischendurch, Mike die Verantwortung für seine Jungs, damit er für zwei, drei Tage nach hause fliegen konnte. Doch mehrheitlich war er da. Wie es sich für einen fürsorglichen Ehemann und werdenden Vater gehörte, richtete Mikko es sich so ein, dass er zur nächsten Ultraschall Untersuchung Zuhause war. Das wollte er sich nicht entgehen lassen. Liisa hatte er damit überrascht. Und zurück, kam ein freudig strahlender Mikko. „Alles gut?“ Sahen ihn neugierige Augenpaare an, als Mikko in den Bus zu stieg. „Alles bestens! Liisas Bauchbewohner entwickelt sich prächtig. Liisa geht es, von den normalen Unannehmlichkeiten und den schwankenden Hormonen, auch gut. Ich kann getrost wieder ein paar Wochen mit euch mitreisen.“ Setzte sich Mikko und nahm dankend das Bier entgegen, welches ihm Sami reichte. Die Erleichterung war Mikko mehr als deutlich ins Gesicht geschrieben. War er in den letzten Wochen eher nervös, rastlos und hatte ziemlich labile Nerven. Die Jungs waren daher froh, ein paar Tage Ruhe von ihm zu haben, in der Hoffnung, den alten Mikko wieder zurück zu bekommen. „Und bei euch so?“ – „Nichts Besonderes.“ Zuckte Samu mit Schultern. „Riku und ich haben keinen Skandal angezettelt. Also hast du nichts verpasst.“ Grinste er seinen Manager an, während die anderen ihn schallendes Gelächterverfielen. „Du bist so ein doofer Kerl.“ Gab er seinem Schützling eine Kopfnuss. Dieser verfiel in einen regelrechten Lachanfallen. Mikko sah Riku fragend an. „Tour Zeit. Kennst ihn doch.“ Zuckte dieser mit den Schultern. „Manche Dinge werden sich nie ändern. Was auch gut so ist.“ Darauf Mikko. Samu war schon immer, also zumindest nach dieser Sache mit Janne, gelöster wenn sie auf Tour waren, als wenn Studioarbeit auf dem Plan stand. Im Studio war er einfach ein zu grosser Perfektionist, als dass er mit etwas mehr Lockerheit an die Sache ran gehen konnte. Angespannt, war er in dieser Zeit, für sie alle und noch ein paar mehr. Weshalb es ein Wunder war, dass nicht er über Nackenschmerzen klagte, sondern Riku. Mikko betrachtete seine Jungs und war froh, mit ihnen unterwegs zu sein. War es doch, für dieses Jahr, das letzte Mal. So nahm die Tour ihren Lauf. Wie sie es immer tat. Geregelt und doch entgegen einem normalen Leben. Doch für die Jungs gehörte dieser Teil zu einem geregelten Leben. Anders, als der andere Teil ihres Lebens, den sie mit Familien und Freundinnen zusammen verbrachten. Aber dennoch, auf eine Art und Weise geregelt und normal. Es brachte die Abwechslung, die alle genossen. Keiner der Jungs, konnte es sich vorstellen, ein anderes Leben zu führen. Wollten sie auch nicht. Zumindest noch nicht. Vielleicht würde es sich irgendwann ja mal ändern. Wer wusste das heute schon. Sie sahen ja jetzt schon, wie Mikkos Verhalten sich verändert hatte, seit Liisa schwanger war. Er war mal da und mal nicht. Doch Mike war die beste Vertretung, die man sich wünschen konnte. Eigentlich brauchten sie ja keinen, der auf sie aufpasste. Und doch, beruhigte es Mikko. Auch wenn irgendwelche Fragen auftauchen sollten. Die Jungs verhielten sich alle unauffällig. Keine harten Partys mehr nach den Konzerten. Was doch stark von den Touren vor ein paar Jahren, abwich. Ein Bier nach dem Konzert. Etwas länger dann eher, wenn sie mal einen Off Day hatten. Sie alle wurden älter und reifer. Doch nicht zuletzt, machte es wohl die Tatsache, dass alle in festen Händen waren. Die Zeiten der Nächte langen Partys, bei denen sie Ausschau nach Frauen hielten, waren vorbei. Es gab ihnen mehr Zeit für die Erholung, die sie alle mehr als nötig hatten, auf einer Tour. Ja und diese, war ein voller Erfolg und, wie gesagt, ziemlich Ereignislos, bis zu jenem Abend im Juli.
Es war ein Abend, auf der Bühne, wie immer. Die Jungs hatten Spass. Samu sprühte nur so vor Energie. Agierte mit dem Publikum. Animierte es. Vielleicht ein bisschen zu viel von allem. Es war bei ‘Fairytale gone bad’. Bei dem er ja schon oft, unfreiwillig, die Bühne verliess oder zumindest fast. Samu sprang auf die kleinen Podeste, die immer noch ihre Bühne zierten. Flirtete mit dem Publikum. Liess es mit singen. Sein verschwitztes Shirt, klebte an seiner Haut. Zeichnete Umrisse seines Körpers ab. Aus seinen Haaren, die wieder reichlich lang waren, tropfte der Schweiss. Die Haare, hatten genau richtige Länge, für Rikus Finger, um sich darin zu vergraben. Samus Anblick, bescherte ihm immer wieder ein kleineres Problem. Von Samus heissem Hüftschwung, mal ganz abgesehen. Die Konzentration, forderte alles ab von Riku. Man sollte meinen, dass sich Riku endlich an den Anblick gewöhnt haben sollte. Doch da war nichts mit gewöhnen. Im Gegenteil. Riku war froh, als Samu sein Solo ankündigte. Sein ebenso energiegeladenes und fulminantes Solo. Riku feierte sich jedes Mal regelrecht, bis das Publikum es auch tat oder die Stimmung beinahe explodierte. Samu genoss es, leicht im Hintergrund zu stehen und seinen Schatz dabei zu beobachten, wie er ins unermessliche aufblühte. Sein Muskelspiel an Rikus Oberarmen und Schultern, machten Samu wahnsinnig. Und am liebsten, hätte er ihm die Gitarre, samt Shirt, über den Kopf gezogen. Hemmungslos geküsst und...Weiter durfte Samu nicht denken, sonst wäre seine Hose geplatzt. Rikus Solo, gab Samu jedes Mal noch einen extra Kick. Das Begehren für diesen wundervollen Mann, wandelte sich danach immer in Adrenalin um. Grundsätzlich gut. Doch wenn man ohnehin überschäumte vor Energie, wie Samu, konnte diese Mischung gefährlich werden. Wie heute. Samu feuerte das Publikum nach dem Solo, mit einem „Müüüüncheeeeen!“ an, bevor er mit Riku abrockte. Mit Anlauf, wollte er danach, auf eines der Podeste hüpfen. Doch es kam, wie es kommen musste und wohl jeder der Jungs, Mikko und auch alle im Publikum, schon lange damit gerechnet hatten. Jedoch hofften, dass es nie passieren wird. Samu erwischte das Teil nur mit seiner Schuhspitze, rutschte ab, konnte sich mit dem anderen Fuss nicht auffangen und flog, Kopf über von der Bühne. Ein Aufschrei ging durch die Menge. Die Zeit schien still zu stehen. Die Welt hörte auf sich zu drehen. Profi genug, machten die anderen Jungs weiter, wenn auch jedem der Atem stockte. Jedem, ausser Riku.
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Leave the past behinde
FanfictionEin einziger Moment, kann dein ganzes Leben verändern... Mit dem Moment, als Riku Rajamaa, Musiker aus Leidenschaft und begnadeter Gitarrist, das Studio betritt, verändert sich nicht nur die Situation der finnischen Band Sunrise Avenue. Auch sein e...
