Kapitel 44

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Eine Weile schwiegen sie einfach und hingen beide ihren Gedanken nach. Es war jedoch keine unangenehme Stille, wie sie noch vor ein paar Tagen, zwischen ihnen herrschte. Sondern die gewohnte Stille, in der beide die Gegenwart des anderen in sich auf sog und genoss. Heute jedoch noch etwas mehr, als sonst.
„Sag mal Samu, warum warst du heute Morgen da?“
„Ich kam vom Studio.“
„Zu Fuss?“ Riku sah Samu ungläubig an.
„Na ja, ich wollte damit, genau das oder Schlimmeres verhindern, was dir passiert ist.“ Samu umschloss Rikus Hand mit seiner. „Du warst doch mit deinen Gedanken an einem ganz anderen Ort, als du hättest sein müssen?“
Riku nickte. „Die waren bei dir.“
Samu lächelte leicht und drückte Riku einen Kuss auf den Handrücken. „Auch wenn mich das freut, solltest du das lassen, Rik.“
„Ich weiss. Es tut mir leid.“
„Ich hätte es nicht...ich...ich habe es gesehen.“
„Du hast was?“
„Dein Wagen, wie er...auf die Kreuzung zu raste und dann ins Schlidern kam.“ Samu war froh, hatte er den Wagen gerade zum Stehen gebracht, da wieder eine Welle an unterschiedlichen Emotionen über ihm herein brach. Würde das irgendwann ein Ende haben. Riku strich ihm beruhigend über den Rücken. „Versprich mir, dass du von nun an vorsichtig bist? Wenn du Gedanken wälzen willst, tu dies Zuhause oder an einem sicheren Ort. Ich könnte es nicht ertragen, dich...“
„Ich verspreche es! Es tut mir leid!“ Riku nahm Samu in den Arm. „Und jetzt lass uns nicht mehr daran denken, was hätte passieren können. Lass uns einkaufen gehen.“ Riku wischte seinem Liebsten die Tränen aus dem Gesicht.
Samu nickte und stieg aus.
Sie waren bestimmt schon gut zwei Stunden unterwegs und machten nun einen kurzen Zwischenhalt, um noch ein paar Besorgungen zu machen und etwas Kleines zu Essen. Den Kaffee to go, genehmigten sie sich draussen bei einer Zigarette.
„Deine Mama hat mich angerufen, Rik.“
„Wann?“, erstaunt sah Riku Samu an.
„Vorhin, als ich kurz Zuhause war. Sie hat sich Sorgen um dich gemacht, weil sie seit vier Tagen nichts mehr von dir gehört hat. Auch, weil sie dich so lange nicht erreichen konnte.“
Riku schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn und raufte sich die Haare. „Ich bin so ein Vollidiot!“
„Nein, bist du nicht.“ Samu zog Riku an sich. „Ich habe ihr gesagt, dass es dir gut geht. Und ich zu dir ins Mökki fahre. Es geht dir doch gut?“ Samu musterte seinen Liebsten. Er war immer noch etwas blass um die Nase und die Ringe unter den Augen, fielen ihm erst jetzt auf. Sie beide mussten auch einen tollen Anblick bieten.
„Mehr als gut! Ich rufe sie dennoch kurz zurück.“
„Mach das!" Samu wollte ihn aus der Umarmung entlassen.
„Nicht loslassen! Bitte!“, kam leise von Riku. Es war noch immer irgendwie ungewohnt, konnte er seinen Bedürfnissen jetzt Worte geben. Dabei schmiegte Riku sich noch fester an Samu. Nur zu gerne, kam Samu dieser Bitte nach. „Mama, es tut mir leid...Ja, alles in Ordnung! Ich hatte bloss einen vollen Kopf und brauchte etwas Ruhe. Nein, du musst dir keine Sorgen machen. Es geht mir gut!“ Riku hob den Kopf und schenkte Samu ein strahlendes Lächeln. „Sehr gut sogar!“, kaum hatte er das gesagt, konnte er förmlich spüren, wie Samus Herz einen Hüpfer machte. „Ja, Samu ist da! Und ja, hat er! Aha ok. Gut. Ich hab dich auch lieb!“
Samu gab Riku, während dieser weiter telefonierte, einen Kuss auf den Scheitel und vergrub seine Nase in seinen Locken. Bis Riku sich leicht von ihm löste. „Ich soll mich bei dir bedanken, dass du mich zum telefonieren gebracht hast. Ausserdem habe ich erfahren, dass wir eine Einladung von meiner Mum, mit deiner zusammen, haben.“
„Das hätte ich dir dann auch noch unterbreitet.“
„Ob das gut kommt?“, lachte Riku auf.
„Ich habe keine Ahnung. Ich habe jedoch das Gefühl, dass die beiden eine Ahnung haben.“
„Wegen uns beiden?“ Samu nickte. „Wir müssen uns ohnehin überlegen, wie...“ Riku wurde, durch eine leichte Berührung von Samus Lippen, unterbrochen. „Nicht denken, Gitarrengott. Die nächsten Tage sind denkfrei.“
Riku seufzte. „Dann musst du mich einfach die ganze Zeit küssen. Denn dann, ist denken ausgeschlossen.“, nuschelte Riku an Samus Lippen. Worauf dieser grinste. „Nichts lieber als das, mein Hübscher!“ Samu nahm den Kuss wieder auf. Lange und hingebungsvoll. Riku wusste nicht, ob er schon jemals so geküsst worden war.
„Deine Nase ist ganz kalt, mein Jääpuikko!“
Riku über hörte Samus wohl neuen Spitznamen für ihn. „Es ist ja auch sau kalt hier draussen. Ausserdem, haben wir noch reichlich Weg vor uns. Und ich würde heute gerne noch etwas vor dem Kamin kuscheln.“, da war er wieder, Rikus Himmelfahrtsblick.
„Dann lass uns gehen!“ Samu schob Riku Richtung Wagen. Er hatte recht. Denn Samu spürte die Müdigkeit in sich hochkommen.

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