„Ich denke es ist besser, wenn du allein nach Australien gehst.“ War das Erste, was Riku sagte, als er wieder nachhause kam. „Ach komm schon Rik. Nur wegen einem kleinen Streit?“ Riku schüttelte verständnislos den Kopf. Wollte oder konnte es Samu einfach nicht sehen? „Das war kein kleiner Streit, Samu. Und es ist auch nicht nur deswegen. Ich kann einfach nicht mehr so weiter machen, wie bis jetzt. Es tut mir leid. Ich weiss, die letzten Tage haben Hoffnung geschürt. Auch bei mir. Aber...sie waren ein Fehler.“ – „Sie waren kein Fehler, Rik. Sondern wunderschön.“ Liess Samu seine Finger durch Rikus Haare im Nacken gleiten. „Komm schon. Es wäre so einfach, wenn du dir nicht immer im Weg stehen würdest.“ – „Ich stehe mir nicht im Weg.“ Löste sich Riku von Samu und funkelte ihn wütend an. Am liebsten hätte er ihm eine geknallt. „Ich habe nur einen Wunsch geäussert. Von dem du mir schon so lange versprichst, ihn mir zu erfüllen. Doch auch das, einmal mehr, nur leere Worte.“ Samu konnte es nicht mehr hören. Immer das selbe Gejammer. Warum sah Riku nicht ein, dass es einfach nicht ging? Zumindest jetzt nicht. „Deshalb schmeisst du alles hin? Alles, was wir uns so hart erarbeitet haben?“ – „Irgendwann hat man einfach ausgekämpft.“ Drehte sich Riku dem Fenster zu und sah den einzelnen Schneeflocken zu, wie sie vom Himmel tanzten. „Was ist mit Sunrise Avenue?“ – „Mach dir darum mal keine Sorgen.“ – „Du kannst uns nicht einfach hängen lassen.“ Eine Art Panik, war in Samus Stimme zu hören. „Ohne dich, ist es nicht das Selbe.“ Ohne Riku, würde Sunrise Avenue dahin sterben. Er würde sich keinen neuen Gitarristen suchen. „Es wäre das Todesurteil für die Band.“ – „Wenn du dir nur einmal so viele Gedanken um mich und mein Befinden machen würdest, wie du dir gerade um die Band machst. Könnte ich mich glücklich schätzen.“ Kam sarkastisch von Riku. „Das tue ich doch. Es ist mir wichtig, wie es dir geht.“ – „Ist es nicht. Denn sonst würdest du versuchen mich zu verstehen. Meine Wünsche und Gefühle ernst nehmen und sie nicht als lästig abtun.“ – „Und warum bist du dann zurück gekommen, wenn du es nicht mehr mit mir aus hältst?“ Warum war er dann da und machte ihm Hoffnungen? Nur um sie gleich wieder zu zerschlagen? „Weil ich mir Sorgen gemacht habe. Deine Mum, wüsste sie es, wäre mir dankbar. Sonst hätte sie, statt Weihnachten, eine Beerdigung organisieren können.“ Liess Riku die Worte so im Raum stehen. Dies war eine Tatsache, die nicht mal Samu leugnen konnte. Eve wäre ausgerastet, hätte sie von diesem Vorfall erfahren. „Ist das dein letztes Wort?“ Unterbrach Samu die Stille. „Vorerst, ja. Vielleicht öffnet dir ja dieser Abstand die Augen dafür, was du wirklich willst und dir wichtig ist. Was im Leben wichtig ist. Es gibt auch noch was anderes, als Erfolg. Der ist irgendwann vorbei. Alles andere bleibt.“ Drehte Riku sich wieder zu ihm um. „Wenn ich von Australien nach hause komme, geht es gleich weiter nach Barcelona, zu den ersten Dreharbeiten. Ist dir das bewusst?“ Riku schluckte schwer. Sagte jedoch nichts. Beide sahen sich einfach nur an. Es war alles gesagt. Und doch fühlte es sich so an, als gäbe es noch tausend Dinge mehr zu sagen.
Frustriert raufte sich Samu die Haare, als Riku im Musikzimmer verschwunden war. Das war doch alles einfach nur scheisse. Er hatte wirklich gedacht, dass sie es hin bekamen. Nach den letzten Tagen, hatte Samu das Gefühl, dass auch dieses Angebot, welches er, wie Riku es ganz richtig sah, in einer Trotzreaktion, unterschrieben hat, nicht so hohe Wellen schlagen würde. Einmal mehr, falsch gedacht. Samu buchte seinen Flieger für morgen um. Den Ersten, den es gab. Es würde wohl kaum ein grosses Problem darstellen, wenn er ein paar Tage früher ankam, als geplant. Packen stellte schon lange nicht mehr eine so grosse Herausforderung dar, wie auch schon. Weshalb es auch schnell ging. Was Samu schwer fiel, war dass er es alleine tun musste. Er hatte sich so auf die Auszeit mit Riku gefreut. Warum konnten sie nicht erst danach reden? Dann hätten sie wenigstens noch eine schöne, unvergessliche Zeit zusammen verbracht. ‘Weil du Riku dann noch mehr vor vollendete Tatsachen gestellt hättest, als ohnehin schon’, schimpfte sein Unterbewusstsein. Wütend knallte Samu die Schranktür zu. Australien wäre perfekt für sie beide gewesen. Da kannte sie keiner. Viele ihrer Fans, reisten jetzt ohnehin nach Helsinki. Da wären sie in Down Under perfekt aus der Schusslinie gewesen. Doch genau das, störte Riku. Das wusste Samu. Weshalb es nicht sein Argument war, als sie sich an die Planung machten. Sondern weil er schon immer mal dort hin wollte. So lange es Meer, Strand und Sonne gab, war Riku alles recht. Um das, um die Jahreszeit zu bekommen, musste man weiter, als nur bis nach Spanien. Weshalb sie sich für Australien entschieden. Bloss nicht ganz aus den selben Beweggründen heraus. Doch das war im Endeffekt nicht mehr wichtig, weil das Selbe dabei raus kam. Hauptsache sie waren zusammen. Daraus wurde jetzt nichts. Samu hat es ja eigentlich kommen sehen. Auf eine gewisse Art und Weise. Er kannte Riku und er hatte jedes einzelne Wort, welches er ihm letztes Mal an den Kopf schmiss, in seinem Gedächtnis gespeichert. Er konnte es, im Moment, einfach nicht allen recht machen. Zu viel veränderte sich zur Zeit in seinem Leben. Jeder wollte etwas von ihm. Von allen Seiten wurde an ihm gezogen. Vielleicht musste er da jetzt alleine durch. Auf die Gefahr hin, dass er dadurch Riku verlieren wird. Ein Schmerz durchzuckte Samu bei diesem Gedanken. Denn der war unerträglich. Genau so, wie unvorstellbar. Es hatte heute jedoch schon begonnen.
Ein tiefer Seufzer entwich Samu, als er denn Koffer schloss. Der von Riku lag offen daneben. Sein Arm strich über das nasse Gesicht. Tränen hatten sich aus Samus Augen gelöst. Es war nicht richtig. Das alles nicht. Schuld daran, war nur er. Samu alleine, hatte sich in diese Situation hinein manövriert. Also musste er es jetzt auch ausstehen und irgendwann, irgendwie wieder gerade biegen. Im Moment, hatte es bloss keinen Sinn.
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Leave the past behinde
Hayran KurguEin einziger Moment, kann dein ganzes Leben verändern... Mit dem Moment, als Riku Rajamaa, Musiker aus Leidenschaft und begnadeter Gitarrist, das Studio betritt, verändert sich nicht nur die Situation der finnischen Band Sunrise Avenue. Auch sein e...
