Kapitel 56

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„Schön dich wieder zu sehen!" Wurde Alma von Eve freudig begrüsst. Sie hatten absichtlich etwas früher abgemacht, damit sie noch etwas Zeit hatten, um ohne ihre Jungs zu reden.„Möchtest du einen Kaffee? Tee? Oder sonst irgendwas?" - „Tee klingt gut!" Alma setzte sich, auf Eves wortlose Andeutung, an den Küchentisch. „Ich habe noch etwas zum Nachtisch mit gebracht." - „Samu wird dich lieben dafür!", grinste Eve, als sie die Zimtschnecken sah. „Ich weiss! Die Letzten seien auch gut angekommen. So hat mir Riku erzählt." Alma sah Eve an, die ihr den Tee hinstellte. „Unsere Jungs sind also wieder zurück aus dem Mökki.", stellte sie dann fest. Obschon es eher wie eine Frage klang. „Sag nicht, du hast nichts von Riku gehört?" Eve sah Alma erstaunt an.
Alma schüttelte den Kopf. „Er wird gedacht haben, wenn wir uns heute sehen, dann muss er sich nicht noch melden." - „Unsere Zwei." Eve musste lachen. Wurde dann jedoch wieder ernster.„Denkst du, wir werden heute das erfahren, was wir schon ahnen?" Eve würde ihren Sohn lieben, egal was sie heute erfahren wird oder bestätigt bekam. Dies hatte sie schon lange mit sich selber ausgemacht. „Bist du immer noch davon überzeugt?" Alma war unsicher. Natürlich würde sie Riku nicht verurteilen. Keinesfalls. Aber irgendwie war es dennoch, auf eine gewisse Art und Weise, schwer nachzuvollziehen, nachdem er ja schon mal fast verheiratet war. „Was heisst hier überzeugt. Ich habe doch genauso wenig eine Ahnung wie du. Doch möglich könnte es doch sein. Oder?" Alma nickte. „Am letzten Konzert, machte es den Anschein. Ausserdem sitzen sie immer zusammen." „Denkst du, sie werden, falls es so ist, mit der Sprache rausrücken oder müssen wir ihnen auf den Zahn fühlen?" Alma atmete tief durch. „Riku wohl eher nicht. Er ist mehr der, dem man alles aus der Nase ziehen muss. Und Samu?"
„Schwierig zu sagen. Gefühlsdinge sind nicht so seine Lieblingsthemen, über die er einfach so drauf los quaselt. Was er ja sonst eher gerne macht." Eve lachte auf. „Ich denke, dass es für die beiden nicht einfach ist. Es ist ja nicht ganz das Selbe, wie wenn sie ankommen und sagen können 'Hier Mama, das ist meine neue Freundin.' Auch wenn es, grundsätzlich, keine Rolle spielt. So lange sie glücklich sind.", sagte Alma. „Das werden wir gleich erfahren." Eve machte eine Kopfbewegung Richtung Fenster. Samus Auto erkannte sie einfach immer.„Was machen wir, wenn sie von sich aus nichts sagen?", wollte Alma wissen. „Wir trennen sie nach dem Mittagessen einfach. Samu soll mir in der Küche helfen und du kannst dich mit Riku ins Wohnzimmer zurück ziehen.", äusserte Eve ihre ganz spontane Idee. „Klingt nach einem guten Plan!" Alma sah Eve schelmisch an. Beide wussten sie ganz genau, dass sie ohne diesen ausgefuchsten Plan, nichts erfahren werden. Sie wollten ihre Jungs nicht unter Druck setzen. Im Gegenteil. Sie wollten Samu und Riku, lägen sie denn mit ihrer Vermutung richtig, den ersten Druck nehmen. Wollten ihnen das Gefühl, welches sie vielleicht hatten, alleine da zu stehen, nehmen. Sie würden immer hinter den beiden stehen. Schliesslich waren sie ihre Kinder.

Samu parkte seinen Wagen, nachdem sie noch kurz bei ihm vorbei fuhren, um eben diesen zu holen, absichtlich hinter dem seiner Mutter. Seufzend lehnte er sich nach hinten und schloss die Augen. Gleichzeitig umfasste er Rikus Hand mit seiner. „Kuss?" Samu nickte. Riku löste seine Hand aus Samus und legte sie an seinen Nacken. „Dann komm her.", zog er Samu zu sich rüber.
Samu seufzte sehnsüchtig und hielt Riku fest, dass er ihm nicht gleich wieder entwischen konnte. Seine Hände, die immer ein Eigenleben zu führen schienen, wenn Riku ihn küsste, schlichen sich unter Rikus Pullover, an seine nackte Haut. Was taten sie da? Und dann noch vor dem Haus von Samus Mutter, schoss es Riku kurz durch den Kopf. Doch Samus Forderung, nach einem heissen Zungenspiel, liess ihn diesen Gedanken, so schnell er gekommen war, schon wieder vergessen. Bis beide ausser Atem waren und sich von einander lösen mussten. „Wie soll ich das bloss durchstehen, ohne dich auch nur einmal zu berühren oder zu küssen." - „Wenn wir es unseren Müttern gesagt haben, darfst du ja dann. Denke ich. Ausserdem hat dich noch nie etwas davon abgehalten, mich zu knuddeln." Riku grinste und wuschelte Samu durch die Haare. „Hat bis jetzt ja auch niemand gestört. Warum also jetzt?"
Samu zuckte mit den Schultern. „Lass uns jetzt rein gehen. Sonst fragen sie sich noch, was wir da draussen tun. So wie ich meine Mutter kenne, hat sie meinen Wagen schon längst gehört."
Mit diesen Worten, stiegen sie aus. „Lach mal, Grosser!" Riku kniff Samu in die Seite. Worauf ihm Samu durch die Haare wuschelte. Bei der Tür angekommen, zog Samu Riku noch einmal fest an sich und verlangte noch einen Kuss, bevor er klingelte. „Du bist unmöglich, Haber." Riku schlug ihm auf die Schulter. Das Grinsen, war jedoch wieder auf Samus Gesicht zurück gekehrt und dies allein, war es wehrt.„Da seit ihr ja endlich!", rief Eve aus, als sie die Tür öffnete. „Wir dachten schon, wir müssten uns zu euch ins Auto gesellen.", zwinkerte sie. Riku biss sich darauf auf die Lippen und lief leicht rot an. Samu verschluckte sich beinahe an seinem Lachen
„Jetzt kommt rein und lasst euch erst mal fest drücken.", schob sie die beiden an sich vorbei zur Tür rein. „Ach sieh mal einer an, mein verlorener Sohn!", lachte Alma und zog Riku in eine feste Umarmung. Riku atmete tief durch. Samu beobachtete die Szene und er wusste ganz genau, was in Riku vor sich ging. Ein liebevolles Lächeln legte sich auf sein Gesicht. „Lass dich drücken, mein Junge!", wurde auch Samu in eine herzlich mütterliche Umarmung gezogen. „Geht es euch gut?", musterte Eve die beiden. „Geht es, ja!", kam aus einem Mund. Dabei sah Samu es seiner Mutter an der Nasenspitze an, dass etwas im Busch war.
„Habt ihr Hunger?", kam die nächste Frage, von der Eve wusste, dass sie von Samu ganz sicher mit einem Ja beantwortet werden würde. „Und wie!", strahlte Samu seine Mutter an. „Dann setzt euch! Es gibt Lasagne." Samu lief, allein beim Duft, der ihm entgegen kam, als sie die Wohnung betraten, das Wasser im Munde zusammen. Es gab doch nichts über die Kochkünste Mutter. „Hast du eine bestimmte Tischordnung, Mum?", wollte Samu wissen. „Hatte ich das jemals?" Eve sah ihren Sohn fragend an.„Könnte sich ja geändert haben.", darauf Samu und setzte sich. Riku tat es ihm gleich. Natürlich unmittelbar daneben. Eve und Alma warfen sich einen vielsagenden Blick zu. Es ging viel zu gesittet zu und her, zwischen den Beiden. Sie wussten beide, wie sie mit einander umgingen, als sie Riku und Samu das letzte Mal zusammen bei sich Zuhause hatten. Da wurde gewitzelt, gekuschelt und keiner konnte die Finger vom anderen lassen. Das hier war zu steif. Da müsste wohl oder übel Eves Plan zum Einsatz kommen. Über die Zeit im Mökki, liessen sich die Zwei kaum etwas entlocken, als sie gemütlich beisamen sassen und sich die Lasagne schmecken liessen. Dafür erzählte Samu von der Zeit in Amerika. „Ich hätte ja den Lockenkopf gerne mit genommen. Doch unser strenger Managerii, hat es nicht zu gelassen.", grinste Samu und wuschelte Riku durch die Haare. In jeder seiner Bewegungen, als er das tat und in Samus Blick, lag etwas, was ebenfalls anders war, als zuvor immer. Samus Augen waren von einem aussergewöhnlichen Glanz überzogen. „Die Wochen gingen ja auch ohne mich schnell vorbei." - „Hmm...gerade so, ja." Samu biss sich auf die Lippe. Am liebsten hätte er sich die Zunge abgebissen, dass ihm dies raus gerutscht war. Auf der anderen Seite, sollte heute ja ohnehin die Stunde der Wahrheit sein. Samu hatte keine Ahnung, wie er dieses Thema ansprechen sollte. Wie machte man das? Nahm man eine Frau mit nachhause, war der Fall so ziemlich, ohne Worte klar. Er war ja auch schon mit Riku bei seiner Mum oder bei Alma. Doch als Freunde. Wie erklärten sie am besten, dass sie jetzt mehr als Freunde waren? Samu sah nachdenklich in sein Weinglas, welches er in den Fingern hin und her drehte, während gefühlt tausend Fragen auf ihn ein schlugen. Riku bemerkte es. Seine Hand, die schon die ganze Zeit unter dem Tisch auf seinem Bein ruhte, legte er nun auf das von Samu. Damit riss er ihn aus seinen Gedanken. Samus Blick sprach Bände und schrie förmlich nach einer Antwort auf seine Fragen. Nach Hilfe aus dieser Situation heraus.
Auch Eve und Alma, war es nicht entgangen, dass beide immer schweigsamer wurden, als sich das Essen dem Ende zu neigte.„Möchte noch jemand?", durchbrach Eve diese unangenehme Stille, die ein fast schon erdrückendes Gefühl auslöste. Den Beiden musste geholfen werden. Es war kaum zum mit ansehen. Eve kannte ihren Sohn gut genug um zu wissen, was gerade in dem Moment in ihm vor ging. Einheitliches Kopfschütteln, war die Antwort auf Eves Frage. „Es war sehr lecker! Dankeschön, Eve!" Riku schenkte ihr ein Lächeln.„Gern geschehen! Es ist schön, dass ihr da seit!", auch von Samu kam darauf ein Lächeln. Jedoch ein ziemlich gequältes. „Hilfst du mir bitte beim Wegräumen, Samu?" Samu nickte und stand auf, um das Geschirr vom Tisch zu räumen.
Riku wollte ihm gerade zur Hand gehen, da hielt ihn Eve Arm zurück. „Du machst es dir mit deiner Mama im Wohnzimmer gemütlich." Alma und Eve nickten sich kaum merklich zu, während Samu und Riku sich fragende Blicke zu warfen. Der Druck in Samus Brust nahm zu. Er wusste ganz genau, dass er jetzt einem Verhör nicht mehr entkam.

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