Als dieser, nicht geplante Teil des schon fortgeschrittenen Nachmittags beendet war, wurde es so richtig gemütlich. Und wie immer, wenn sie alle zusammen waren, wurde es eine lustige Runde, bei der viel gelacht wurde. Natürlich wurde, wie sollte es bei Sami auch anders sein, gegrillt. Er bestand darauf. Das hatte fast schon Tradition. Genau wie die Verteilung, wer was mit brachte. Sami Bär, war für das Fleisch zuständig, während alle anderen, den Rest mit brachten. Nicht einmal, fühlten sich Samu und Riku gehemmt oder unwohl. Riku war sogar, für seine sonst eher zurückhaltende Art, sehr offen. Immer wieder, suchte er Samus Nähe oder schenkte diesem seine. Gab ihm einen Kuss oder liess sich von Samu küssen. Riku wollte, ohne dass es bewusstes wollen war, allen zeigen, wie verdammt glücklich er war. Und dass es dabei überhaupt keine Rolle spielte, ob er es mit einer Frau oder einem Mann war. Die Tatsache, dass er dies, hier im Kreise seiner besten Freunde, so einfach konnte, war wohl, dass sie ihnen genau dieses Gefühl vermittelten. Keiner starrte sie an oder stellte komische Fragen. Wenn auch Liina sehr neugierig war. „Wie habt ihr euch eigentlich kennen gelernt? Sami erzählt nicht so gerne aus dem Nähkästchen.“ – „Weil es nicht mein Nähkästchen ist.“ Liina zuckte mit den Schultern. „Samu wird dir die Geschichte liebend gerne erzählen. Mit allen möglichen Details, die man gar nicht wissen möchte.“ Lachte Jukka. Liinas Blick, haftete sofort an Samu. Sie liebte solche Geschichten. Die war bestimmt total romantisch. „Nun ja, wir hatten ein Vorspielen der Band, da wir einen neuen Gitarristen suchten. Es war ein scheiss Tag, nach noch viel verschisseneren Wochen und Monaten. Eigentlich wollten wir schon Feierabend machen, weil unsere Nerven und Ohren schon überstrapaziert waren. Als da plötzlich dieser braune Lockenkopf, ziemlich selbstsicher und dennoch schüchtern und nervös, im Studio stand. Er kam eigentlich zu spät.“ Die Augen der Frauen, hafteten auf Samu und Riku. Es sah aus, als würden sie in einem kitschigen Liebesfilm sitzen. „Mikko wollte ihn schon abwimmeln. Doch ich hielt ihn davon ab.“ – „Du hattest verschissen schlechte Laune und hast mich angesehen...Keine Ahnung...diesen Blick kann man nicht deuten...Als wäre ich der grösste Versager in Person.“ Lachte Riku. „Hat dich aber nicht davon abbringen lassen, nicht gleich wieder zu gehen.“ – „Warum sollte ich. Ich sah euch doch an, dass dieser Tag ein riesiger Reinfall war. Was hatten wir alle also zu verlieren.“ Riku wusste heute noch immer nicht, was ihn damals so mutig machte. „Du scheinst ganz genau zu wissen, was du willst.“ Darauf Liina. „Nein, eigentlich nicht.“ Fuhr sich Riku verlegen durch die Locken. „Das hier...“ Samu tat es Riku gleich. „Ist eher unser Riku. Und nicht der im Studio. Aber immerhin, hat er mich mit seiner Art, die widersprüchlicher nicht sein konnte, neugierig gemacht. Insgeheim musste ich ihm Recht geben. Zu verlieren hatten wir nichts. Ausser drei Minuten mehr verloren. Doch dies, war auch nicht mehr wichtig. Denn irgendwas sagte mir, als ich den Lockenkopf ansah, dass es die Wendung des Tages sein könnte.“ – „Ich sehe heute noch Mikkos Blick, mit dem er dich ansah. Als hättest du gesagt, du wolltest auf den Mond fliegen.“ Lachte Sami. „Ihr wisst, mit welcher Einstellung er an das Vorspielen kam. Also Samu, meine ich.“ – „Ich wollte das ja auch gar nicht. Weil ich das alles nicht mehr wollte.“ Gab Samu ehrlich zu. „Also hat Riku die Band gerettet?“ Sah Anni, Osmos Freundin, ihn mit diesem Blick an, wie Frauen heldenhafte Männer ansehen. „So könnte man es sagen. Ja.“ Pflichtete ihr Raul zu. „Er hört es nur nicht sehr gerne.“ – „Und was hat den Ausschlag gegeben?“ Liina konnte es förmlich spüren, dass es was ganz Tolles und Magisches war. „Na ja, der erste Grund, weshalb ich wusste, dass das was wird, war Rikus Gitarre. Eine Gibson. Dies Selbe wie ich.“ Liina sah Sami fragend an. „Muss man nicht verstehen. Ist so ein Gitarristen Ding.“ Samu und Riku verdrehten auf diese Aussage, gleichzeitig die Augen. „Also Mikko hat mir ja erzählt, dass ihr das Studio verzaubert habt.“ Sah Liisa vielsagend in die Runde. „War das so?“ Sami nickte. „Wie denn?“ – „Das kann man nicht beschreiben. Das musste man hören.“ Grinste Sami sie an. Liina kaute auf ihrer Unterlippe herum. „Würdet ihr...ich meine...ich würde es gerne hören...“ Samu und Riku sahen sich kurz an und standen dann auf. Ihre Gitarren, kamen immer mit, wenn sie sich mit den Jungs trafen. „Werden sie jetzt für uns spielen?“ Weiteten sich Liinas Augen, als die beiden mit ihren Babys zurück kamen. „Scheint so.“ Gab Sami Liina einen Kuss. Seine Süsse, wollte schon lange mal an ein Konzert kommen. Es passte bis jetzt einfach nicht. Weshalb sie nun auch so aufgeregt war. „So wie damals?“ Sah Samu zu Riku. Dieser nickte nur. Durch die ganzen Erzählungen war es, als würde er jetzt gerade wieder in diesem Vorspielen sitzen. „Fühlst du dich auch gerade zurück versetzt?“ Samu hatte keine Ahnung, weshalb sein Herz gerade durch seinen Brustkorb jagte. Riku lächelte und legte seine Hand an Samus Nacken. „Etwas, hat sich jedoch geändert.“ Riku berührte Samus Lippen. Tief atmete dieser durch und schenkte seinem Schatz einen verliebten Blick. Danach, liess Samu seine Finger über die Saiten seiner Gitarre gleiten. „Here we are, deep in the darkness...“ Erfüllte Samus tiefe, leicht raue Stimme, den Raum. Eine Gänsehaut überzog Rikus Körper. Wie lange hatten sie dieses Lied schon nicht mehr gespielt? Ein halbe Ewigkeit. Dabei war es für diese unglaublich glückliche Wendung in seinem Leben, verantwortlich. Die tollsten Freunde und den absolut besten, besten Freund und Liebhaber, den Mann sich nur wünschen und vorstellen kann. Seit diesem Moment im Studio, war der Platz, auf dem Riku gerade sass, an der Seite von seinem Liebsten, der Schönste überhaupt. Riku versank im Moment und in den Erinnerungen. Sog Samus Stimme und das Spiel seiner Gitarre in sich auf. Als er, ohne zu überlegen, seine eigene zum Erklingen brachte. Als wäre es erst gestern gewesen, dass sie ihn gemeinsam gespielt hatten. Riku stieg am genau selben Ort ein, wie damals. Samu öffnete die Augen und sah zu Riku rüber, der die Augen geschlossen hatten. Den Kopf leicht schräg und dieses bezaubernde Lächeln auf seinen Lippen, bei dem man das Grübchen an seinem Kinn, welches er so unwiderstehlich süss fand, deutlich sehen konnte. Ein verliebtes Lächeln, legte sich auf Samus Gesicht. Und wäre er es nicht schon lange, dann hätte er sich jetzt, in dem Augenblick, in seinen besten Freund verliebt. Die weibliche Hälfte in der Runde, um sie herum, schmolz förmlich dahin. Wie konnte ein Mensch, einen anderen, so unglaublich verliebt ansehen, wie dies Samu eben tat, dass selbst der kälteste Mensch diese Liebe spüren konnte? Samu erschauderte, als Rikus sanfte Stimme, sich mit seiner kräftigen vermischte und sie zu einer Einheit wurden. Da lösten sich nicht bloss bei den Frauen, die ersten Tränen. Auch Samu musste seine Augen wieder schliessen, weil sie überfüllt waren mit Tränen. Doch auch die Jungs, waren erneut ergriffen. Die beiden brachten es doch immer wieder fertig, aus einem normalen Lied, ein magischer Moment zu machen. Dieser Song, hatte nicht auch nur einen Hauch an Dynamik verloren, gegenüber dem ersten Mal, als Riku und Samu ihn gemeinsam gespielt hatten. Im Gegenteil. Ihre tiefe Verbindung, die mit den Jahren, die sie nun schon gemeinsam, als Freunde und Liebespaar, durchs Leben gingen, immer stärker wurde, sorgte dafür, dass der Song an Stärke zu legte. Verlegen, wischten sich die Frauen ihre Tränchen aus dem Gesicht und applaudierten. Samu strich Riku durch dessen Locken, bis zu seinem Nacken. Sachte, zog er ihn an sich heran. Ihre Lippen verschmolzen, übermannt von den alten Emotionen und neuen Gefühlen. „Können wir noch etwas hören? Bitte!“ Auch Anni, war völlig fasziniert. Obschon sie schon mal bei einem Konzert der Jungs, in Finnland, war. Aus reiner Neugierde. „Da hängt ihr wohl jetzt drinnen.“ Grinste Liisa. „Tue nicht so, als würde dich das so kalt lassen.“ Sah Samu sie herausfordernd an.
„Tut es auch nicht. Deshalb, möchte ich mir auch etwas wünschen, wenn ich darf?“ – „Wenn es keinen der Jungs stört, dass wir hier gerade den Abend schmeissen.“ Sah Riku in die Runde. „Wenn unsere Frauen glücklich sind, dann sind wir es auch!“ Gab Mikko seiner Frau einen Kuss. „Was wünscht du dir, Liisa?“ – „Einen neuen Song.“ Sie grinste Samu eben so herausfordernd an. „Einen neuen Song?“ Hob sich die habersche Augenbraue in seine Stirn. „Du hast bestimmt einen neuen Song auf Lager. Von mir aus auch einen, der schon auf sicher, auf das Album kommt.“ – „Schatz, das geht nicht.“ Mischte sich Mikko ein. „Das nicht, aber es gibt einen neuen Song.“ Samu sah zu Riku. „Ich versuche es.“ Mikko krauste die Stirn. „Wir testen ihn nur mal.“ Beruhigte ihn Samu, bevor er kurz, unkontrolliert an seiner Gitarre herum zupfte. Dann war die Melodie wieder da. Genau wie der Text. „I’m fighting too hard to win...“ Begann Samu. Riku hatte das Gefühl, seine Stimme klang bei diesem Song noch tiefer, als davor. Was ihn kurz vergessen liess, dass er Samu eigentlich unterstützen wollte. Doch diese Stimme...dieses Geschenk...einfach immer wieder unglaublich, wenn Riku sich bewusst auf sie ein liess. Schnell, hatte er sich in den Rhythmus und die Melodie hinein gefunden, um zu Samus Melodie eine andere hinzufügen. Auf Samus Gesicht, legte sich ein Lächeln. Egal wie, es funktionierte einfach immer. Es hätte ihn auch ziemlich erstaunt, wenn es ausgerechnet bei diesem Song, nicht hin gehauen hätte.
„Genau das...der...egal...er muss mit auf das Album!“ War Mikko regelrecht begeistert, als der Song zu Ende war. Es kam sehr selten vor, dass er dann in einen solchen Sturm an Begeisterung verfiel. War wohl das Bier, dass schon durch ihn hindurch floss. Stolz, strich Riku Samu durch die Haare. Es folgten noch zwei, drei Songs, dann wurden die Gitarren wieder weg gepackt. Sie waren schliesslich nicht zusammen gekommen, damit Samu und Riku hier ein Privatkonzert gaben.
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Leave the past behinde
FanfictionEin einziger Moment, kann dein ganzes Leben verändern... Mit dem Moment, als Riku Rajamaa, Musiker aus Leidenschaft und begnadeter Gitarrist, das Studio betritt, verändert sich nicht nur die Situation der finnischen Band Sunrise Avenue. Auch sein e...
