Riku hatte fast alles was er brauchte, zusammen gepackt und in seinem Auto verstaut. Es fehlten nur noch die Kleider und Toilettenartikel. Doch zuerst, musste Riku mit Samu sprechen. „Samu, ich muss dir etwas sagen.“ Samu sah von seinem Laptop hoch. Ernst, schwang in Rikus Stimme mit. Riku strich sich durch die Locken. Er hatte zwar noch keine Wohnung gefunden. Riku wollte sein Vorhaben dennoch so schnell wie möglich in die Tat umsetzen. Weshalb er vorerst ins Mökki zog. War etwas umständlich, aber es musste sein. „Ich werde ausziehen.“ Waren die schwersten Worte, die Riku seit langer Zeit über seine Lippen bringen musste, draussen. „Wie ausziehen?“ Samu schloss seinen Laptop und legte ihn zur Seite.
„Gibt es mehrere Arten aus zu ziehen?“ Samu kaute auf seiner Lippe herum. „Ich werde hier ausziehen, Samu. Heute noch.“ Mit diesen Worten, liess Riku Samu auf dem Sofa sitzen und ging nach oben. Das hatte er jetzt nicht wirklich ernst gemeint? Samu folgte Riku nach oben. „Was tust du da?“ Ein verärgertes Schnauben, kam als Antwort von Riku. „Es wäre nett, wenn du mir nur einmal zuhören würdest. Und zwar jetzt.“ Drehte sich Riku zu Samu. „Ich...ziehe...aus!“ Betonte Riku absichtlich jedes Wort. „Du kannst nicht ausziehen.“ Reagierte Samu panisch. „Ach nein. Und wieso nicht?“ Riku verschränkte die Arme vor der Brust. „Weil...weil es unser Zuhause ist.“ Ein sarkastisches Lachen entwich Riku. „Dieses Haus ist schon lange nicht mehr unser Zuhause. Wir wohnen hier lediglich noch.“ Riku schmiss weiter Kleider in seinen Koffer. „Das ist nicht dein Ernst?“ Ungläubig sah Samu dabei zu, wie sich Rikus Koffer mit Kleidern füllte. Und seine Seite des Schrankes leerte. „Mein voller Ernst. Und meine verdammte Absicht.“ Gab Riku trocken und so emotionslos, wie es ihm in dieser Situation möglich war, zurück. „Du willst mich also dafür bestrafen, dass ich so wenig Zeit für dich habe?“ Am liebsten hätte Riku laut geschrien. Samu sah es einfach nicht ein. „Herrgott! Es geht nicht immer nur um dich.“ Wirbelte Riku herum. „Vielleicht mag es für dich, im Moment, wie eine Bestrafung aussehen. Aber oh Wunder, es ist auch für mich nicht einfach. Ob du es glaubst oder nicht. Aber wir können so nicht weiter machen. Endgültig nicht.“ Verzweiflung war in Rikus Stimme zu hören. „Dann...lass uns zusammen reden. Rik...“ Umfasste Samu Rikus Hände und drehte ihn zu sich um. „Das hat doch keinen Sinn mehr, Samu. Ich habe schon zu oft geredet. Meine Gefühle beschrieben. Meine Wünsche geäussert. Und du hast nicht zugehört. Oder wolltest nicht zuhören. Was weiss ich. Auf jeden Fall hat sich nichts geändert. Rein gar nichts. Du hast so weiter gemacht, wie immer. Weil ich weiterhin da war. Es ändert sich ja nichts für dich. Warum solltest du über alles, was ich dir gesagt habe, nachdenken? Warum solltest du irgendwas ändern, wenn ich genau so leere Ultimaten stelle, wie deine Worte in den letzten Jahren leer waren, wenn es um meinen einzigen, jedoch sehnlichsten Wunsch ging.“ Rikus Blick, mit dem er Samu nun an sah, war traurig. „Lass uns noch einmal darüber sprechen.“ – „Darüber sollte man nicht lange reden müssen, wenn Liebe im Spiel ist. Es sollte aus dem Gefühl heraus geschehen. Weil du es genau so sehr willst, wie ich. Doch das scheint nicht der Fall zu sein.“ Riku schüttelte kurz den Kopf, um sich zu sammeln. „In Helsinki, vor Welcome to my Life, schlich sich bei mir die leise Hoffnung ein, dass genau in dem Augenblick der Moment der Erlösung folgte. Mein Herz schlug so heftig und schnell, dass ich das Gefühl hatte, es springe mir nächstens aus der Brust. Ich dachte, du hättest es endlich begriffen. Doch nichts kam.“ Riku schluckte schwer. Er spürte noch immer dieses Gefühl in sich. Am liebsten wäre er Samu, bevor dieser zu Ende gesprochen hatte, um den Hals gefallen. Und hätte laut geschrien, dass er ihn auch liebe. Ja, vielleicht hätte Riku das mal tun sollen. Warum ergriff nicht er die Initiative? Weil er ein Feigling war und Riku Angst vor Samus Reaktion hatte. Ausserdem war Samu der Kopf der Band. Also war es Samus Aufgabe, damit an die Presse zu gehen und den Zeitpunkt zu wählen.
„Ist es wegen Mia?“ Holte ihn Samu aus seinen Gedanken. „Und wenn es so wäre?“ Bereute Riku seine Worte, kaum hatten sie seine Lippen verlassen. Rikus Worte trafen Samu wie ein Schlag ins Gesicht. Heftig und schonungslos. „Ziehst du zu ihr?“ Riku schüttelte den Kopf. „Ins Mökki. Bis ich was anderes habe. Dann werde ich den restlichen Kram holen kommen.“ Samu nickte. „Was ist mit Sunrise Avenue? Gibst du das, was du am meisten liebst, einfach auf?“ – „Das zieht es nun mal einfach mit sich. Wie soll das anders funktionieren?“ Riku atmete tief durch. „Ihr werdet schon einen neuen Gitarristen finden.“ Wusste er eigentlich, was er da eben gesagt hatte? Einen anderen Gitarristen finden. Wer sollte sich einen neuen Gitarristen suchen wollen, wenn er den Besten schon hatte. Bereits jetzt sträubte sich alles in Samu dagegen. Ausserdem ging es doch nicht allein darum, einen neuen Gitarristen zu finden. Samu hatte Riku nicht bloss deswegen gewählt, weil er der Beste an diesem Tag und den Tagen davor war, der ins Studio spaziert kam. Es lag tiefer. Samu spürte es schon damals. Er verlor nicht nur den Menschen, den er liebte. Sondern gleichzeitig den besten Freund, den Samu jemals hatte und den allerbesten Gitarristen, den er neben sich auf der Bühne stehen haben wollte. Am liebsten wäre Samu vor Riku zusammen gebrochen. Blieb er jedoch standhaft. Diese Blösse wollte er sich nicht geben. Vielleicht war es die falsche Entscheidung. Die Samu jedoch nicht gewollt und absichtlich traf. Denn neben dem Ohnmachtsgefühl, welches durch Samus Körper strömte, schlich sich eine eisige Kälte hindurch. Sie umschloss sein Herz, wie eine eisig kalte Hand. Diese Kälte, machte es Samu unmöglich, die Gefühle und Emotionen, die mit voller Wucht durch seinen Körper jagten, an die Oberfläche zu lassen. Wie der Deckel auf einer Kiste. In diesem Augenblick, zog sich eine Mauer um Samus Herz, um dahinter all die Emotionen und seine verletzliche Seite sicher zu verwahren. Um sich und sein Herz vor weiteren Verletzungen und grundsätzlich vor Gefühlen zu schützen. „Das werden wir dann wohl müssen.“ Kam eisig von Samu. Sein Blick, mit dem er Riku musterte, war unergründlich. Emotionslos. Gefühle waren keine aus zu machen. Oder war da etwa eine Spur von Hass zu sehen, als Samu das letzte Mal in die blaugrauen Augen von Riku sah? Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verliess Samu das Zimmer. Riku vergrub das Gesicht hinter seinen Händen und lehnte den Kopf gegen den Schrank. Das alles, kostete ihn unglaublich viel Kraft. Kraft, die er eigentlich nicht mehr hatte. Sie war während der Tour auf der Strecke geblieben. Weshalb sich Riku kurz setzen musste. Er sass auf dem Bettrand und strich gedankenverloren über Samus Kopfkissen. Zog es unter der Decke hervor und drückte sein Gesicht in den weichen Stoff. Tief atmete Riku den Duft von Samu auf, bevor er wieder hoch sah. Über der Kommode, gegenüber von Riku, hing ein Bild von Samu und ihm. Ein Bild aus glücklichen Tagen. Es entstand auf der Bühne. Mitten bei einem Konzert. Oder war es am Ende? Egal. Sie waren beide so voller Adrenalin und einfach nur glücklich, das machen zu können, was sie liebten. Gemeinsam mit guten Freunden. Riku hatte von hinten seine Arme um Samus Taille geschlungen. Samus Hände lagen auf denen von Riku. Ihre beider Gesichter waren so nah, dass sie sich berührten. Gemeinsam strahlten sie um die Wette. Riku spürte noch heute das Kribbeln, welches durch seinen Körper jagte und wie sein Herz wild klopfte, als er Samu so nah spürte. Was er jetzt spürte, wenn Riku in Samus Nähe war, konnte er nicht mehr beschreiben. Es waren nicht mehr die selben Gefühl, wie damals auf dem Bild. Zu viel war passiert. Dennoch liebte Riku Samu noch. Weshalb ihm auch wieder Tränen über die Wangen rollten. Schnell wischte er sie weg. Wenn er heute noch ins Mökki wollte, musste Riku weiter packen. Was länger dauerte, als gedacht. Überall hingen zu viele Erinnerungen. Vor dem Fenster, blieb Riku noch einmal stehen und schaute hinaus. Die Bäume trugen so viel Laub, dass man nicht bis zum See sah. Es war ein Traum hier. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ein schöner Traum, der hier zu Ende geträumt war.
Fertig gepackt, schleppte Riku seinen Koffer und die Tasche, runter in sein Auto. Bevor er fuhr, wollte Riku noch Samu Bescheid geben. Einfach so zu gehen, lag nicht in seiner Natur.
Samu stand am Fenster, welches gegen die Terrasse gerichtet war. Seine ganzen Muskeln waren angespannt. Es war noch nicht lange her, da gab es nichts Schöneres, als sich in solchen Momenten, an Samu zu schmiegen. Einen Kuss in dessen Nacken gehaucht. Jetzt fühlte es sich so an, als würde sich zwischen ihnen beiden ein Graben befinden. Nicht sehr gross. Aber nicht zu überwinden. Riku stellte sich neben Samu. Eine Weile standen sie dort, ohne ein Wort zu sagen. „Versprichst du mir etwas?“ Stille. Samu sah kurz zu Riku. Wann waren sie sich so fremd geworden? „Mach bitte keinen Scheiss. Ich möchte nicht...Auch wenn ich jetzt gehe, bist du mir nicht egal. Im Gegenteil. Du bist immer noch der wichtigste Mensch in meinem Herzen. Denn nicht Sunrise Avenue ist das, was ich am meisten liebe. Sondern du.“ Riku musste seine Tränen herunter schlucken. Seine Finger, berührten kurz die von Samu. „Warum tust du es dann?“ Wollte Samu mit Tränen erstickter Stimme wissen. „Ich tue das für uns, Samu. Damit wir nicht noch mehr kaputt machen, als es ohnehin schon ist.“ Langsam drehte sich Samu zu Riku um. Seine Augen waren gefüllt mit Tränen. „Du machst gerade alles was wir noch hatten kaputt, in dem du gleich durch diese Tür gehst.“ Das war sich Riku bewusst. Er nickte. „Vielleicht, ja.“ Dieses Risiko musste er jetzt aber einfach eingehen. Koste es, was es wolle. Und wahrscheinlich kostete es ihm gerade in dem Augenblick das kostbarste was er je besass. Die Liebe. „Pass bitte auf dich auf.“ Ein flüchtiger Kuss auf Samus Wange und Riku zwang sich, sein Vorhaben endlich durch zuziehen. Mit Blei schweren Beinen, ging Riku zu seinem Auto und verliess sein Zuhause, sein Heim. Samu, die Liebe seines Lebens.
Hinter seiner Mauer, zerbrach Samu, als die Tür hinter Riku ins Schloss fiel, in viele kleine Einzelteile. Zersplitterte, wie eine Vase die auf einem harten Boden aus Stein aufschlug, in tausend kleine, scharfe und spitze Splitter. Nach aussen drang keines dieser Gefühle. Doch bohrte sich eine dieser kleinen fiesen Splitter tief in Samus Herz. Hinterliess eine Wunde. Keine klaffende die blutete. Jedoch eine die schmerzte. Wann immer man es zu liess, dass sich der Splitter tiefer und tiefer hinein bohrte.
- ENDE -
* Fortsetzung folgt *
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Leave the past behinde
FanfictionEin einziger Moment, kann dein ganzes Leben verändern... Mit dem Moment, als Riku Rajamaa, Musiker aus Leidenschaft und begnadeter Gitarrist, das Studio betritt, verändert sich nicht nur die Situation der finnischen Band Sunrise Avenue. Auch sein e...
