Riku hätte nie gedacht, dass er die Worte ‘Trennung’, in Zusammenhang mit Samu, jemals in den Mund nehmen würde. Es war ein beschissenes Gefühl. Allem, was auf ihm lastete und schon eine ganze Weile in Rikus Innern brodelte, endlich einmal Luft zu verschaffen, tat dagegen unglaublich gut. Riku seufzte, als er die Tür zu seinem Mökki aufschloss. Konnte er es nicht lassen? Schoss es Riku durch den Kopf, als sein Handy klingelte. Er setzte sich auf das Sofa und holte es aus seinem Rucksack. Es war tatsächlich Samu. «Auch auf die Gefahr hin, dass du mich noch mehr hasst, als ohnehin schon. Ich bin auf dem Weg zurück nach Berlin. Also musst du nicht in deinem Mökki bleiben. Wenn du willst, kannst du zurück nachhause.» Riku seufzte. Er kannte ihn einfach zu gut. Doch hassen war dennoch das falsche Wort. «Du warst schon weg, bevor ich es dir sagen konnte. Sorry!» Auch wenn Riku die Auszeit wollte, wurde sein Herz noch schwerer, als es ohnehin schon war. «Ok. Und wie lange?» - «Sicher bis das Ganze dort zu Ende ist. Also Mitte Dezember oder so. Danach sehen wir weiter...» Das war eine verdammt lange Zeit. Tränen suchten sich einen Weg aus Rikus Augen. Sein verräterisches Herz, übernahm mal wieder die Oberhand. «Vielleicht besser so...» - «Wenn es bedeutet, irgendwas zu retten, dann ja...», schrieb Samu wahrheitsgetreu. «Pass auf dich auf.», ging Riku nicht auf diese Aussage ein. Das Handy machte er aus und legte es zur Seite. Er würde sicher ein paar Tage hier bleiben. Aber Riku brauchte ganz dringend jemanden zum reden. Nicht mehr heute. Denn es war schon fast Abend. Aber in den nächsten Tagen. Ja vielleicht schon morgen. Mit dröhnendem Kopf, erhob sich Riku. Er hatte Hunger. Zumindest sagte ihm das sein Magen. Er würde ihm mal nach geben. Pasta mit Käse, war das beste Essen, in einer solchen Situation. Ging schnell und konnte man auch essen, wenn man nicht Hunger hatte. Lustlos, stocherte Riku im Teller herum. Leerte ihn dann aber dennoch. Der Sommer, war Rikus liebste Jahreszeit. Weil er die Tage, hier oben im Norden, schön lange machte. Der war jedoch so gut wie vorbei. Riku setzte sich dennoch raus. Liess seine Gedanken auf Reisen gehen. In eine Zeit, weit weg in der Vergangenheit. Manchmal war es ihm als sei es eben erst gewesen. Im Moment jedoch, wie eine Ewigkeit. Der Augenblick, als Riku mit Samu hier an kam. Es war Winter und stock dunkel. Jedoch fast die gleiche Uhrzeit. Es war nach einem aufregenden Tag. Nachdem er Samu seine Liebe gestanden hatte. Riku nicht glücklicher hätte sein können. Der Tag, an dem alles anders wurde. Wann kamen sie vom richtigen Weg ab? Sie hatten doch so gekämpft für ihre Liebe und Beziehung. Um beides mit ihrem Traum der Band, unter einen Hut zu bringen. Vielleicht war gerade das das Problem. Das sie kämpfen mussten. Sollte es nicht einfach sein? Die Liebe. Sie fühlte sich lange Zeit auch einfach und leicht an. Irgendwann jedoch...nur noch schwer und als einzige Last. Riku erschauderte es bei diesem Gedanken, den er gerade hatte. Er machte ihm Angst. Das war alles falsch. Samu zu verlieren, war nicht das, was Riku wollte. Beschlich ihn jedoch das ungute Gefühl, dass er ihn damit mehr von sich weg trieb, als Riku wollte. Samu sollte doch nur nach denken. Darüber, was ihm wichtig ist. Riku hoffte inständig, dass er das auch tat und sich nicht in der Arbeit vergub, um alles Negative von sich zu schieben. Es würde jedoch zu Samu passen. So sehr sich Riku gerade nach ihm sehnte, es war ihm ein Rätsel warum, war er froh, war da jetzt etwas Zeit. Sein Leben führen, ohne immer im Hinterkopf zu haben, wann Samu wohl heim kam, damit er dann da war. In letzter Zeit, um Samus schlechte Laune aus zu halten. Da konnte er auch gleich in Berlin bleiben. Denn als Blitzableiter, musste Riku nicht her halten. Dafür, konnte Samu sich einen anderen Dummen suchen. Riku sah in den Himmel. Ein erster Stern war zu sehen. Nur schwach. Doch er war da. Der hatte keine Ahnung von den Sorgen hier unten. War vielleicht schon seit Jahrhunderten erloschen. Wer wusste das schon. Erloschen. Riku schüttelte den Kopf, bei dem Gedanken der in ihm auftauchte. Er musste jetzt positiv denken. So schwer es Riku, im Augenblick fiel. Wenn er sie beide jetzt schon abschrieb, würde er Samu die Chance nehmen, einen Beitrag zu leisten, etwas zu ändern. Und dies, wäre mehr als unfaire.
„Wo ist er und was hat er angestellt?“ Öffnete Liisa die Tür. Riku wusste nicht, wo er sonst hingehen sollte, als ihm schon am nächsten Morgen, die Decke auf den Kopf fiel. Weshalb er Liiaa schrieb, ob sie Zeit habe und alleine sei. Er wollte nicht immer all seine Sorgen bei seiner Mama abladen. Sami und Liina, hatten schon genug für ihn gemacht, in letzter Zeit. „Riku?“ Kam Liisa mit fragendem Blick ins Wohnzimmer, wo Riku sich schon ins Sofa sinken liess. „Samu ist in Berlin.“ – „Wollte er nicht nach Hause kommen?“ Setzte sich Liisa neben Riku. Emmi schlief und Mikko war im Büro. Weshalb sie gut Zeit hatte. „Ist er. Gestern.“ Ein weiterer fragender Blick traf ihn. „Er war stink sauer, weil er in einem Magazin Fotos von Mia und mir gesehen hat. Es artete in einem riesigen Streit aus.“ Liisa seufzte. „Samu war so verdammt uneinsichtig und eifersüchtig, was die Bilder anging und hat mir unterstellt, dass ich nicht ehrlich zu ihm war, was Mia und mich angeht.“ Liisa schnaubte verächtlich. Sie mochte Samu. Doch was er hier mit Riku ab zog, ging langsam aber sicher mehr als zu weit. Sie hätte Mikko schon lange die Hölle heiss gemacht, wenn das ihre Beziehung wäre. Sie sahen sich auch nicht so oft, wie Liisa dies gerne hätte. Sie wusste jedoch, dass sie Mikko voll und ganz vertrauen konnte. Und er ihr. Diese Spannungen waren nicht vorhanden. Sie waren es, die totales Gift für Samu und Riku sind. Vergiftete ihre Beziehung von innen heraus. Bis es irgendwann einen Knall gab. Liisa befürchtete, dass gestern dieser Moment war. „Ist er deswegen gegangen?“ Riku schüttelte den Kopf. „Sondern?“ – „Ich habe ihn weg geschickt. Also besser gesagt, ich wollte gehen.“ Warum musste man dem Mann nur alles aus der Nase ziehen. Wollte reden, aber von sich aus, kam nichts. „Rede Riku. Ich kann nicht Hellsehen.“ – „Er hat mich gefragt, ob ich mit Mia geschlafen habe.“ Kam leise von Riku. „ER HAT WAS?“ Rief Liisa aus. „IST ER BESCHEUERT?“ Das durfte nicht sein Ernst sein. „Du hast ihn hoffentlich raus geschmissen.“ Riku schüttelte den Kopf.
„Ich habe ihm eine geknallt.“ Liisa klatschte erfreut in die Hände. „Tut mir leid, Riku. Ich mag Samu, aber was er im Moment abzieht, geht zu weit. Vor allem das, was du mir eben erzählt hast.“ Riku kaute auf der Lippe herum. „Und jetzt?“ – „Ich habe Samu gesagt, dass ich ihn, im Moment nicht in meiner Gegenwart ertrage. Weshalb Samu wieder zurück nach Berlin ist. Unsere Beziehung liegt quasi auf Eis.“ Liisa machte grosse Augen. Sowas aus Rikus Mund zu hören, erstaunte sie. „Ausserdem habe ich Samu gesagt, dass sich was ändern muss. Noch einmal, mache ich das nicht mit. Mal sehen, ob er darüber nach denkt und sich nicht wieder einfach nur in der Arbeit verkriecht.“ Seufzte Riku. Mit besorgtem Blick, strich Liisa ihm über den Rücken. „Das Schlimmste ist, dass ich gerade an allem zweifle. Auch an meiner Liebe zu Samu.“ Rikus Stimme wurde brüchig. „Hat das alles noch einen Sinn? Es ist doch alles nur noch ein einziger Kampf. Und ich habe keine Energie mehr, für zwei zu kämpfen. Während einer in der Beziehung einfach mal abwartet, wie sich alles entwickelt. Mit der Einstellung, dass irgendwann alles gut kommt.“ Rikus Kopf sank nach unten. Sein Gesicht vergrub er in seinen Händen. Die Nacht war bescheiden. Zum einen war er hell wach und konnte nicht schlafen. Wenn er es dann doch mal schaffte, dann plagten ihn Alpträume. Weshalb er gerade wieder seinen Emotionen freien Lauf lassen musste. Auch wenn er es eigentlich nicht wollte. „Hey...Schscht...“ Rutschte Liisa näher an Riku heran und zog ihn in ihre Arme. „Lass es raus.“ Hielt sie ihn fester, als sich Riku aus Liisas Armen winden wollte. „Irgendwann müssen auch die Tränen raus und nicht nur der aufgestaute Frust.“ Riku ergab sich.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, löste er sich von Liisa. „Tut mir leid.“ Schniefte Riku und wischte sich übers Gesicht. „Muss es nicht. Es ist gut, dass du zu mir gekommen bist und es nicht wieder mit dir ausgemacht hast. Und wegen dem verheulten Shirt...das bin ich mir gewohnt.“ Zwinkerte Liisa. Es entlockte sogar Riku ein leichtes Lächeln. „Ihr werdet es schaffen. Du liebst Samu doch noch oder?“ Riku nickte und gleichzeitig zuckte er mit den Schultern. „Dann musst du ganz fest daran glauben, dass ihr die Kurve wieder kriegt. Ihr müsst euch nur bewusst werden, was ihr wollt. Gemeinsam. Nicht jeder einzeln.“ – „Das ist doch genau das Problem. Wir wollen beide etwas anderes.“ Liisa sah ihn fragend an. „Samu will, wie man ja sieht, um jeden Preis Erfolg.“ – „Und du?“ Liisa ahnte, die Antwort zu kennen. „Ich würde das alles eintauschen, könnten Samu und ich uns dafür frei bewegen. Eine ganz normale Beziehung führen könnten. Die Band ist nicht mein Traum. Sonder der von Samu.“ – „Was war dein Traum, bevor du in das ganze Sunrise Avenue Chaos gestolpert bist?“ Riku lächelte. Dieses Chaos liebte er. „Du magst es doch eigentlich.“ – „Natürlich mag ich es. Nur steht es nicht an erster Stelle. Ich hatte nie im Kopf, berühmt zu werden. Von der Musik, vielleicht zu leben. Mein Traum war es, die Liebe meines Lebens zu finden. Heiraten. Eine Familie zu gründen. Ein eigenes Traumhaus.“ – „Aber irgendwann, wurde es doch auch, irgendwie zu deinem Traum. Sonst wärst du doch nicht an dieses Verspielen.“ War Liisa erstaunt. „Am Anfang. Dann habe ich mich in den grossen Blonden verliebt und alles war auf einmal ganz anders. Wir führten die Beziehung, die ich mit Laura nie hatte. Wurde mit Liebe überschüttet. Wir kauften uns ein Haus. Alles schien perfekt.“ Riku atmete tief durch. „Also habe ich das Haus, von dem ich immer geträumt habe. Die grosse Liebe, dachte ich auch zu haben.“ Liisa gefielen Rikus Gedanken nicht. Zu schwarz waren sie, was seine Beziehung mit Samu an ging. „Riku Rajamaa, du wirst jetzt nicht anfangen, alles negativ zu sehen, was du mit Samu hast. Ihr hattet ein paar tolle Jahre. Zählen die denn auf einmal gar nicht mehr?“ Stille. „Riku...Das ist dir und auch Samu gegenüber nicht fair, jetzt alles hin zu schmeissen, nur weil du gerade keinen Ausweg siehst. Es gibt immer einen Ausweg.“ Redete Liisa ihm ins Gewissen. „Dafür, müsst ihr aber ganz dringend und unbedingt, mit einander reden.“ – „Also soll ich wieder der Dumme sein und nach geben?“ Schnaubte Riku. „Nein. Das sollst du nicht.“ Schüttelte Liisa den Kopf. „Ich würde dich schütteln, wenn du zu diesem Sturkopf nach Berlin fliegen würdest.“ Sie liess den Kopf zur Seite fallen und musterte den Mann, der vor ihr sass. Sie hatte es, auch wenn sie es nicht wollte, kommen sehen. Liisa wusste nicht warum. Es war so ein Gefühl. „Du solltest Samu klar aufzeigen, was du willst und was nicht.“ – „Was soll das bringen? Das habe ich schon so oft getan. Es war der Grund von unserem ersten Streit. Da waren wir noch kaum zusammen. Die Jungs, wussten es gerade eben so.“ Liisa überlegte. Es war eine verzwickte Situation. „Samu versichert mir schon seit Jahren, dass es irgendwann anders wird. Wir, wenn die Zeit reif sei, eine ganz normale Beziehung führen werden. Öffentlich. Wie alle anderen Menschen.“ – „Und du glaubst ihm nicht?“ Riku zuckte mit den Schultern. „Das höre ich mir jetzt schon seit Jahren an, Liisa. Wann ist irgendwann? Wenn das Jahr vorbei ist? In einem Jahr? In zehn Jahren?“ Liisa hatte keine Antwort. Die hatte wahrscheinlich nicht einmal Samu. „Niemals. Das wird wohl die Antwort auf all meine Fragen sein. Was ist das für eine Beziehung?“ – „Könntest du dir denn eine Beziehung mit jemand anderem vorstellen? Mia, zum Beispiel?“ Rikus Stirn krauste sich. „Ich frage nur.“ – „Eine Beziehung ohne Liebe, hatte ich schon einmal. Also nein. Wenn auch mit ihr, alles einfacher ist. Auch wenn Bilder in der Presse auftauchen. Es interessiert keinen wirklich. Genau wie bei Samu und Vivi. Dagegen schlugen die Bilder von Samu und mir, Meter hohe Wellen. Man konnte meinen, es sei der Skandal überhaupt.“ – „Wurde es nicht bloss durch die Bosse, zu diesem grossen Etwas, was es nun ist? Ich verstehe von dem Ganzen zu wenig und beschäftige mich nicht wirklich mit diesem Kram. Aber die Fans lieben doch genau das, was ihr seid und auf der Bühne verkörpert habt, bevor es euch verboten wurde.“ – „Würden sie es auch noch, wenn es Tatsache wäre?“ Stellte Riku die Frage mehr zu sich selber. „Würden sie ganz bestimmt. Die wahren Fans zumindest. Und nur die zählen. Alle anderen kommen und gehen. Ein Versuch, wäre es wert.“ - „Sag das mal Samu. Es ist ein sehr heikles Thema, welches schon zu so viel Streit geführt hat. Samu tut so, als würde ich von ihm ewarten, dass er Sunrise Avenue fallen lässt, um zu mir zu stehen.“ Wieder schimmerten Tränen in Rikus Augen. „Das tut verdammt weh.“ – „Das verstehe ich.“ Drückte Liisa ihm einen Kuss auf die Wange. „Es kommt für mich, einer Verleumdung gleich. Als...würde er...sich so, immer noch ein Hintertürchen offen lassen, um aus dem Ganzen raus zu kommen.“ Aus dieser Perspektive, hatte Liisa das noch gar nie betrachtet. „Hast du das Samu mal gesagt?“ – „So ähnlich, ja. Er hat es abgestritten und wurde wütend.“ Strich sich Riku durch die wilden Locken. „Ach ihr Zwei.“ Legte Liisa wieder ihren Arm um Riku. „Ich wünsche euch so sehr, dass ihr es wieder hin bekommt und einfach nur glücklich sein könnt.“ – „Ich auch.“ Lehnte sich Riku, seufzend an Liisa.
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Leave the past behinde
FanfictionEin einziger Moment, kann dein ganzes Leben verändern... Mit dem Moment, als Riku Rajamaa, Musiker aus Leidenschaft und begnadeter Gitarrist, das Studio betritt, verändert sich nicht nur die Situation der finnischen Band Sunrise Avenue. Auch sein e...
