Kapitel 121

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Ein schmerzliches Stöhnen, holte Samus Aufmerksamkeit, von der Pizza zu seinem Freund. Dieser kniete gekrümmt am Boden und wimmerte vor sich hin. „Oh Gott, Rik!“ Aufgeregt, ging Samu vor ihm zu Boden. „War ich das etwa?“ Riku nickte leicht. „Scheisse! Schatz, es tut mir so leid! Wo hast du Schmerzen?“ – „Rücken.“ Kam leise von Riku. „Kannst du aufstehen?“ Liebevoll strich Samu ein paar Locken aus Rikus Gesicht. „Komm, ich helfe dir erst einmal auf.“ Vorsichtig fasste Samu seinen Schatz unter den Armen, um ihn erst einmal auf die Beine zu stellen. Riku seufzte unterdrückt. „Würdest du bitte aufhören, deine Schmerzen zu unterdrücken? Ich muss wissen, was los ist mit dir.“ Riku lehnte seinen Kopf gegen Samus Brust. Aufrecht stehen, konnte er nicht. „Ich fahr dich jetzt ins Krankenhaus.“ Samus Stimme und sein Blick, erlaubten keine Wiederrede. Riku nickte geschlagen. Sein Rücken und das aufrecht stehen können, war eines seiner Kapitale. Neben der Fähigkeit seiner Fingerfertigkeit. Etwas umständlich, zog Samu ihm die Schuhe und Jacke an, bevor er Riku, wie ein rohes Ei, in den Wagen verfrachtete. „Es tut mir so leid, Schatz!“ Raufte sich Samu durch die Haare. Wenn Riku sich richtig bewegen könnte, würde er ihn jetzt an sich ziehen. Ein liebevolles Lächeln, musste reichen. Obwohl Riku wusste, dass es Samu nicht reichte. Das schlechte Gewissen, wird Samu regelrecht auffressen. „Und was sage ich, was passiert ist?“ Kam es Riku auf einmal in den Sinn. „Die Wahrheit.“ Antwortete Samu abwesend. „Du machst Witze?“ Sah Riku zu Samu.
„Schatz.“ Riku legte seine Hand auf Samus Oberschenkel. „Zerbrich dir nicht den Kopf. Aber die Wahrheit, kann ich dennoch nicht sagen.“ Samu sah kurz zu Riku. „Nein. Das...Ach man...“ Wieder landete Samus Hand in seinen Haaren. „Mir wird schon was in den Sinn kommen.“ Lächelte Riku. „Ich liebe dich!“ Vorsichtig, hob Riku seine Hand und strich einmal durch Samus verwuschelten Haare. Dieser umfasste sie mit seiner und drückte einen Kuss auf Rikus Handrücken. Nur langsam, kamen Samu und Riku voran, bis zur Anmeldung, als sie das Krankenhaus endlich erreicht hatten. „Setz dich erst mal hin, Sch...Rik.“ Völlig erledigt, liess sich Riku langsam auf den Stuhl sinken. Was Rückenschmerzen so ausmachen konnten, dachte Riku. Wenn es einen traf, dann wurde man sich mal wieder bewusst, wie wichtig es war, dass der Rücken intakt war. Von ihm, ging alles aus. „Kann ich ihnen helfen?“ Wurde Samu, von einer etwas rundlichen Schwester begrüsst. „Mein Freund dort, hat sich etwas unsanft den Rücken gestossen. Und jetzt kann er kaum aufrecht gehen.“ In Samus Gesicht, konnte man nichts als unglaubliche Sorge sehen. „Und wie heisst der Patient?“ – „Rajamaa.“ – „Sie müssen noch einen Augenblick Geduld haben, bis ein Arzt frei ist. Ich rufe sie dann auf. Herr...“ Fragend sah sie Samu an. „Haber.“ – „Gut, Herr Haber. Setzen sie sich zu ihrem Freund und lenken sie ihn etwas ab.“ Samu nickte nur und ging zu Riku zurück. „Und?“ – „Warten.“ Rikus Gesicht war Schmerzverzerrt, auch wenn er es sich nicht anmerken lassen wollte. Wie gerne, hätte Samu ihn jetzt geküsst oder ihm diese süsse Locke aus dem Gesicht gestrichen. Samu versank in Rikus Anblick. Auch wenn er es nicht gerne sah, wenn Riku Schmerzen hatte. Wenn Samu könnte, würde er diese seinem Schatz, auf der Stelle, abnehmen. „Herr Rajamaa.“ Wurde Riku, nach einer gefühlten Ewigkeit, dann endlich aufgerufen. Samu half ihm auf und sie folgten der Schwester zum Behandlungsraum. „Sie müssen leider draussen warten, Herr Haber.“ Samu wollte gerade etwas darauf erwidern. „Ich werde ihren Freund sicher und wohlbehalten rein begleiten.“ Das warme und liebevolle Lächeln, beruhigte Samu nur bedingt. Aber was sollte er tun? „Ich warte hier, Rik!“ – „Ok!“ Lächelte ihn Riku so liebevoll an, dass es Samus Herz zum schmelzen brachte. Selbst in einer solchen Situation. Seufzend liess sich Samu auf die Sitzreihe sinken. Was für ein scheiss Abschluss, eines so schönen Tages. Samu vergrub das Gesicht in seinen Händen.

Wie lange er da sass und wartete, wusste er nicht. Bis sich die Tür endlich wieder öffnete. Ruckartig stand er auf. Fragend sah er von seinem Freund zum Arzt, der neben ihm stand. „Alles in Ordnung?“ Samus Blick war unsicher. Riku nickte. „Kein Grund zur Sorge. Ihr Freund, hat bloss eine Prellung von der Tischkannte. Diese hat eine etwas ungünstige Stelle getroffen. Aber mit etwas Ruhe, Schonzeit und Schmerzmittel, wird er wieder.“ – „Dann kann ich ihn...mit nach Hause nehmen?“ Der Arzt nickte. „Ich habe Herr Rajamaa eine Spritze gegeben, die bis morgen hin halten sollte. Sie bekommen, vorne beim Empfang, noch ein Schmerzmittel und eine abschwellende Salbe. Sie sollten die Dosis nicht überschreiten. Es soll die Schmerzen bloss erträglicher machen.“ – „Ich werde höchstpersönlich dafür sorgen, dass Herr Rajamaa sich schont. Vielen Dank!“ Etwas zu überschwänglich und zu erleichtert, schüttelte Samu die Hand des Arztes. „Das ist mein Job, Herr Haber.“ Lächelte der Arzt freundlich. Samu nickte und wandte sich Riku zu. „Dann lass uns schnell nach Hause gehen, damit du dich hinlegen kannst!“ – „Nur langsam, Samu.“ Grinste Riku. Seit der Arzt ihm diese Spritze verpasst hatte, war alles was mit Bewegungen zu tun hatte, wieder einigermassen erträglich. „Geht es?“ – „Ja Schatz. Alles Gut!“ Riku rutschte das Schatz einfach so raus. Samu lächelte ihn an. Atmete dann jedoch tief durch. Riku hatte noch keine Ahnung, wie er seinem Schatz dieses schlechte Gewissen nehmen sollte. Doch er hielt es nicht aus, ihn so zerknirscht zu sehen. „Alles gut bei Ihnen?“ Immer noch stand die nette Schwester beim Empfang.
„Wird schon wieder.“ Schenkte Riku ihr ein freundliches Lächeln. „Dann habe ich hier noch ihre Medikamente und die verschriebene Salbe.“ Bekam Riku zwei Schachteln in die Hand gedrückt. Die ihm Samu jedoch auch gleich wieder abnahm. „Du musst dich schonen.“ Riku schüttelte lachend den Kopf. Liess ihn jedoch machen. Wenn es Samu damit dann besser ging, würde Riku sich hüten, etwas zu sagen. „Haben sie jemanden, der Ihnen die Salbe aufträgt und sie auch sonst unterstützen kann?“ Auf Rikus Gesicht, legte sich ein strahlendes Lächeln, als er zu Samu sah und nickte. Es war ihm nicht bewusst. Aber ein Blinder hätte gesehen, dass die beiden nicht bloss Freunde waren. „Ich habe ganz vergessen zu fragen, wie lange ich mich schonen sollte.“ Kam Riku in den Sinn. „Bis nächste Woche bestimmt. Dann kommen sie noch einmal zur Nachunzersuchung. Mit dem Rücken ist nicht zu spassen.“ Bekam Riku noch eine Karte mit dem neuen Termin. „Sie spüren, wenn es sich ohne Schmerzmittel, besser anfühlt oder nicht. Jetzt wünsche ich Ihnen gute Besserung!“ – „Vielen Dank!“ Samu nickte dankend, bevor er seinen Freund nach draussen begleitete. „Ich denke, die hat was geahnt“, sagte Riku, als sie schon fast bei Samus Bemu waren. „Das ist mir gerade sowas von scheiss egal!“ Reagierte Samu etwas zu heftig. Riku blieb stehen. „Tut mir leid. Ich...“ Mehr konnte Samu nicht sagen. Denn Riku drückte ihm seine Lippen auf den Mund. Ihm, war gerade scheiss egal, ob sie dabei jemand sehen konnte. Atemlos löste sich Samu von Riku. „Lass deine verdammte Laune endlich wieder gehen. Am besten lässt du sie hier. Du kannst nichts dafür, Samu. Ich habe mir nichts getan.“ – „Du bist verletzt. Das nennst du nichts?“ Riku verdrehte die Augen. „Na gut, wenn du weiterhin schlechte Laune haben und in deinem schlechten Gewissen baden willst, dann mach ruhig. Aber ohne mich.“ Schlich Riku zum Auto. Samu kniff kurz die Augen zusammen. „Warte!“ Samu hatte Riku schneller eingeholt, als dieser den Wagen erreicht hatte. „Ich helfe dir!“ – „Wirst du dieses schlechte Gewissen endlich sein lassen?“ Samu nickte. „Samu?“ Riku sah ihn durchdringend an. „Sonst kannst du mich zu meiner Mum fahren." – „Was?“ Entsetzt, sah Samu Riku an. „Ich ertrage deine Launen gerade nicht. Ich brauche jemanden, der für mich da ist.“ – „Ich bin für dich da.“ Riku musterte Samu. „Ohne wenn und aber. Es ist doch nur...“ Riku zog Samu in seine Arme. „Du hast es nicht mit Absicht gemacht, Grosser. Jetzt beruhig dich und fahr mich endlich nach Hause. Ich kann gleich nicht mehr stehen.“ Es war nun mehr ein Klammern. „Ich wollte dir nicht weh tun!“ Drückte Samu seinem Löckchen einen Kuss auf die Haare. „Das weiss ich Samu! Es war im Eifer der Leidenschaft, gepaart mit Pizza im Ofen und na ja...wir halt.“ Zuckte Riku mit den Schultern. Was selbst Samu wieder ein Grinsen entlockte. „Du lächelst. Wie schön!“ Strich Riku ihm über die Wange. „Darf ich dich denn jetzt nach Hause mit nehmen?“ – „Nichts lieber als das!“ Samu strahlte. „Schwester Samu wird sich gut um dich kümmern.“ Half er Riku ein zu steigen. „Alles gut?“ Vergewisserte sich Riku doch noch einmal. „Alles gut, Rik.“ Darauf Samu und startete das Auto. „Leg dich hin.“ Setzte Samu Riku auf das Sofa, nach dem er, gefühlt im Schritttempo nach Hause gefahren war, und zog ihm die Schuhe aus. „Brauchst du irgendwas?“ – „Meinen Freund. Ganz dringend!“ Riku sah Samu sehnsüchtig an. „Bin gleich bei dir mein Schatz.“ Beeilte sich Samu, die Schuhe weg zu stellen. „Kannst du denn Kuscheln?“ – „Wird schon gehen.“ – „Vielleicht besser im Bett?“ Riku nickte. Wäre sicher vorteilhafter. „Dann schaffen wir dich mal einen Stock höher. Soll ich dich tragen?“ – „Wird schon gehen.“ Samu steuerte gleich das Bad an. Riku putzte sich die Zähne, während Samu sich auszog. „Bin isch ein Lüschpilz!“ Der Anblick von Samu, haute Riku immer wieder aus den Socken. „Was hast du gesagt?“ Lachte Samu. Riku spuckte die Zahnpasta aus und spülte den Mund. „Das ich ein Glückspilz bin!“ Strich Riku über Samus nackte Brust. „Spinner!“ Schüttelte dieser lachend den Kopf. „Komm, ich helfe dir aus deinen Klamotten. Dann trage ich dir etwas von der Salbe auf. Du musst mir nur sagen wo es weh tut.“ – „Ich glaube man sieht es.“ Riku hielt sich an Samu fest, während dieser ihm aus der Hose half. „Dreh dich um.“ Das Shirt hatte auch noch den Weg auf den Boden gefunden. „Oh scheisse!“ Entwich es Samu. „So schlimm?“ – „Willst du es sehen?“ – „Nein. Es reicht, dass ich es spüre.“ Samu drückte sich etwas von der Salbe auf die Finger. „Ich bin auch ganz vorsichtig! Versprochen!“ – „Ich weiss!“ Und doch sog Riku kurz aber heftig die Luft ein, als Samu die betroffene Stelle berührte. Fest kniff er die Augen zusammen. „Es tut mir leid!“ Küsste sich Samu über Rikus Nacken. „Schon viel besser!“ Seufzte Riku. Vorsicht, legte er sich danach ins Bett. Eine geeignete Position, hatte er schnell gefunden. Auf der Seite. Samu krabbelte hinter Riku und schlang vorsichtig seine Arme um ihn. „Sag mir, wenn ich dir weh mache.“ – „Es tut gut.“ – „Dann schlaf schön, mein Schatz. Und wenn etwas ist, dann weck mich.“ – „Danke! Ich liebe dich!“ Murmelte Riku. Der Arzt hatte ihm gesagt, dass das Medikament, einige Zeit, nach der Verabreichung, müde machen würde. Dies war jetzt der Fall. „Ich liebe dich auch!“ Hörte er noch knapp, dann war er schon weg geschlummert.

Samu fand keinen Schlaf. Weshalb er aufstand und sich mit seiner Gitarre auf das Sofa setzte. Zu weit weg, wollte er nicht, damit er Riku hörte, wenn er etwas brauchte. Aus anfänglichem, einfach ein paar Akkorde aneinander Reihen, wurde irgendwann eine Melodie. Auf diese, folgten Worte.
‘I’m fighting too hard to win
Back on the ground again
I feel like giving in
But you’re my second wind
Don’t you ever tire
Facing all my fires
I don’t need no one but you right now
So I say’
Worte, die sich zu einem Ganzen zusammen fügten. Einfach so. Ohne Mühe. Wie immer, wenn die Gefühle für Riku, den Antrieb dafür sind.
‘Oh my friend
You’re holding out your hand
I take it like an oar from the dephts
Hey, lifesaver
I’m drowning in despair
But you’re fighting for me right until the end
You pull me back to land
And save me once again’
Samu war sich sicher, dass Riku für ihn bis zum Ende kämpfen würde. Genau wie er dies für Riku, würde. Bis zum bitteren Ende. Durchs Feuer und wieder zurück. Gleichzeitig, war Riku sein Lebensretter. Er hatte ihn, aus diesem tiefen, schwarzen Loch geholt. Ganz einfach, in dem er im Studio auftauchte. Auch während dem Leben auf Tour und allem, was dazu gehörte, war Riku die Normalität, die er brauchte. Vor Riku, führte Samu ein eher loteriges Leben. Zumindest wenn sie auf Tour waren. Jede Nacht eine andere Frau im Bett, war schon fast Normal. Zumindest für die Nächte, in denen sie in einem Hotel übernachteten. Und wenn dies nicht der Fall war, gab es andere Wege. Zu viel getrunken hatte Samu ebenfalls. Es war, als würde Riku ihm einen Boden unter den Füssen geben, in diesem, manchmal wirren und schnelllebigen Business. Eine Art Erdung, so dass Samu nicht mehr in der Luft herum schwebte wie ein Ballon. Riku hatte ihn zurück auf den Boden gezogen und festgehalten. Samu musste zugeben, es fühlte sich gut an. Nicht erst seit sie ein Paar waren. Schon davor. Viel besser als dieses sprunghafte Leben auf der Überholspur. Erholsamer. Und Samu fühlte sich nicht mehr, als würde er innerlich immer Stress sein.
‘You lift me higher
You hold the fire
You make me strong to stand
You lift me higher
You hold the fire
I may not stand tall but without you I’d fall’
Dieser Song, war perfekt und beschrieb genau das was er fühlte, wenn er an seine Freundschaft und jetzt Beziehung, mit Riku dachte. Er musste unbedingt auf das nächste Album, welches im neuen Jahr auf dem Plan stand, dafür zu arbeiten. Es gab in dieser grossen weiten Welt, sicher noch mehr Menschen, die einen solchen Menschen kennen und um sich haben. Sie brauchten einfach einen Song für Freundschaft. Hier war er. Samu war zufrieden. Jetzt, konnte er vielleicht auch schlafen. Samu legte die Gitarre zur Seite und stand auf. Das Licht gelöscht, stieg er die Treppe hoch zu seinem Schlafzimmer. Ein Lächeln legte sich auf sein Gesicht, als sein Schatz, fest in die Decke gemummelt, friedlich schlief. Das Schmerzmittel, schien seinen Dienst zu tun. Vorsichtig krabbelte Samu zu Riku ins Bett. Strich ihm einmal durch die weichen Locken und drückte ihm einen sanften Kuss darauf. „Schlaf schön, mein Lifesaver!“ Kuschelte sich Samu hinter Riku und legte seinen Arm um ihn. Etwas unverständliches murmelnd, zog ihn Riku fester an sich heran. Die Nase in diesen wundervollen Haaren vergraben, schlief auch Samu endlich ein.

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