Kapitel 123

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Die nächsten Tage, spielten sich ähnlich ab. Riku hielt sich brav an die Anordnung, sich zu schonen und an Samus Aufsicht, dass er dies wirklich tat. Es war schon ein Wunder, dass er alleine aufs Klo durfte. Doch Riku wusste dies auch zu schätzen. Ausserdem spürte er, dass es was brachte, wenn er sich wirklich an die Schonzeit hielt. Es ging ihm von Tag zu Tag besser. Die Schmerztabletten, konnte er immer mehr reduzieren. Worüber Riku froh war. Sein Rücken, wurde wieder beweglicher und Schmerzen hatte er vor allem noch dann, wenn man an die Stelle kam. Samu war ebenfalls froh, dass eine Besserung zu sehen war. Jetzt waren sie auf dem Weg zur Nachkontrolle. „Herr Rajamaa, Herr Haber.“ Wurden sie freundlich von der Schwester begrüsst, die schon vor einer Woche dort war. „Sie sind ja wieder flott unterwegs, Herr Rajamaa!“ Lächelte sie ihn freundlich an. „Es geht mir auch besser.“ – „Da hatten sie wohl eine gute Pflege.“ Zwinkerte sie Samu zu. Dessen Augenbraue, schnellte nach oben. Auf seine Lippen, legte sich dieses spitzbübische Grinsen. „Setzen sie sich hin.“ Beide nickten. „Ich glaube, du hast Recht.“ – „Mit was?“ – „Das sie was ahnt.“ Machte Samu eine Kopfbewegung Richtung Empfang. Riku zuckte mit den Schultern. „Schlimm?“ Samu schüttelte den Kopf. Dabei strich er durch Rikus Nackenhaare. „Herr Rajamaa.“ Riku stand auf und folgte dem Arzt in den Raum. „Sie wissen es. Nicht wahr?“ Nahm es Samu doch unglaublich wunder. „Herr Haber.“ – „Nennen sie mich Samu.“ – „Dunia.“ Setzte sie sich neben ihn. „Ich sehe hier wirklich viel, Samu. Menschen die sich lieben und solche, die sich hassen. Und sie und ihr ‘bester’ Freund, ihr seit definitiv die Menschen, die sich lieben.“ – „An was haben sie es uns angesehen.“ Dunia lächelte. „Wenn sie sehen könnten, wie sie beide sich ansehen, dann müssten sie mir diese Frage nicht stellen.“ Samus Stirn legte sich in Runzeln. „So offensichtlich?“ – „Keine Sorge. Nicht jeder kann es sehen. Aber behalten sie sich diese Liebe in ihrem Herzen. Sie ist was unglaublich kostbares.“ Samu nickte. Augenblicklich legte sich ein weiches Lächeln auf sein Gesicht. Denn Riku kam aus dem Zimmer. „Alles gut?“ Stand Samu sofort auf. „Alles bestens.“ Der Arzt verabschiedete sich von den Beiden. „Bin ich froh!“ Zog Samu Riku in eine Umarmung. Riku schloss kurz die Augen. Wie schön es wäre, wenn sie jetzt so mit einander umgehen könnten, wie Zuhause. „Lass uns nach Hause gehen, Samu.“ Dieser nickte. „Ich wünsche euch beiden alles Gute“, sagte Dunia. „Sie weiss es wirklich.“ Riku sah Samu fragend an. „Ich habe sie gefragt.“ – „Und wie...an was?“ Auf Samus Gesicht, legte sich ein warmes Lächeln. Dieses Lächeln, welches Riku schon immer zum schmelzen und Wärme in sein Herz brachte. Riku liebte es. „In unseren Blicken. Scheinbar sehen wir uns unglaublich verliebt an.“ Samu legte Riku den Arm um die Schulter und drückte ihn kurz aber fest an sich. „Das kann man nun mal nicht ausschalten.“ Flüsterte Samu dabei in Rikus Haare. Dieser seufzte. Dem Drang, Samu hier und jetzt zu küssen, widerstand Riku gerade mit grosser Mühe. Es wäre das schönste Weihnachtsgeschenk, wenn sie endlich ganz normal mit einander umgehen könnten. Doch diesen Wunsch, schob Riku weit nach hinten, um nicht darüber nach denken zu müssen. Gerade, war er einfach nur froh, konnte er aufrecht stehen und gehen. Und dies zusammen mit Samu. Noch etwas steifer und langsamer als sonst, stieg Riku in das Auto. Samu spürte, dass er mit seinen Gedanken irgendwo anders war. Riku war zu lesen wie ein Buch und gleichzeitig unergründlich. Samu wusste, was an ihm nagte. Auch wenn er es nicht mehr erwähnte. So wusste Samu, dass sich Riku nichts mehr wünschte als vollkommene Normalität. Samu liess seine Finger, von seinem Nacken, durch Rikus Locken gleiten. Zog ihn an sich. Fest drückte Samu ihm einen Kuss auf die Schläfe und verharrte einen Moment so. Tief atmete Riku durch. „Fahr nach Hause, Samu.“ Noch einmal, sog Samu Rikus Duft ein, bevor er von ihm ab liess und das Auto startete.
„Schatz. Alles gut?“ – „Etwas müde.“ Samu nickte. Die Fahrt verlief schweigend. Nicht dieses angenehme Schweigen, wie vor ein paar Tagen am See. Ein bedrückendes Schweigen. Ein Schweigen, in dem man sich nur unwohl fühlte. Kaum hatte Samu das Auto in der Garage zum stehen gebracht, stieg Riku auch schon aus. Ein Zeichen, dass er nicht reden wollte. Samu lehnte seufzend seine Stirn gegen das Lenkrad und schloss die Augen. Warum konnten sie nicht einfach als normal angesehen werden. Und damit, meinte er nicht die Tatsache, dass sie Schwul waren. Sondern ihren Status, den es, wohl oder übel gab, wenn man bekannt war.
Als Samu ins Haus kam, war von Riku nichts zu sehen. Seit ein paar Wochen, war es ihr Haus. Ihr Eigenheim. Riku wusste bloss noch nichts davon. Es sollte Samus Weihnachtsgeschenk sein. Sie hatten immer wieder darüber gesprochen, wenn auf der Tour Zeit blieb. Riku hatte alles durchgerechnet, ob es denn überhaupt machbar war. Grundsätzlich, waren sie sich einig, es zu tun. So hatten sie es auf sicher und keiner, konnte es ihnen mehr wegnehmen. Denn Samu und Riku, waren sich sicher, dass sie dort nicht wieder weg wollten. Sie hatten nur noch keine Zeit, um das Ganze persönlich zu regeln. Was Riku nicht wusste war, dass Samu das, nachdem er sich noch einmal bei Riku versichtert hatte, dass er es auch wolle, mit Frau Virtanen telefoniert hatte, um den Vertrag zu ändern. Er erklärte ihr die Umstände und sie war so nett und hat ihm eine Kopie des Vertrags per Mail zu kommen lassen. Den würde er Riku an Heilig Abend, wenn sie beide gemeinsam feierten, überreichen. Im neuen Jahr, konnten sie ihn dann unterschreiben gehen. Jetzt jedoch, gab es etwas Wichtigeres. Die Suche nach seinem Schatz. Lange brauchte Samu dazu jedoch nicht. Hörte er aus dem Keller Rikus Gitarre. Also würde er ihn einfach mal in Ruhe lassen. Auch wenn es Samu gerade schwer fiel. Er mochte es nicht, wenn Riku bedrückt war und es mit sich selber ausmachte. Doch noch während Samu darüber nach dachte, hatte er eine Idee, die Rikus trübe Stimmung, vielleicht etwas aufheitern würde. Schnell zog er sich an und eilte in die Garage. Riku würde sicher die Zeit vergessen und nicht einmal merken, wenn er weg war.
Etwa einen Kilometer von ihrem Haus entfernt, bog Samu in einen Waldweg ein. Parkte den Wagen und nahm die Axt daraus. Dick eingepackt, stapfte er durch den Schnee, auf der Suche nach dem schönsten Tannenbaum für seinen Schatz. Er wusste schon, wo er sich in ihrem Wohnzimmer am besten machen würde. Lächelnd blieb Samu stehen. Da war er. Nicht zu gross, aber auch nicht so mickrig klein, wie die, an denen er, bis jetzt vorbei kam. Perfekt, wie Riku. Samu seufzte. Er hoffte, Riku damit eine Freude zu machen. Wusste er doch, auch wenn er nie etwas gesagt hatte, dass er gerne einen Weihnachtsbaum hätte. Manche Dinge, musste Riku noch lernen. Und zwar seine Wünsche besser zu äussern. Bis auf den einen Herzenswunsch, würde Samu ihm jeden erfüllen. Natürlich hätte Samu auch einfach in die Stadt fahren können, um einen Baum zu kaufen. Doch würde ihn das keine Mühe kosten. Im Gegensatz zu seinem jetzigen Plan. Doch, so fand Samu, war die Geste so wirkungsvoller. Verschwitzt und ziemlich ausser Puste, verfrachtete Samu den Baum in Rikus Auto, den sich Samu, für diesen Zweck, ausgeliehen hatte.

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