Kapitel 62

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Der Montag und dadurch der Start in eine neue Woche und viel Arbeit im Studio, stand schneller vor der Tür, als es Samu und Riku lieb war. Sie genossen den Rest des Wochenendes, ohne zu streiten. Dafür mit viel Liebe und die Zweisamkeit geniessen. „Schatz, komm aus den Federn. Wir müssen bald mal los.“ Küsste Samu Rikus Stirn, stellte den Kaffee auf den Nachttisch und verliess das Zimmer schon wieder. Er musste noch duschen. Der Wecker, war heute auch einfach wieder zu leise, so dass ihn Samu zu spät gehört hatte. Von Riku ganz zu schweigen. Dabei wollte Samu doch, dass Riku heute Morgen genügend Zeit hatte und nicht mit Stress beginnen musste. Ohne ihn dabei bemuttern zu wollen. Daraus, wurde jetzt wohl nichts. Als Samu aus der Dusche und zurück ins Schlafzimmer kam, lag sein Schatz immer noch unter die Decke gekuschelt. Samu lächelte. Alles was man sah, waren seine Locken. „Rik.“ Liess Samu seine Finger, durch diese gleiten. „Die Arbeit ruft!“ Ein Brummen, kam unter der Decke hervor. „Ich habe leider den Wecker nicht gehört, weshalb ich dich jetzt so aus dem Bett scheuchen muss.“ Riku regte sich unter Decke. Er kroch nah an Samu heran und legte seinen Kopf in seinen Schoss. Samu brachte es einfach nicht übers Herz, seinen Schatz, noch weiter zu quälen, bis er endlich aus dem Bett stieg. „Soll ich Mikko anrufen, dass wir erst später kommen?“ Ein leichtes Nicken, kam unter der Decke hervor. „Bin gleich wieder da!“ Samu drückte Riku einen Kuss auf den Kopf und ging ins Wohnzimmer, wo sein Telefon lag. Gerade, als Samu das Telefon vom Tisch nehmen wollte, fing es an zu klingeln. „Mikko! Kannst du Gedanken lesen?“ – „Nein, wieso?“ – „Weil ich dich gerade anrufen wollte.“ – „Ok. Ich hoffe, ihr seit noch nicht unterwegs.“ – „Eben nicht. Ich kriege unseren Gitarrengott, nicht aus dem Bett. Und ich habe verschlafen.“ – „Dann wird es euch ja entgegen kommen, dass wir uns erst um 12 Uhr treffen. Jukkas Flieger hat Verspätung.“ Samu lächelte, als er etwas Warmes an seinem Rücken spürte. Riku lehnte sich an Samus Körper, schlang seine Arme um dessen Taille und legte seinen Kopf auf Samus Schulter ab. Dabei schloss Riku die Augen wieder. „Das kommt uns mehr als entgegen. Wir werden pünktlich sein! Bis später!“ Beendete Samu das Telefonat. Legte das Telefon weg und drehte sich, so gut es ging, zu Riku um, der sich keinen Millimeter bewegte. Samu schlang nun auch seine Arme um Riku und hielt ihn fest. „Hast du gut geschlafen?“ Riku nickte. „Einfach zu wenig lang. Warum hast du mich denn nicht früher geweckt?“ – „Wollte ich. Doch der Wecker war zu leise.“ Riku entwich ein heiseres Lachen. „Der böse Wecker.“ – „Wirst du jetzt schon frech? Bevor du überhaupt die Augen richtig öffnen kannst.“ Riku schüttelte schnell denn Kopf, was Samu zum Schmunzeln brachte. „Aber Zeit zum Duschen, hattest du schon.“ Bemerkte Riku, als er seine Nase an Samus Hals vergrub. „Ich dachte, so ist wenigstens einer von uns startklar. Und du, machtest ja keine Anstalten, aufstehen zu wollen.“ Samu küsste sich über Rikus Haare. Verschmuster als die beiden, konnte man wohl gar nicht sein. „Jetzt, bin ich ja auf. Wann geht es los?“ Brummte Riku. „Mikko hat gerade angerufen, dass wir uns erst um 12 Uhr treffen, weil Jukka Verspätung hat. Deshalb, haben wir jetzt auch genügend Zeit, um zu frühstücken!“ Zu Samus Lippen, gesellten sich nun auch seine Finger, die sich durch die weichen Locken kraulten. „Darf ich zuerst auch noch Duschen?“ Hob Riku den Kopf und sah Samu fragend an. „Natürlich! Ich mach dann so lange schon mal das Frühstück.“ Samu wollte sich von Rikus lösen und aufstehen. Doch dieser hielt ihn zurück. „Ich dachte, du kommst mit.“ Biss sich Riku auf die Lippen. „Nichts lieber als das!“ Grinste Samu und schnappte sich seinen Freund, um mit ihm unter die Dusche zu hüpfen, bevor es Frühstück gab.
Pünktlich, ja fast schon überpünktlich für ihre Verhältnisse, nämlich eine halbe Stunde früher, machten sich Riku und Samu auf den Weg zum Studio. Völlig entspannt, liess sich Riku in den Sitz von Samus Wagen sinken. „Alles gut?“ Samu umschloss Rikus Hand und sah kurz zu ihm rüber, bevor er sich wieder auf die Strasse konzentrierte. „Alles Bestens!“ Drückte Riku einen Kuss auf Samus Handrücken und schenkte ihm ein Lächeln. Welches ihm Samu zurück schenkte, als er ihm liebevoll durch die Haare strich. Als Samu das Auto parkte, war vom Rest der Meute, noch nichts zu sehen. „Zu früh!“ Grinste Riku. „Nein. Genau richtig, damit ich meinem Schatz noch einen...mmm...langen Kuss...geben kann...mmm...“ Nuschelte Samu an Rikus Lippen, denen er sich genähert hatte und nun mit seinen umschloss. Ein langer, inniger Kuss, voller Liebe, folgte, in dem Samu und Riku versanken und alles um sich herum vergassen. Bis ein Klopfen an der Scheibe, sie wieder aus ihrer Welt der Liebe raus holte. Mikko stand grinsend draussen. „Na ihr Zwei. So früh schon da?“ – „Wir dachten, wir nutzen den entgegenkommenden Aufschub und lassen euch mal nicht warten. So für den ersten Arbeitstag.“ Grinste Samu und stieg aus. „Stress, wollen wir noch etwas vermeiden.“ Schlug er mit Mikko ein und nahm dann Rikus Hand in seine, der sich auch aus dem Auto bemüht hatte. „Geht es dir denn schon wieder so gut, dass du arbeiten kannst, Riku?“ Begrüsste Mikko ihn. „Heikles Thema.“ Samu warf Riku einen prüfenden Blick zu. Scheinbar nur bei ihm ein heikles Thema. „Geht schon. Sonst habe ich ja meine persönliche Krankenschwester mit dabei, die mich, so ist der Deal, aufs Sofa beordern darf, wenn es nicht mehr geht. Ohne, dass ich maule.“ Riku grinste Samu herausfordernd an. Mikko musste sich ein schallendes Lachen verkneifen, als er sich Samu als Krankenschwester vorstellte. „Es wird schon gehen. Herr Rajamaa läuft jetzt wieder, statt zu schlurfen.“ Auf diese Bemerkung hin, fing sich Samu einen Klabs auf den Hinterkopf von Riku ein. Es war alles wie immer, dachte Mikko.

Der Tag verging schnell, genau wie die darauf folgenden. Riku hielt sich an das Versprechen, dass er Samu gegeben hatte und den Deal, den sie hatten. Riku legte häufiger mal eine Pause ein und machte es sich auf dem Sofa bequem. Oftmals, schlief er dann auch kurz ein, was niemanden zu stören schien. Jukka legte die Aufnahmen absichtlich so, dass Riku mehr Pausen einlegen konnte. Ohne, dass dieser es wirklich merkte und sich etwa auch noch vom Rest der Jungs bemuttert vor kam. Auch Samu hielt sich an sein Versprechen und hielt sich zurück mit seiner Sorge, um Riku. Welche sich mit der Zeit, ohnehin legte, da Riku von Tag zu Tag wieder mehr Energie und Kraft hatte. Seine Phasen ohne Pausen, wurden länger und passten sich irgendwann, wieder dem Rhythmus der Jungs an. Ohne gross etwas dafür zu tun. Für Samu und Riku, waren die Studioarbeiten, jetzt, da alle von ihnen wussten, total entspannt und bedeuteten keinen psychischen Stress mehr. Sie waren konzentrierter, ausgeglichener und strozten vor Tatendrang. Das Dreamteam der Band, war wieder zurück. Was zu einer allgemeinen Verbesserung der Stimmung beitrug. Doch die Euphorie über das neue Album, welches am entstehen war, hielt sich in Grenzen. Zumindest bei Mikko und Jukka. Sie hörten sich gerade die Demoversion an, als Mikko seufzte. „Ach komm, Mikko, so schlecht ist es nicht.“ Samu war dieses Mal weniger kritisch mit ihrem Werk. „Nein, das nicht. Doch irgendwie fehlt da noch was. Es fehlen ohnehin noch zwei Songs. Keiner mehr einen im Hinterhalt?“ Mikko sah fragend in die Runde. Riku und auch Jukka warfen Samu eine vielsagenden Blick zu. Dieser schüttelte kaum merklich den Kopf. „Was ist los, Samu? Wenn du noch etwas hast, dann hau es raus.“ Samu kaute auf seiner Unterlippe rum. „Es ist ziemlich persönlich.“ Unsicher sah er Riku an. „Das hat dich doch sonst nicht davon abgehalten. Komm, lass es uns wenigstens hören.“ Samu seufzte. „Dann schmeiss es rein, Jukka.“ Vom ersten Ton an, welcher Samu auf dem Demotape seiner Gitarre entlockte, wurde es ganz still im Studio. Alle lauschten der melancholischen und eingängigen Melodie und dem Text, der irgendwie traurig klang. Und keiner musste die Frage in den Raum stellen, für wen dieser Song war und wann Samu ihn geschrieben hatte. Es war durch die Melodie und den Text heraus zu hören. „Ich weiss nicht was du hast, Samu. Der klingt doch viel versprechend. Wenn du noch das ‘he’ durch ein ‘she’ austauschst, werden ihn die Leute lieben.“ - „Genau das, wollte ich nicht.“ Es war Rikus Song und da konnte man nicht einfach ein ‘she' daraus machen. Aus diesem Grund, hatte Samu den Song auch für sich behalten. „So, kannst du ihn nicht bringen.“ Samu schnaubte verächtlich. Riku legte seine Hand auf Samus Arm und sah ihn fest an. „Was macht es für einen Unterschied?“ – „Einen grossen. Einen riesengrossen. Rik, der Song ist für dich, das weisst du doch. Wenn ich ihn ändere, dann...“ Samu raufte sich die Haare. Liebevoll sah Riku Samu an und strich mit seinem Daumen über Samus Handrücken. „Ist er doch trotzdem noch. Ich kenne ja denn richtigen Text. Und vielleicht können wir ja beide Textversionen aufnehmen, damit ich immer eine Zuhause habe!“ Samu wurde ruhiger. Und einmal mehr, war die Männerrunde geplättet, welche Wirkung, Riku auf den grossen, blonden Sturkopf haben konnte. Dies, war von allem Anfang an so. „Das mit den zwei Aufnahmen, können wir machen. Überhaupt kein Problem!“ Lenkte Jukka ein. Den Song brauchten sie noch auf dem neuen Album. Samu atmete tief durch und nickte zustimmend. „Ok. Dann machen wir das so.“ Erleichterung machte sich breit und sie machten sich gleich an die Arbeit.

„Samu warte kurz.“ Hielt Riku seinen Schatz am Arm zurück, als dieser, für die Pause, den anderen folgen wollte. „Was denn?“ Drehte sich Samu erstaunt zu ihm um. Riku kaute nervös auf seiner Unterlippe herum und fuhr sich durch die Haare. Diese Unsicherheit, kannte Samu doch nur zu gut von Riku und den Anfangszeiten bei ihnen. „Was ist los?“ – „Nun ja...wir bräuchten noch einen Song, stimmt’s?“ Samu nickte und musterte seinen Freund. So unsicher, hatte er ihn schon lange nicht mehr erlebt. „Ich hätte da...vielleicht...noch einen...“ Samu hob eine Augenbraue. Sagte jedoch nichts, da er Riku ansah, dass er noch nicht alles gesagt hatte. „Eigentlich...also...ist er wahrscheinlich nicht wirklich geeignet für auf ein Album. Wollte ich auch nicht. Doch da du deinen Song geopfert hast, würde ich es mit meinem auch tun...Es ist nur...“ – „Was, Rik.“ Samu kniete sich vor Riku hin. „Ich möchte, dass du ihn zuerst hörst, bevor ihn die anderen hören.“ Rikus Finger, nestelten am Saum von Samus Pullover herum. „Na dann los. Ich bin ganz Ohr.“ Samu setzte sich neben Riku und gab ihm einen Kuss aufs Haar. „Warum so aufgeregt?“ Samu sah Riku besorgt an, als dieser seine Gitarre stimmte. „Ich weiss nicht.“ – „Er wird bestimmt mega sein!“ Riku zuckte mit den Schultern. „Wohl eher mega melancholisch.“ Liess Riku nun seine Finger über die Saiten gleiten, um ihnen diese zarte, wundervolle und traurige Melodie zu entlocken.
‘Please bring me another Tequila. I don’t need a sober day just yet...’ Stimmte Rikus Stimme zur Gitarre mit ein. Eine Gänsehaut, durchfuhr Samus Körper, weil er Rikus Stimme einfach liebte. Sie war so sanft und gefühlvoll. ‘I don’t need another umbrella. I’m already wet from head to toe...’ Der Text, machte Samu taurig. Und er wusste ziemlich sicher, zu welcher Zeit, Riku den Song geschrieben hatte. Müsste Samu eine Wette darüber abschliessen, er würde gewinnen. ‘There’s no need to wear a sweather. I’m way to deep in the cloud...’ Es konnte gar nicht anders sein, als dass es in der Zeit war, nachdem Samu ihm seine Liebe gestanden hatte. Es war wohl einer dieser Augenblicke, in dem Riku, auf eine noch nicht ganz verständliche Art und Weise bewusst wurde, dass er ihn auch liebte. Samu spürte den ganzen Schmerz, den Riku damals durchlebte. Was dazu führte, dass er seine Tränen, nicht länger zurück halten konnte. Sie liefen unaufhörlich aus den Augen, über seine Wangen und tropften von dort auf sein Shirt. Die Sicht verschwamm, weshalb Samu die Augen schloss, während er seinen Kopf an Rikus Rücken lehnte. Er hatte die Tränen in Rikus Augen gesehen und hörte das Zittern in seiner Stimme. Wie gerne, wäre Samu damals bei ihm gewesen, um ihm genau diesen Schmerz zu nehmen. Wenn Samu jedoch genau hin hörte, musste er feststellen, dass der Song auch etwas Positives und Hoffnungsvolles ausstrahlte. Es war nicht bloss der Text im Refrain, sondern auch die Melodie. Man musste sie einfach lieben. ‘Hey little fighter soon it will be brighter, we’re over the stormy end...’ Der Song vermittelte jedem, der auch in einer solch trüben Situation steckt, dass der Sturm irgendwann vorbei ist und sich die Wolken wieder lichten werden. Wenn man nur lange genug dafür kämpft und durchhält. Ein Song für Kämpfer und all diejenigen, die noch nicht die Kraft hatten, zu kämpfen. Riku vergrub, sein Gesicht an Samus Hals, als der Song zu ende war. „Ich hätte für dich da sein müssen. Dir diesen Schmerz nehmen!“ Samu strich Riku liebevoll durch die Haare. „Ich habe dich von mir weg gestossen. Ich musste wohl durch diese Schmerzen hindurch, um zu verstehen, wie sehr ich dich liebe und brauche.“ Flüsterte Riku. „Der Song ist wunderschön, Rik!“ Samu lächelte Riku an und gab ihm einen Kuss.
„Das ist er wirklich!“ Holte sie Samis Stimme, wieder ins hier und jetzt zurück. Als sie auf sahen, standen die Jungs im Studio. „Wir wollten nicht lauschen. Doch wir haben es bis nach draussen gehört, da das Fenster auf ist und da wurden wir neugierig.“ Erklärte Osmo ihr Auftauchen, da es offensichtlich war, dass es nicht so geplant war.
„Ist das ein neuer Song? Der, der uns noch fehlt?“ Jukka sah Riku fragend an. „Wenn er dazu zu gebrauchen ist?“ Samu konnte nicht fassen, dass Riku diese Frage überhaupt stellte. „Und ob er das ist! Die Frage ist jetzt nur, ob du ihn bringen und von Samu gesungen haben willst, oder nicht?“ Riku sah zu Samu. „Deine Entscheidung, Rik! Es ist dein Song.“ Riku atmete tief durch. „Da Samu seinen Song frei gegeben hat, werde ich meinen auch freigegeben. Und wenn von jemandem anderen gesungen, dann nur von Samu!“ Riku sah diesen verliebt an und gab ihm einen Kuss. „Ihr wardt zusammen ja fast schon fleissiger, als Samu in Amerika.“ Warf Mikko in die Runde. „Ich habe dir doch gesagt, dass ich meine Muse brauche!“ Grinste Samu und schenkte Riku noch einen Kuss. „Dann an die Arbeit, ihr Turteltauben!“ Klatschte Jukka, zufrieden, in die Hände. Rikus Song, würde sich gut machen auf dem Album.

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